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Bonhoeffer - Graphic Novel

von
Moritz Stetter

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Das Buch „Bonhoeffer“ von Moritz Stetter (geb. 1983) ist ein Comic von 112 Seiten. Stetter ist ausgebildeter Künstler und Zeichner (Kostproben seines Könnens: www.demotapecomix.de). Schon die Aufmachung zeigt die Stärken dieser Gattung, die Bild und Erzählung verbindet. Vom Ende her gesehen könnte man das Buch auch als Plot eines Films bezeichnen.

Inhaltlich hat es insofern eine gewisse Nähe zum Film „Die letzte Stufe“ (1999), da Moritz Stetter die Geschichte Dietrich Bonhoeffers aus der Perspektive der Gefängniszeit von 1943-1945 erzählt. Die Biographie kommt hier allerdings in Rückblenden so ausführlich ins Spiel, dass die Situation der Verhöre und des Gefängnisses zunächst zurücktritt, bis sich zum Ende der Geschichte die Erfahrung des Scheiterns geplanter Anschläge gegen Hitler verdichtet.

Der Comic ist eine Kunstform, die mit szenischen Abfolgen arbeitet. Die Erzählung der Biographie Bonhoeffers, seiner Ziele, Gedanken und Aussagen wird somit eingebettet in seine persönlichen Erfahrungen und Beziehungen. Die Steigerung des Schicksals seiner Arbeit vollzieht sich im Spannungsfeld seiner Familiengehörigen und Freunde aus Studium und Kirche, die zum Teil selbst in den Widerstand verwickelt waren. Die Geschichte des Nationalsozialismus und seiner Folgen wird immer wieder in Gestalt Fakten schaffender Ereignisse eingeblendet: Machtergreifung, Boykott jüdischer Geschäfte, Reichspogromnacht, fehlgeschlagene Attentate. Was bietet die Gestalt Dietrich Bonhoeffers im Zusammenhang dieses geschichtlichen Spannungsfelds? Warum war er vom ersten Tag der Gefängniszeit an von der Todesstrafe bedroht?

Passend zur Gattung des Comics geht es hierbei gerade nicht um Fakten, sondern um Einflüsse und Beziehungen. Der Comic stellt Personen immer wieder in Beziehung zueinander und erklärt diese durch Inhalte. Die „Waffen“ des Pastors und Theologen Dietrich Bonhoeffer waren seine Entscheidungen, zu denen er stand, wenn er sie einmal erkannt hatte, und das gepredigte Wort, oft in literarischer Gestalt. Dies wird im Buch dadurch ausgedrückt - für den ersten Kontakt mit der Materie eher unauffällig -, dass der Text, vom erzählerischen Teil abgesehen, aus Originalzitaten Bonhoeffers besteht. Besondere Texte werden zu exzellenten Wort-Bild-Collagen gestaltet, wie der Vortrag zum Führerbegriff, der Vortrag zur Judenfrage in der Kirche und die Gedichte „Nächtliche Stimmen“ und „Wer bin ich?“ aus der Gefängniszeit.

Viel mehr aber als in textorientierten Darstellungen, ja sogar auch als im Film, der stark auf Bonhoeffers Verlobungszeit fokussiert, zeigt sich das Wirken Dietrich Bonhoeffers in der Beziehung zu seinen Freunden und familiären Begleitern. Die Rolle der Freundschaft zu Franz Hildebrandt bekommt im Comic eine eigenständige Qualität. Die Aussagen der Zeichnungen sind gefühlsbetont und wirken damit direkter und plakativer als die Sprache und werden doch von ihr unterstützt und geleitet. Der Comic lebt damit auch von der prägnanten Formulierungskunst Dietrich Bonhoeffers und macht diese plastisch. Er macht ihn nicht zum Helden, aber auch nicht zum hilflosen Opfer.

„Bonhoeffer“ ist ein Bild der glaubwürdigen Person in der geschichtlichen Herausforderung. Sein Denken und sein Schreiben wächst stärker aus Beziehungen, als dies bislang in Biographien dargestellt worden ist. Der Comic ist eine Gattung, die über Dietrich Bonhoeffer Entscheidendes aussagen kann. Er erschließt die Person dieses Theologen solchen Menschen, die mit Comics vertraut sind, also einer zumeist jüngeren Generation. So würde sich dieses Buch als Geschenk zur Konfirmation eignen.

Dass die Sprache dieses Comics überwiegend die Dietrich Bonhoeffers ist, macht das Buch dabei zugleich anspruchsvoll. Es setzt schon ein gewisses, allgemeines Vorwissen über die Zeit des Nationalsozialismus voraus. Eine Anwendung als Lektüre im Religionsunterricht wäre in diesem Zusammenhang denkbar. Der Comic erschließt Dietrich Bonhoeffer neu und stellt ihn weniger in den kirchlichen als den zeitgeschichtlichen Kontext, was seine Wirkung zugleich erweitert. Dass dieses Buch uneingeschränkt zu empfehlen ist, war den Worten dieser Rezension sicherlich schon zu entnehmen. Menschen, deren Glaubensgeschichte noch jung ist, können am Beispiel dieser einen Person wachsen lernen.

Autor: Christoph Fleischer

Literaturangaben

  • Stetter, Moritz: Bonhoeffer - Graphic Novel. Comic. Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2010, € 14,99, ISBN: 978-3-579-07050-6


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