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Capote

Ein Film von
Bennet Miller

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Capote. Der mit diesem schlichten Titel versehene Film des Regisseurs Bennet Miller aus dem Jahr 2005 liefert nicht, wie vermutet werden könnte eine Biographie des berühmten amerikanischen Schriftstellers Truman Capote? („Frühstück bei Tiffany“). Es handelt sich vielmehr um ein Porträt Capotes? während des Entstehungsprozesses seines 1966 veröffentlichten Romans „Kaltblütig“. Die Handlung umfasst einen Zeitraum von ungefähr sieben Jahren aus dem Leben Capotes?.

Handlung

Der Film setzt mit der Entdeckung des Mordes an einer Kleinstadt-Familie aus Kansas im November 1959 ein. Capote? erfährt von dieser Tat aus der Zeitung? und entschließt sich, darüber einen Artikel? für das Magazin? New Yorker zu verfassen. Mit der Autorin Harper Lee? („Wer die Nachtigall stört“), die seit seiner Jugend mit Capote? befreundet ist, bricht er zur Recherche? an den Ort des Verbrechens auf. Es gelingt ihm, die Kleinstadtbewohner für sein Ansinnen zu gewinnen, und als die Täter gefasst werden, gewinnt er auch ihr Vertrauen, um Informationen aus nächster Nähe zu erhalten. Bald erkennt der Schriftsteller, dass das angesammelte Material in einem Artikel? nicht angemessen verwertet werden kann. Er entschließt sich, eine umfangreichere Arbeit vorzulegen. Die Idee zum Tatsachenroman? ist geboren.

Über Jahre hinweg verfolgt Capote? Prozesse vor immer höheren Instanzen gegen die beiden Mörder. Nach und nach nimmt sein Buch Form an, wobei er zwischen Distanz und Nähe zu den Inhaftierten schwankt. Aus notwendiger Befragung zu Recherchezwecken? gehen Momente von Zuneigung hervor, die wiederum Hilfeleistungen nach sich ziehen. Etwa die Vermittlung eines Anwalts. Im nächsten Augenblick wird die Motivation zu dieser Hilfe wieder in Frage gestellt und der Verdacht, der Autor handle ausschließlich im eigenen Interesse, schleicht sich ein. Diese Situation ist für Capote? schier unerträglich, er bleibt dem Gefängnis länger fern und gerät in die paradoxe Situation seinen Roman nicht beenden zu können, da die Täter noch ihrer Hinrichtung harren. Der enorme Erfolg des Buches ist bereits absehbar, was dem Verfasser sichtlich behagt, am Ende des Films bleibt ihm jedoch ein schwerer Gang nicht erspart.

Kritik

Dunkle, düstere Bilder prägen das Drama. Bereits die Eingangsszene in der die ermordete Familie aufgefunden wird, besticht nicht durch Deutlichkeit und Schärfe, sondern überlässt den Zuschauer mit kurz angedeuteten Einblicken seiner eigenen Vorstellungskraft. Dunkle Gefängniszellen, eine unwirtliche Umgebung in der Kleinstadt, wenig Licht und viel Schatten dominieren und erzeugen eine düstere Stimmung. Diese spiegelt die Handlung wider, in deren Zentrum die Geschichte eines Mordes steht.

Capotes? innere Zerrissenheit während seiner Arbeit am Tatsachenroman? „Kaltblütig“ wird von Philip Seymour Hoffman hervorragend dargestellt. Er wirkt authentisch in der Rolle des Exzentrikers, sei es in der Nachahmung dessen ungewöhnlicher Stimme, sei es in der Art, wie er sich in der High Society verhält. Man erhält den Eindruck eines Mannes, der sich in seiner eigenen Haut nicht besonders wohlfühlt. Dies bezieht sich jedoch nicht auf den Schauspieler Hoffman, sondern auf den Dargestellten Capote?. Hoffman verleiht seiner Rolle durch seine steifen Bewegungen, sein unsicheres übertriebenes Gelächter eine aufgesetzte Überlegenheit, die der Autor aus dem Bewusstsein seines Talents zieht. Sein Können scheint seine charakterlichen Mängel zu rechtfertigen, allerdings ist er sich dieser Fehler ebenso bewusst und scheint darunter zu leiden. Diesen Zwiespalt auf solch gelungene Weise darzustellen überzeugte auch die Academy, so dass Hoffman bei den Verleihungen im Jahr 2006 für die Rolle des Trauman Capote? mit dem Oscar für den Besten Hauptdarsteller ausgezeichnet wurde. In ihren Rollen als Harper Lee, Detective Dewey und Mörder Perry Smith überzeugen auch Catherine Keener, Chris Cooper und Clifton Collins Jr. Keener spielt neben Hoffmann zurückhaltend, verleiht ihrer Rolle der Harper Lee dennoch die nötige Courage, um überzeugend als moralische und seelische Stütze Capotes zu agieren und dem Erfolgsautor auf Augenhöhe gegenüberzutreten.

Die dramatische Handlung entwickelt auf ihre Weise eine spezielle Art der Spannung, da die Vorgänge auf ein unweigerliches Ende hinauslaufen. Der Zuschauer verfolgt den Weg der Protagonisten hin zu diesem vorgegebenen Ziel. Dabei ist interessant zu sehen, welch bittere Geschichte hinter der Entstehung eines der berühmtesten Bücher der amerikanischen Literatur des 20. Jahrhunderts steckt. Bennett Miller ist es gelungen, einen unbedingt sehenswerten Film zu drehen, der von der Entstehung eines Buches berichtet, den Autor beim Entstehungsprozess? begleitet und nebenbei eine spannende Geschichte über ein schreckliches Verbrechen erzählt.

Informationen zum Film

Originaltitel: Capote

Produktionsjahr: 2005

Länge: ca. 110 min

Regie: Bennett Miller

Drehbuch: Dan Futterman

Besetzung:

  • Philip Seymour Hoffman – Truman Capote
  • Catherine Keener – Harper Lee
  • Chris Cooper – Alvin Dewey
  • Clifton Collins Jr. – Perry Smith
  • Mark Pellegrino – Dick Hickock

Capote war im Jahr 2006 für 5 Oscars nominiert in den Kategorien bester Film, beste Regie, bester Hauptdarsteller (Philip Seymour Hoffman), beste Nebendarstellerin (Catherine Keener) und bestes adaptiertes Drehbuch. Hoffman wurde als bester Hauptdarsteller ausgezeichnet. Darüberhinaus erhielt der Film zahlreiche weitere Auszeichnungen.

Autor: Patrik Bauman


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