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Chesterton, Gilbert Keith

Gilbert Keith Chesterton (geb. 29. Mai 1874 in London; gest. 14. Juni 1936 in Beaconsfield) war ein britischer Schriftsteller und Journalist?. Er schuf die Figur des Father Brown?.

Leben und Schreiben

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Gilbert Keith Chesterton wurde am 29. Mai 1874 in London geboren. Der Vater war ein wohlhabender, künstlerisch begabter und sehr gebildeter Häusermakler. Seinen zweiten Vornamen Keith erhielt Chesterton nach dem Geburtsort der Mutter, was damals nicht ungewöhnlich war. Mit seinem fünf Jahre jüngeren Bruder Cecil, der 1918 in einem französischen Lazarett starb, sollte er später viel zusammenarbeiten, die beiden verband eine enge Freundschaft.

Beide Eltern Chestertons gehörten den Unitariern an. Diese Religionsgemeinschaft lehnt die Trinitätsvorstellung ab, vertritt ein liberales Christentum mit eher pantheistischem Gottesbild. Das ist insofern interessant, als Chesterton 1922 zum Katholizismus übertrat und seine bekannteste Figur, der Hobby-Ermittler Father Brown, ein katholischer Geistlicher ist. Der Übersetzer? Hanswilhelm Haefs? weist darauf hin, dass die Faszination durch das Böse, welche die Fantasie des jungen Chesterton beschäftigte, ebenfalls in diesem Zusammenhang und vor dem Hintergrund des seinerzeit eher sterilen britischen Protestantismus gesehen werden muss.

Schon während seiner Schulzeit an der St. Paul's School zeigte sich Chestertons literarisches Talent, er erhielt 1892 den Milton Prize for English Verse. Die Schule beendete er mit der vorletzten Klasse und dem Vermerk, dass seine Leistungen denen der letzten Klasse entsprächen. Dann studierte er, weil er das zeichnerische Talent des Vaters geerbt hatte, am University College London Kunst, um Illustrator zu werden, und belegte zusätzlich literaturwissenschaftliche Vorlesungen. Jedoch machte er keinen Abschluss, sondern begann als Verlagslektor zu arbeiten.

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Von 1896 bis 1902 gehörte Chesterton dem Verlag Redway and T. Fisher Unwin in London an. Schon früh zeichnete sich außerdem eine Laufbahn als freier Kunst- und Literaturkritiker ab. 1895 hatte er die fünf Jahre ältere Juwelierstochter Frances Blogg kennengelernt, die er aber aus wirtschaftlichen Gründen erst 1901 heiratete. Mit ihr zog er aufs Land, nach Beaconsfield in Buckinghamshire. Frances half ihm, dem notorisch Desorganisierten, seinen Alltag einigermaßen in den Griff zu bekommen. Überliefert sind Telegramme wie dieses, das er viele Jahre später von einer Lesereise? nach Hause schickte: "Bin in Market Harborough. Wo sollte ich sein?" Frances' Antwort lautete: "Zu Hause."

Nach der Jahrhundertwende begann auch Chestertons literarische Karriere rasch Fahrt aufzunehmen. 1900 erschien sein Buchdebüt? Greybeards at Play, gefolgt von The Defendant 1901, es wurde 1917, 1956 und 1991 ins Deutsche übersetzt, zuletzt unter dem Titel Verteidigung des Nonsens. Skizzen. Ab 1902 schrieb er eine wöchentliche Kolumne? in der "Daily News", ab 1905 eine zweite in "The Illustrated London News".

Vor dem Hintergrund der Father-Brown-Romane, die ab 1911 herauskamen, wird leicht übersehen, dass Chesterton auch unabhängig davon ein bedeutender Schriftsteller war. Er veröffentlichte mehrere philosophisch-christliche Romane und Erzählungen, Gedichtbände, Theaterstücke, Biografien (unter anderem über Charles Dickens, Leo Tolstoi?, Thomas von Aquin? und Robert Louis Stevenson?) sowie Essays.

1904 erschien The Napoleon of Notting Hill (dt.: Der Held von Notting Hill, 1927), ein phantastischer Roman, in dem Chesterton sich mit dem Geltungsanspruch moderner Propheten (also Vordenker) auseinandersetzt: Ein Kinderspiel der menschlichen Rasse heiße "Den Propheten Lügen strafen". Ein Jahr später folgte Heretics (dt.: Ketzer, 1912), eine geistreiche Verteidigung der Rechtgläubigkeit und eine Polemik? gegen sozialistisches und materialistisches Gedankengut und dessen Vertreter in der Dichtung.

In The Man Who Was Thursday (1907, dt.: Der Mann, der Donnerstag war, 1910), kämpft der Dichter und Philosoph Gabriel Syme als Agent gegen eine Gruppe von Anarchisten, deren Mitglieder sich nach den Wochentagen nennen. Am Schluss stellt sich heraus, dass alle Anarchisten, mit Ausnahme ihres Anführers, Polizeispitzel sind. Das Werk war so erfolgreich, dass bald eine Parodie darauf erschien, deren Titel "The Man Who Was Thirsty" auf Chestertons Alkoholkonsum anspielte.

In The Ball and the Cross (1909, dt.: Ballspiel mit Ideen bzw. Kugel und Kreuz, 2007) wollen ein Atheist und ein Katholik per Duell entscheiden, welche ihrer Weltanschauungen siegt. Jedoch werden sie immer wieder an der Ausstragung des Duelles gehindert, weil sie vor der Polizei fliehen und sich unterwegs dann mit anderen Ideologien auseinandersetzen müssen.

Fotos: Wikipedia.org

Die Geschichten von Father Brown

Zwischen 1911 und 1935 erschienen The Father Brown Stories - die Geschichten von Father Brown. Die 52 Erzählungen (wenn man zwei Rahmenerzählungen? mitrechnet) wurden zuerst in Zeitschriften? veröffentlicht? und dann in fünf Sammelbänden? mit jeweils eigenem Obertitel herausgegeben?. (Die deutsche Bezeichnung "Pater Brown" wurde in älteren Übersetzungen verwendet und später korrigiert.)

Der Titelheld, ein katholischer Geistlicher, ist in einer Gemeinde in Essex und später in einem armen Vorort von London tätig. Er wirkt äußerlich harmlos und eher ungeschickt - ein Kontrast zu den Gentleman-Detektiven von Arthur Conan Doyle?. Als Theologie und Beichtvater weiß er um den ewigen Konflikt von Gut und Böse, er ist eine Mischung aus gutem Hirten und scharfem Analytiker. Eigentlich ist ihm daran gelegen, Verbrechen zu verhindern. Wenn er Missetäter überführt, so ist ihm weniger deren weltliche Bestrafung wichtig als vielmehr ihre seelische Läuterung.

Wegen ihrer klaren moralischen Grundaussage und der sympathischen Titelfigur waren die Geschichten um Father Brown sehr erfolgreich und sind mehrfach verfilmt worden, im deutschen Sprachbereich mit Heinz Rühmann und Josef Meinrad. Außerdem hat Father Brown die Entstehung ähnlicher literarischer und filmischer Figuren inspiriert.

Übertritt zum Katholizismus

Eine enge Freundschaft verband Chesterton mit George Bernard Shaw?, dessen Biografie Chesterton schrieb. Shaw gehörte zu den weltanschaulichen Gegnern, mit denen er gern öffentlich debattierte, ebenso wie mit Bertrand Russell? und H. G. Wells?.

Nicht nur als pointierter, in gewagten Gedankensprüngen sich fortbewegender und dem Zeitgeist gern widersprechenden Debattierer, sondern auch durch sein Äußeres war Chesterton eine besondere Erscheinung: Er war etwa 1,93 m groß und wog mehr als 130 Kilo. Meist klebte eine Zigarre an seiner Unterlippe. Cape, Hut und Stockdegen vervollständigten seine Erscheinung.

1922 trat Chesterton zum Katholizismus über. Es war ein folgerichtiger Schritt, nachdem er bereits in vielen Werken den katholischen Glauben verteidigt und in dessen Sinne argumentiert hatte - eine Seite des Schriftstellers, die im deutschsprachigen Raum weniger bekannt ist als im angelsächsischen.

Mit 62 Jahren starb Gilbert Keith Chesterton am 14. Juni 1936 in seinem Haus in Beaconsfield. Er wurde auf dem katholischen Friedhof des Ortes beigesetzt. Posthum verlieh ihm der Papst den Ehrentitel "Defensor Fidei" ("Verteidiger des Glaubens").

Übrigens ...

... hat Chesterton seiner 1936 erschienenen Autobiography (dt.: Der Mann mit dem goldenen Schlüssel) zufolge mit George Bernard Shaw einmal in einem Stummfilm mitgespielt. Die beiden mimten Cowboys. Der Film wurde jedoch nie veröffentlicht.

Werke

  • Bücher von Gilbert Keith Chesterton bei Jokers
  • Greybeards at Play (1900)
  • The Defendant (1901), dt. zuerst 1917; 1991: Verteidigung des Nonsens. Skizzen
  • The Napoleon of Notting Hill (1904), dt.: Der Held von Notting Hill (1927)
  • Heretics (1905), dt.: Ketzer (1912)
  • Charles Dickens: A Critical Study (1906)
  • The Man Who Was Thursday (1907), dt.: Der Mann, der Donnerstag war (1910)
  • The Ball and the Cross (1909), dt. zuerst: Ballspiel mit Ideen. 2007: Kugel und Kreuz
  • The Father Brown Stories (1911-1935)
    • The Innocence of Father Brown (1911), dt. zuerst 1927. 1991: Father Browns Einfalt
    • The Wisdom of Father Brown (1914), dt. zuerst 1927; 1991: Father Browns Weisheit
    • The Incredulity of Father Brown (1926), dt. zuerst 1927; 1991: Father Browns Ungläubigkeit
    • The Secret of Father Brown (1927), dt. zuerst 1929; 1992: Father Browns Geheimnis
    • The Scandal of Father Brown (1935), dt. zuerst 1948; 1993: Father Browns Skandal
  • The Man who Knew too much. Kurzgeschichten. dt. zuerst 1927; 2003: Der Mann, der zu viel wusste
  • Saint Francis of Assisi (1923)
  • Saint Thomas Aquinas (1933)
  • Autobiography (1936, dt.: Der Mann mit dem goldenen Schlüssel

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