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Dadaismus

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Der Dadaismus war eine Literaturströmung im frühen 20. Jahrhundert. Zu seinen herausragenden Repräsentanten gehörten Kurt Schwitters, Walter Serner und Richard Hülsenbeck?. Die wichtigsten Stilmittel waren Collage, Lautgedicht?, das Spiel mit Assoziationen – und die lässige Pose des Antikünstlers.

Definition

Der Dadaismus (wohl französisch, von dem der Kindersprache entlehnten Stammellaut „dada“ = Pferdchen) war eine internationale avantgardistische? Literatur- und Kunstströmung im frühen 20. Jahrhundert. Ziel der Dadaisten war die radikale Revolutionierung von Kunst und Literatur. Die traditionellen Grenzen zwischen den verschiedenen Künsten (Literatur, Malerei, Musik) sollten aufgehoben werden, außerdem sollte der Dadaismus auf die Politik wirken. Starke Impulse empfingen die Dadaisten vom Expressionismus, Futurismus und Kubismus?.

Der Dadaismus war von Anfang an umstritten, da er Provokation, Schock und Nihilismus zu ästhetischen Gestaltungsprinzipien erhob. Viele dadaistische Autoren waren Mehrfachtalente: Sie schrieben nicht nur Gedichte, Erzählungen und Dramen, sondern malten auch Bilder, klebten Collagen und fertigten Skulpturen. Die Dadaisten waren untereinander nur locker verbunden, es gab kein gemeinsames Programm, dafür jedoch viele widersprüchliche Manifeste?. Die wichtigste Gemeinsamkeit lag im Bereich der Mentalität: Die Dadaisten einte die gleiche Einstellung des Protestes gegen eine Welt, die im Schlachtengetöse des Ersten Weltkriegs unterzugehen schien.

Foto: Albrecht Conz/Wikipedia.org

Höchstpreise für Antikünstler

Charakteristisch für die Literatur des Dadaismus ist das Experiment. Die Dadaisten experimentierten u. a. mit Collagen und Montagen?, mit Lautgedichten?, mit überraschenden Kombinationen von einzelnen Wörtern, mit spontanen Assoziationen, mit szenischen Kompositionen. Auffällig ist, dass viele Dadaisten sich als Antikünstler und Kunstzerstörer verstanden – einige aus Überzeugung, andere aus lässiger Pose. Bei vielen Zeitgenossen standen die Dadaisten im Ruf rowdyhafter Bürgerschrecks, da sie die tradierten Spielregeln des Kunst- und Literaturbetriebs missachteten.

Als herausragende Repräsentanten der dadaistischen Literatur gelten Kurt Schwitters („Anna Blume“, 1919), Walter Serner („Letzte Lockerung. Manifest dada“, 1920), Richard Hülsenbeck? („Phantastische Gebete“, 1916; „Doctor Billig am Ende“, 1920), Melchior Vischer? („Sekunde durch Hirn“, 1920), Hugo Ball? („Flametti oder Vom Dandysmus der Armen“, 1918) und George Grosz? („Pass auf! Hier kommt Grosz. Bilder, Rhythmen und Gesänge 1915-1918“, 1981). Da die Werke? der Dadaisten oft nur in sehr kleinen Auflagen? erschienen, erzielen die seltenen Erstausgaben auf Kunst- und Buchuktionen? heutzutage häufig Höchstpreise.

Entstehung

Die Wiege des Dadaismus stand in Zürich: Während des Ersten Weltkriegs (1914-1918) war die Stadt ein Sammelpunkt für Emigranten aus ganz Europa. In der Kleinkunstbühne Cabaret Voltaire, übrigens nicht weit von Lenins Exilwohnung, kamen ab 1916 u. a. Richard Hülsenbeck?, Hugo Ball? und Tristan Tzara? zusammen und brachten dort Lesungen, szenische Stücke und Pantomimenummern zur Aufführung. Diese Darbietungen trugen bereits den Charakter von Happenings, wie sie Jahrzehnte später in der Welt der Kunst populär werden sollten. In seinem Roman „Nein und Ja. Roman des Jahres 1917“ (1923) schildert Otto Flake? die turbulenten Anfänge der Dada-Bewegung in Zürich.

Entwicklung

Nach dem Ende des Krieges zerschlug sich die Gruppe und die Züricher Dadaisten gingen getrennte Wege. Innerhalb kürzester Zeit entstanden in verschiedenen Städten neue Dada-Zirkel und zogen das Interesse zahlreicher Künstler, vor allem der jungen Generation, auf sich. In Deutschland entwickelten sich vor allem Berlin (Richard Hülsenbeck?, George Grosz?, Walter Mehring), Köln (Hans Arp?) und Hannover (Kurt Schwitters) zu Hochburgen der Dada-Bewegung. In Paris stieg Tristan Tzara? zum Kopf einer Gruppe junger Intellektueller auf, die bis 1921 zahlreiche Happenings veranstaltete und 1922 einen Dada-Kongress einberief. Der Pariser Dada-Zirkel wurde übrigens zum Wegbereiter des Surrealismus.

Zwischen Stofffetzen und Wiener Gruppe

Die Blütezeit des Dadaismus dauerte etwa von 1917 bis 1922, danach orientierten die einzelnen Dadaisten sich in andere Richtungen. Literarisch und künstlerisch waren diese fünf Jahre ungemein fruchtbar, vor allem die Berliner Dadaisten machten ihren Zirkel zu einem Versuchslabor für die Moderne?. In der Literatur bevorzugten sie Kleinformen wie Gedichte und Kurzprosa, die entweder durch den mündlichen Vortrag oder durch die dynamische graphische Gestaltung Bedeutung gewannen. Charakteristisch sind – nicht selten grotesk anmutende – geklebte Mischkombinationen aus Texten und verschiedenen Alltagsmaterialien wie Zeitungsschnipsel, Fahrkarten, Stofffetzen und zufällige Fundstücke.

Durch seinen Erfindungsreichtum, seine Experimentierlust und künstlerische Unvoreingenommenheit wurde der Dadaismus zu einer der bedeutendsten Literatur- und Kunstbewegungen des 20. Jahrhunderts. Dadaistische Stilelemente, aber vor allem auch die aggressive Protesthaltung, fanden ihren Niederschlag in vielen nachfolgenden Strömungen der modernen Kunst und Literatur. Nach dem Zweiten Weltkrieg knüpften insbesondere die konkrete Poesie? und die Wiener Gruppe? an den Dadaismus an, aber auch die Popart ist hier zu nennen, deren Vertreter den Dadaismus als bedeutende Inspirationsquelle würdigten.

Literatur

  • Der Dadaismus bei Jokers
  • Grosz, George: Ein kleines Ja und ein großes Nein. Sein Leben von ihm selbst erzählt. Schöffling Verlag, Frankfurt am Main 2009, ISBN: 978-3895613326
  • Schwitters, Kurt: Eile ist des Witzes Weile. Eine Auswahl aus den Texten. Reclam Verlag, Ditzingen 1986, ISBN: 978-3150083925
  • Serner, Walter: Letzte Lockerung. Ein Handbrevier für Hochstapler und solche, die es werden wollen. Manesse Verlag, München 2007, ISBN: 978-3717521488

Sekundärliteratur

  • Korte, Hermann: Dadaisten. Rowohlt Verlag, Reinbek 1994, ISBN: 978-3499505362
  • Riha, Karl: Dada Berlin. Texte, Manifeste, Aktionen. Reclam Verlag, Ditzingen 1986, ISBN: 978-3150098578
  • Riha, Karl: Dada Zürich. Texte, Manifeste, Dokumente. Reclam Verlag, Ditzingen 1992, ISBN: 978-3150086506


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