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Der gekreuzigte Sinn. Eine trinitarische Thodizee

von
Werner Thiede

Der Verfasser, Systematischer Theologe an der Universität Erlangen-Nürnberg, informiert im besten Sinne gelehrt, spannend und anregend über die Menschheitsfrage, wie der gute Gott und das reale Leiden in der Welt zusammengedacht werden können – und wie nicht. Vor allem aber: Er entwickelt eine eigene, so bisher offenbar noch nicht gehörte Antwort darauf.

Eine klassische Position, zeitlos und aktuell zugleich

Moderne Theologie und Philosophie sehen sich meist außer Stande, hier eine tragfähige Antwort zu geben. Mehr noch: Sie verbieten es, antworten zu wollen – mit Blick auf die Achtung vor den Opfern, die angeblich jede „Lösung“ des Rätsels als zynisch erscheinen lässt. Allenfalls wird auf die einstige Offenbarung der Wahrheit am Jüngsten Tag verwiesen. Freilich gibt es mancherlei billigen Trost, der eher eine Beleidigung der Leidenden als echte Hilfe im Angesicht von Sinnlosigkeit und Schmerz darstellt.

Dagegen vertritt Werner Thiede in seinem Entwurf die Position, im Kreuz Jesu sei die Antwort zu suchen, wie Gott und Leiden auf einen Nenner zu bringen sind. Diese Position ist zwar genuin christlich, dürfte aber in Zeiten, da für viele der Weihnachtsbaum und nicht mehr das Kreuz das zentrale christliche Symbol darstellt, doch wieder Neuigkeitswert haben. Besonders interessant wird es, wo Thiede diese Position trinitarisch durchdekliniert.

Trinitarische Interpretation des Kreuzes

Engagiert zeigt der Erlanger Dogmatiker in zwölf Kapiteln seines neuen Buches, dass die christliche Theologie nicht schweigen darf, wo sie dank der Offenbarung Gottes in Jesus Christus? zum Antworten befähigt und gefordert ist. Es wird deutlich, warum man auch angesichts von Sinnlosigkeits- und Leiderfahrung noch intellektuell redlich bekennen kann: „Gott ist Liebe“. Das hat zentral mit der Selbstentäußerung Gottes zu tun, die nicht nur eine Sache des Sohnes, sondern auch des Vaters und des Heiligen Geistes ist. Besonders die These vom entäußerten Gottesgeist fasziniert: Der „unbekannte Gott“ wird auf einmal transparent auf den dreieinen Gott hin. Fremdreligiöse und mystische Erfahrungen werden erklärbar und dennoch „aufgehoben“ in den Glauben an den Gott der Liebe, wie ihn das Neue Testament bezeugt.

Antwort auf Nietzsche

In gedankliche Tiefen führt nicht zuletzt ein Kapitel über Friedrich Nietzsche. Hier werden der Atheismus und die Gottessuche eines der meistgelesenen Philosophen unserer Zeit in ungewohnter Weise be- und durchleuchtet. Auf dieses Buch sollten sich Skeptiker ebenso einlassen wie Sinnsucher und Gläubige, die um Vertiefung ihrer Gotteserkenntnis ringen. Dass die Wissenschaftlichkeit des Buches die Lesbarkeit nicht beeinträchtigt, hängt mit dem spürbaren Willen des Autors ab, sein Anliegen weiterzutransportieren.

Literaturangaben

  • Thiede, Werner: Der gekreuzigte Sinn. Eine trinitarische Theodizee, Gütersloh 2007, 272 S., 29,95 Euro, ISBN: 978-3-579-08012-3


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