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Der Liebescode

von
Manfred Theisen

Was geschieht mit uns auf biochemischer Ebene, wenn wir von Amors Pfeil getroffen werden? Wie haben sich unsere Verhaltensweisen im Laufe der Evolution verändert und welche Auswirkungen haben unsere Gene auf den Prozess der Partnersuche und Bindung? Fragen, denen Manfred Theisen?, Wissenschaftsjournalist?, gezielt auf den Grund geht und dabei unsere Hormone einer akribischen Betrachtung unterzieht.

In seinem "Liebescode" beschäftigt sich Manfred Theisen mit dem Verhalten zweier Personen, die sich zufällig in einer Bar treffen und den ersten Kontakt herstellen. Welche Auswirkungen hat das kurze Lächeln Lauras auf den Barnachbarn Sascha? Mit welchem Satz kann dieser, dem die sympathische Frau durchaus attraktiv erscheint, den ersten Kontakt herstellen? Durch das hypothetische Verhalten seiner beiden Protagonisten vermittelt der Autor zunächst oberflächlich das Geschehen, um es im nächsten Augenblick biologisch auf den Prüfstand zu stellen und seinem Leser einen Einblick in die hormonellen Abläufe und das damit verbundene Entscheiden und Handeln zu vermitteln, nicht ohne hin und wieder auch Parallelen zu unseren Vorfahren herzustellen.

"So zivilisiert unsere Gesellschaft auch sein mag und so modern wir die Liebe auch gestalten mögen, letztlich wird das schönste Gefühl der Welt weniger durch unsere Emotionen als durch die Gene und Hormone gelenkt, die uns seit Urzeiten bestimmen." Was geschieht mit den beiden Menschen, die sich zunächst so fremd sind und doch nach kurzer Zeit erkennen, dass es eine mysteriöse Anziehungskraft ist, die die beiden zu vereinen scheint? Was geht hierbei in Sascha vor und was in Laura? Welche hormonellen Prozesse entscheiden darüber, ob es nun zu einer Abfuhr, einem One-Night-Stand oder der ersehnten, festen Beziehung führt? Wie kann es sein, dass die anfänglichen Schmetterlinge im Bauch schon nach wenigen Monaten abstürzen, der Pudding in den Beinen zu Beton erhärtet und nach dem ersten Streit, der gemeinsamen Wohnung oder gar dem ersten Kind das gesamte Verhalten dieser Beziehungseinheit in eine andere, ungewollte Richtung driftet? Fragen, die ausführlich erklärt und teils amüsanten Antworten an den neugierigen Leser gebracht werden.

Sexualkunde für Erwachsene und die Parallele zur Tierwelt

Auch das sexuelle Verhalten erklärt Theisen bis ins Detail. Von den Trieben des Mannes bis zu den Entscheidungsfaktoren der Frau, die eben jenen gewähren lässt, wird nichts ausgelassen. Auch die Parallelen zur Tierwelt sind erstaunlich, komisch und erkenntnisreich. Vom Kamikazesperma bis hin zum Penisfechten von Flusswürmern erinnern die wissenschaftliche Ausflüge ein wenig an „Die Reise ins Ich“.

Der "Liebescode", ein aufschlussreicher und heiterer Ratgeber für alle, die mehr über die Spielregeln unserer Leidenschaft, das merkwürdige Verhalten geschlechtsreifer Aufrechtgänger, Steinzeitgene und Glückshormone wissen möchten. Das Gesamtbild wird durch die Einbringung zweier Charaktere umso mehr abgerundet und stellt den direkten Bezug zum hypothetischen Verhalten der Protagonisten dar. Ebenso erklärt Theisen, warum gebildete Frauen häufiger fremd gehen, nach welchen biologischen Maßstäben die Partner willkürlich ausgewählt werden, warum manch einer den anderen nicht „riechen“ kann, und warum Achselschweiß, biochemisch betrachtet, deutlich prägnanter duftet als "Chanel" oder "Boss".

Ein Buch, das dem Leser eine modere Aufklärung vermittelt und durch kurze und knappe Kapitel mit einem gesunden Maß an wissenschaftlichen Erklärungen aufzeigt, dass der Code, der hier entschlüsselt wird, weitaus mehr darstellt als die reine Beschränkung auf visuelle Oberflächlichkeiten. So wird letztlich ein wenig klarer, warum die die „modernen“ Beziehungen zum Scheitern oder Gelingen verurteilt sind.

Originalbeitrag unter www.literatina.de

Literaturangaben

  • Theisen, Manfred: Der Liebescode: Von Steinzeitgenen und Glückshormonen. Die Spielregeln unserer Leidenschaft. Droemer/Knaur, München 2007, 255 S., 16,90 €, 978-3426273760


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