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Dodge, Jim

Jim Dodge (geb. 1945 in Santa Rosa/Kalifornien) ist ein amerikanischer Schriftsteller. Er schreibt Romane, Erzählungen und Gedichte.

Leben und Schreiben

Jim Dodge wurde im Jahr 1945 in Santa Rosa geboren, einer Stadt mit 150.000 Einwohnern im US-Bundesstaat Kalifornien. Er studierte Englisch, Journalismus? und Biologie an der Humboldt State University und der University of Iowa. Um nach dem Studium als freier Schriftsteller leben zu können, arbeitete er nebenbei als Apfelpflücker, Teppichleger, Schafhirt und Landschaftspfleger. Dodge lebte lange Jahre in einer kleinen Kommune in Kalifornien, die sich durch Jagd, Fischerei und Gartenanbau selbst versorgte.

Heute lebt Jim Dodge auf einer abgelegenen Ranch im Norden Kaliforniens. Er ist Autor zweier Romane: Nach „Fup“ (1983) erschien „Not Fade Away“ (1990; dt. Die Kunst des Verschwindens). Außerdem ist er Verfasser zahlreicher Erzählungen, Gedichte und Essays.

„Fup“

Selten hat ein amerikanischer Autor für seinen Debütroman? so viel Lob geerntet wie Jim Dodge. Als er im Jahr 1983 seinen kurzen Roman „Fup“ veröffentlichte, stimmten die Literaturkritiker der amerikanischen Tages- und Wochenzeitungen? wahre Jubelgesänge an.

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Der „San Francisco Chronicle“ schrieb: „Ein Buch, das Sie aus den Socken hauen wird. ‚Fup’ ruft all die abgenutzten Klischees eines begierigen Kritikers hervor: Es ist ein Juwel, ein Edelstein, ein Diamant in der Jauchegrube des Lebens.“ Die Leser der „Newsweek“ erfuhren: „Seit den Tagen von Tom Swift haben keine Figuren mehr so gekläfft, gemurmelt, gegrinst, gegrunzt, genickt, gestrahlt anstatt einfach zu sprechen.“ Und der „Londoner Independent“ überraschte das Publikum mit einem gewagten Vergleich: „Der Autor wird bereits als neuer Mark Twain gefeiert.“ Rund um den Globus wählten Zeitungen? und Zeitschriften? „Fup“ zum Kultbuch? des Jahres.

Bis heute hat Dodges Erstling? nichts von seiner Faszination und Popularität verloren – weder beim Publikum noch bei der Kritik. Eine Bürde jedoch, die der Autor hauptsächlich als drückend und nicht besonders wohltuend empfunden hat. In einem Interview äußerte er, dass in seinen Augen die Menschen einfach nicht dafür geschaffen seien, ein Übermaß an Ruhm und Aufmerksamkeit auf die Dauer zu ertragen. An seiner eigenen Person habe er unter dem Eindruck des Erfolges schwerwiegende Veränderungen festgestellt, die ihm gar nicht behagten. Von der unrealistischen Erwartungshaltung an seine folgenden Bücher ganz zu schweigen! Und viel war es dann ja auch tatsächlich nicht, was Dodge nach „Fup“ noch zu Papier bringen sollte.

„Fup“ gehört zu jenen Büchern der Weltliteratur?, die sich außerhalb aller gängigen literarischen Gattungsbezeichnungen bewegen. Roman, Erzählung oder farbenfrohe Text-Collage? Märchen, Parabel oder bissige Wild-West-Persiflage? Ernsthaft, skurril oder vollkommen durchgeknallt? „Fup“ hat von allem etwas. Eine Literatur-Melange, die den Leser immer wieder überrascht und die die außergewöhnliche Popularität des Buches erklären könnte.

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Im Mittelpunkt der Handlung stehen drei wunderbar komische Vögel: Granddaddy Jake (versoffen, Mensch), sein Enkel Tiny (verspielt, Mensch) und Fup (gefiedert, verspielt und versoffen, Stockente). Zusammen leben sie auf einer abgelegenen Ranch in Kalifornien. Granddaddy Jake, selten nüchtern und noch weniger zartfühlend, ist in den Besitz eines wertvollen Rezeptes gelangt. Unter dem idyllischen Namen „Ol’ Death Whisper“ braut er Tag für Tag einen höchstprozentigen (97%) Whisky zusammen, der ewiges Leben verleihen soll. Ob das stimmt? Es sieht ganz so aus! Granddaddy Jake ist fast hundert Jahre alt. Und fit im Geiste wie kein zweiter! Aber – und hier beginnt seine ganz persönliche Misere (oder endet sie hier?) – steckt tief in den roten Zahlen … Sein Enkel Tiny, von Granddaddy Jake vorwiegend aus pekuniären Motiven adoptiert, ist dem Damespiel verfallen.

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Aber da gibt es noch eine anderen Leidenschaft oder besser: Monomanie, die Tinys Leben beherrscht. Er baut Zäune. Am liebsten den traditionellen kalifornischen Schafszaun. Tagein, tagaus. Zäune. Zäune. Zäune. Was einigermaßen bemerkenswert ist, denn es gibt auf der Ranch nichts einzuzäunen! Granddaddy Jake bleibt dieser befremdliche Widerspruch nicht verborgen. Er stellt Fragen. Und er bekommt von Tiny Antworten, die der Leser je nach Laune und Bewusstseinsgrad (man denke an den Whisky!) als höchste Philosophie? oder als blanken Wahnwitz interpretieren kann.

Dann gibt es da natürlich noch Fup, von Granddaddy Jake und Tiny aus unerklärlichen Motiven als Küken adoptiert. Rasch wird Fup zum Mittelpunkt der kleinen Familie. Und ewig hätten die drei komischen Vögel glücklich miteinander Leben können (man denke noch einmal an den Whisky), wenn da nicht der alles in allem äußerst unfreundliche Wildschweineber Lockjaw wäre. Der hat es nämlich auf Fup abgesehen. Aber ob Lockjaw wirklich die missglückte Reinkarnation von Granddaddy Jakes altem Indianerkumpel Johnny Seven Moons ist? Daneben gibt es eine Reihe weiterer charmanter Charaktere, die den Leser auf diesem psychedelischen Leseabenteuer begleiten.

„In diesem Buch ist jeder Satz ein Vergnügen. Wunderbar!“, urteilte die Zeitschrift? „Brigitte“ über die von Harry Rowohlt? besorgte Übersetzung ins Deutsche (Piper Verlag, 2002). Und der Literaturkritiker Stephan Maus? schrieb: „Man hat Jim Dodge mit Mark Twain verglichen. Aber er ist ein Mark Twain auf LSD.“ Der in Berlin lebende Comic-Künstler Georg Barber? alias Atak hat 60 originelle Zeichnungen zu dem Band? beigesteuert.

„Not Fade Away“

1990 veröffentlichte Jim Dodge unter dem Titel „Not Fade Away“ (Die Kunst des Verschwindens) seinen zweiten Roman. Wie zuvor schon „Fub“ ist auch „Not Fade Away“ in einer Welt angesiedelt, in der Realität und Phantastik untrennbar ineinander verwoben sind.

Der Roman spielt auf einer Farm in Kalifornien. Dort lebt Daniel Pearse mit seiner Mutter. Eigentlich sieht es auf der Farm aus wie überall in Kalifornien: Kühe, Mist und in der Mitte behaarte Cowboys mit Zigarette und Nackensteak. Doch es muss etwas passiert sein. Etwas Ungeheuerliches sogar. Denn die Farm ist zu einem Unterschlupf für Rebellen und Anarchisten mutiert. Um den Magier Volta, einen anarcho-syndikalistischen Scharfmacher übelster Gangart, hat sich ein ebenso illustres wie verwegenes Häufchen aus Outlaws, Fanatikern, Künstlern und Mystikern zusammengeschart. Eine Geheimgesellschaft namens AMO. Ihre Parole lautet: Kampf dem Staat! Kampf der Gesellschaft, die diesen Staat am Leben hält. Daniel stößt zu ihnen. Er wird zum Kämpfer ausgebildet. Bald beherrscht er alle Tricks, Kniffe und finsteren Machenschaften, deren sich die Gruppe in ihrem idealistischen Unterfangen bedient. Daniel steht kurz davor, die letzte Stufe der Rebellenhierarchie zu erklimmen: Der Magier Volta unterweist ihn in der hohen und zugleich gefährlichen Kunst des Verschwindens.

Dem Roman ist ein Vorwort? von Thomas Pynchon vorangestellt, in dem dieser den Roman als ein vollkommen ungeniertes Gegenmittel gegen eine normierte Welt bezeichnet. Im deutschen Feuilleton? fielen die Reaktionen auf „Die Kunst der Verschwindens“ zurückhaltend aus. Der Rezensent der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ sah darin „eine Geröllstrecke voller Geschwätzigkeit“ und bedauerte den Leser, der einen fragilen Spannungsbogen ertragen müsse.

Jim Dodge lehrt kreatives und professionelles Schreiben an der Humboldt State University.

Übrigens ...

als 1983 der Roman „Fup“ erschien, wettete Dodge, dass davon nicht mehr als 5.000 Exemplare? verkauft würden. Doch alles kam ganz anders: Bereits nach fünf Tagen war die erste Auflage? vergriffen und der Verlag gab die nächsten drei Auflagen? in Druck. Inzwischen ist „Fup“ in mehr als 10 Sprachen übersetzt und gehört zu den Kultbüchern? in den USA.

Auszeichnungen

Werke (Auswahl)

  • Bücher von Jim Dodge bei Jokers
  • Fup. OA (Originalausgabe) 1983. Piper Verlag, München 2004, ISBN: 978-3492242875
  • Die Kunst des Verschwindens. OA 1990. Rowohlt Verlag, Reinbek 2000, ISBN: 978-3499226502

Hörbücher

  • Fup. CD. Zürich, Kein & Aber 2002, ISBN: 978-3036911281

Sekundärliteratur

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