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Fantasy

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Fantasy gehört zur phantastischen Literatur, die sich seit Ende des 19. Jahrhunderts zu einem eigenständigen Genre entwickelt hat. Die imaginären Fantasy-Welten sind von Riesen, Drachen, Elfen, Zwergen, Kobolden und Zauberern bevölkert. Man unterscheidet zwischen Heroic Fantasy und High Fantasy.

Foto: Huber/pixelio.de.

Definition

Fantasy (engl. = Phantasie, Hirngespinst) gehört zur Familie der phantastischen Literatur, die sich seit Ende des 19. Jahrhunderts vor allem im englischsprachigen Raum zu einem eigenständigen Genre entwickelt hat. Die Themen und Motive stammen hauptsächlich aus den Märchen, Sagen, Mythen, Ritter-? und Räuberromanen? der älteren europäischen und orientalischen Literatur. Daher bevölkern häufig Riesen, Drachen, Elfen, Zwerge, Einhörner, Kobolde und Zauberer die fiktiven Fantasy-Welten.

Die meisten Fantasy-Autoren bevorzugen epische Formen. Denn Roman, Erzählung, Novelle und Short Story sind besonders geeignet, um den Leser an den übersinnlichen Wahrnehmungen und Gefühlserlebnissen des Protagonisten teilhaben zu lassen. Beliebte Handlungsorte? sind ferne Planeten, mittelalterliche?, apokalyptische? und exotische Welten, in denen die Hauptfiguren mit fremden Zivilisationen und untergegangenen Kulturen (meist aus einer mythischen Vergangenheit) zusammentreffen. Der Kampf zwischen Gut und Böse, die Sehnsucht nach Abenteuer treibt die Handlung voran.

Verwandtschaft mit Science Fiction und Gothic Novel

Die Fantasy ist eng mit der Science Fiction verwandt, jedoch nicht mit ihr identisch. Im Einzelfall ist die Unterscheidung jedoch nicht immer einfach. Der Fantasy-Herausgeber? und -Übersetzer Michael Görden? („Die Terranauten“) nennt als wichtigsten Unterschied: „In den imaginären Fantasy-Welten leben die Menschen ohne Naturwissenschaft und Technik.“ Das ist in der Science Fiction nicht vorstellbar, denn dort spielt Technik z. B. in Form von Raumschiffen eine elementare Rolle.

Auch Fantasy und Gothic Novel sind, als Subgenres der phantastischen Literatur, miteinander verwandt. Der Hauptunterschied zwischen beiden Genres besteht im Grad der Realitätsentfernung: Während in der Fantasy die Schauplätze leicht als realitätsfern zu erkennen sind, ist die Gothic Novel meist in realitätsnahen Landschaften angesiedelt. Das Widersinnige, Unlogische und die Aufhebung der Naturgesetze ist in der Gothic Novel oft nicht auf den ersten Blick zu erkennen. Viele Literaturwissenschaftler? sind zudem der Meinung, dass der Gothic Novel eine größere literarische Qualität innewohnt als der Fantasy.

Entstehung und Entwicklung

Als bedeutendste Vorläufer der Fantasy gelten die Kinderbücher? von Lewis Carroll („Alice im Wunderland“, 1865) und Lyman Frank Baum? („The Wonderful Wizard of Oz“, 1900), mit denen im englischsprachigen Raum viele Menschen aufgewachsen sind. Eine Blütezeit erlebte die Fantasy ab Mitte der 1920er Jahre in den USA, wo Fantasy-Magazine wie „Weird Tales“ (1923-1954) unzählige Leser begeisterten.

Aus heutiger Sicht wirken die darin publizierten Geschichten enorm roh und brutal: Nicht selten geht es darin um Gewaltverherrlichung, Rassendiskriminierung und Vergewaltigungs-Sex. Diese blutige und barbarische Variante der Fantasy nennt man Heroic Fantasy. Beispielhaft dafür sind auch die „Conan“-Romane von Robert E. Howard?, die in den 1980er Jahren mit Arnold Schwarzenegger verfilmt wurden. Bis heute besitzt die Heroic Fantasy zahllose Anhänger.

Die High Fantasy entsteht

In den 1950er Jahren bildete sich eine neue Form der Fantasy heraus, die zunehmend auch an literarischer Qualität interessiert war: die High Fantasy. Gewalt spielte zwar noch immer eine elementare Rolle, trat jedoch zugunsten die Phantasie? der Leser ansprechender Elemente merklich in den Hintergrund. Symptomatisch für die High Fantasy ist J. R. R. Tolkiens Roman-Trilogie? „Der Herr der Ringe“ (1954/1955), die bis heute als Klassiker der Fantasy-Literatur gilt und millionenfach verkauft wurde.

Weitere Hauptwerke der High Fantasy sind: „Gormenghast“-Trilogie (1946-1959) von Meryn Peake?, „The chronicles of Thomas Covenant“ (1977-1983) von Stephen R. Donaldson? und „The dragon waiting“ (1984) von John M. Ford?. Mit Michael Ende („Momo“, 1973; „Die unendliche Geschichte“, 1979) gehört auch ein deutscher Schriftsteller zu den wichtigsten Vertretern der High Fantasy. Im Mittelpunkt der genannten Romane steht meist ein Antiheld, der sich gegenüber einer feindlichen Umwelt behaupten müssen.

Keltische Mythen - bis heute populär

Wie in den meisten anderen literarischen Genres existiert mittlerweile auch in der Fantasy eine enorme Formenvielfalt. Ein zentraler Bezugspunkt ist jedoch bis heute die ältere europäische Literatur. Hier sind vor allem die keltischen Mythen (Gralsmotiv, Artusepik, Tafelrunde) zu nennen, die von Autoren aus aller Welt ständig variiert werden. Bedeutende Autoren sind Michael Moorcock? („I.N.R.I oder die Reise mit der Zeitmaschine“, 1972) und Marion Zimmer Bradley? („Die Nebel von Avalon“, 1982). Der bekannteste deutschsprachige Fantasy-Autor der Gegenwart ist Wolfgang Hohlbein, dem 1982 mit dem Roman „Märchenmond“ der Durchbruch gelang.

Literatur

  • Carroll, Lewis: Alice im Wunderland. Insel Verlag, Frankfurt am Main 1993, ISBN: 978-3458317425
  • Ende, Michael: Die unendliche Geschichte. Piper Verlag, München 2010, ISBN: 978-3492253482
  • Hohlbein, Wolfgang: Märchenmond. Ueberreuter Verlag, Wien 2006, ISBN: 978-3800052554

Sekundärliteratur

  • Lovecraft, H. P.: Die Literatur der Angst. Zur Geschichte der Phantastik. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 1995, ISBN: 978-3518389225
  • Kollert, Günter: Phantasie - Phantastik – Fantasy. Erzählte Welten zwischen Romantik und neuem Mythos. Verlag am Goetheanum, Dornach 2010, ISBN: 978-3723513828
  • Schneidewind, Friedhelm: Mythologie und phantastische Literatur. Oldib Verlag, Essen 2008, ISBN: 978-3939556046

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