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Ferdausi, Abu’l-Qasem

Abu’l-Qasem Ferdausi (geb. um 940 in Wāž bei Tus/heute Iran; gest. um 1020 in Tus) war ein persischer Epiker und Dichter. Sein wichtigstes Werk ist das persische Nationalepos „Šāhnāme“ (verfasst 9821014; dt. „Die Legenden aus dem Šāhnāme“, 1838), das mehr als 50.000 Verse umfasst und inzwischen in fast alle Weltsprachen übertragen wurde.

Leben und Schreiben

Abu’l-Qasem Mansūr ben Hasan Ferdausi wurde um 940 in Wāž geboren, einem kleinen Dorf im heutigen Nordostiran. Er war der Sohn eines kleinadligen Grundbesitzers und wuchs in wohlhabenden Verhältnissen auf. Sein Vater war ein gebildeter Mann, der eine starke Leidenschaft für das nationale persische Sagen- und Schriftgut besaß. Bereits in jungen Jahren gewann Ferdausi die Gunst des Abū Mansūr Tūsī, der als Statthalter von Chorassan amtierte und Ferdausi zum Dichten ermunterte. Chorassan, das sich auf dem Gebiet der heutigen Staaten Iran, Afghanistan, Tadschikistan, Usbekistan und Turkmenistan befindet, war damals eine der fruchtbarsten und kultiviertesten Regionen Persiens. Diese allgemeine Blütezeit verdankte das Land vor allem den Samanidenfürsten von Bochara.

Von Freunden, Bekannten und freigiebigen Mäzenen unterstützt, begann Ferdausi 982 mit der Arbeit an seinem monumentalen Versepos „Šāhnāme“, das später als größte persische Nationaldichtung? in die Literaturgeschichte einging. Mehr als 30 Jahre sollte die Arbeit an dem Werk dauern. Ferdausi schrieb überall, auf Reisen, an Fürstenhöfen und am liebsten in seinem Heimatort Tus. Nur dort fand er die nötige Ruhe und Weltabgeschiedenheit, um die schier unübersehbare Fülle an Stoffen und Themen zu formen. Nach dem Untergang der Samanidenfürsten, die Ferdausi viele Jahre hindurch finanziell und ideell unterstützt hatten, wandte sich der 58-jährige Dichter mit einem Bittbrief an den Eroberer von Chorassan, den Sultan Mahmūd von Ghazna. Der Sultan, der es liebte, sich in strahlendem Prunk und schöner Kunst zu sonnen – selbst war der Sultan jedoch den Überlieferungen zufolge ein recht unansehnlicher und nur wenig kunstsinniger Mann –, ermöglichte Ferdausi die Fortsetzung seines ehrgeizigen Vorhabens.

Schickt der Sultan eine Geschenkkarawane?

Immer wieder sandte Ferdausi, von schmeichlerischen Lobversen begleitet, Teile seines Versepos an Sultan Mahmūd, der in Ghasna, dem heutigen Afghanistan, residierte. Als Ferdausi 1014 sein siebenbändiges Mammutwerk vollendet hatte, reiste er selbst an den Fürstenhof nach Ghasna, um die Frucht seiner 30-jährigen Arbeit in die Hände des Sultans zu legen. Ferdausi rechnete mit einer fürstlichen Belohnung: Die ferne Aussicht auf Gold, Edelsteine und schöne Frauen hatte seine Phantasie über Jahr hindurch beflügelt und immer wieder zu neuen Höchstleistungen angespornt. Endlich sollte der Tag der Freude kommen! Doch Sultan Mahmūd verkannte den Wert des Werkes, speiste Ferdausi mit einer Handvoll Silbermünzen ab und schickte den enttäuschten Dichter zurück nach Tus. Dort soll Ferdausi ein bitteres Schmähgedicht auf den geizigen Sultan verfasst haben. Doch historisch belegt ist diese literarische Racheaktion ebenso wenig wie Ferdausis anschließende Flucht vor den Häschern des aufgebrachten Sultans.

Verarmt, enttäuscht und am ganzen Körper von Altersaussatz befallen, starb Abu’l-Qasem Ferdausi um 1020 hoch betagt in seinem Heimatort Tus. Strenggläubige Mullahs verwehrten seine Beisetzung auf dem muslimischen Friedhof. Mögliche Gründe dafür könnten die schiitische Glaubensrichtung des Dichters oder die Verherrlichung des Zoroastrismus? im „Šāhnāme“ gewesen sein. Ferdausi wurde in einem einfachen Gartengrab beigesetzt, über dem sich seit 1934 ein monumentales Mausoleum erhebt, das in den Sommermonaten Einheimischen und Touristen als beliebtes Ausflugsziel dient.

Würdigung

Im Iran genießt Abu’l-Qasem Ferdausi bis heute ungeteilte Wertschätzung und gilt als größter Nationaldichter des Landes. Vergleichbare Dichter des Abendlandes sind nur Homer und Dante?. Quelle seines Ruhmes ist das Monumentalwerk „Šāhnāme“ (verfasst 9821014?; dt. „Die Legenden aus dem Šāhnāme“, 1838), das mehr als 50.000 Verse umfasst und inzwischen in fast alle Weltsprachen übertragen wurde.

Ferdausi erzählt darin die Geschichte Irans von der Erschaffung der Welt bis zur Vernichtung der Sassanidendynastie durch die arabischen Eroberer im Jahr 651. Zentrales Thema des Epos ist der ewige Kampf zwischen Gut und Böse, Licht und Finsternis, Himmel und Hölle, wobei das Gute schließlich den Sieg davonträgt. Wichtige Triebkräfte sind – analog zu den großen Heldenepen des Abendlandes – Treue, Ehre, Pflicht, Schuld, Verrat, Rache und Vergeltung. Der enorme Reiz des Werkes liegt neben der vornehm-kunstvollen Sprache vor allem auch darin, dass Ferdausi Legende und Wirklichkeit eng miteinander verknüpft. Den Stoff schöpfte er teils aus schriftlichen Quellen?, teils aus mündlichen? Überlieferungen?. Mit seinem Versepos „Šāhnāme“ hat Abu’l-Qasem Ferdausi der Nachwelt ein einzigartiges Werk mit welthistorischer Bedeutung hinterlassen.

Ferdausi beginnt in „Šāhnāme“ mit der Schilderung der Urkönige und der Bruderkriege zwischen Iran und Turan, er beschreibt die Heroenzeit und den gewaltigen Sagenhelden Rostam, der abenteuerliche Kämpfe mit Menschen, Ungeheuern und Dämonen zu bestehen hat. Er berichtet außerdem vom Auftreten des Religionsstifters Zarathustra? und des Welteroberers Alexander, der in Ferdausis Darstellung freilich zu einem jungen persischen Prinzen verklärt wird.

Übrigens ...

wurde Ferdausis Leichnam gerade durch das Stadttor hinausgetragen, als durch das andere Tor eine von Sultan Mahmūd an ihn entsandte Geschenkkarawane in Tus eintraf. So jedenfalls lautet eine Legende, die man sich noch heute im Iran erzählt.

Werke (Auswahl)

  • Werke von Ferdausi bei Jokers
  • Rostam. Die Legenden aus dem Sahname. Reclam Verlag, Ditzingen 2002, ISBN: 978-3150500392

Hörbücher

Sekundärliteratur

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