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Franck, Julia

Julia Franck (geb. 20. Februar 1970 in Berlin) ist eine deutsche Schriftstellerin. Sie lebt mit ihren Kindern in Berlin-Friedenau.

Leben und Schreiben

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Julia Franck wurde am 20. Februar 1970 im Ostberliner Bezirk Lichtenberg geboren. Ihr Vater Jürgen Sehmisch war Regisseur. Ihre Mutter Anna Katharina Franck arbeitete als Schauspielerin. Julia Franck wuchs mit ihrer eineiigen Zwillingsschwester Cornelia und drei weiteren Schwestern vaterlos auf. 1978 siedelte die Mutter mit ihren Töchtern nach West-Berlin über, wo sie neun Monate lang im Notaufnahmelager Marienfelde lebten. 1979 gingen sie nach Schleswig-Holstein.

Dort lebten sie in der Nähe von Rendsburg, wo Julia Franck zunächst die Freie Waldorfschule besuchte. 1983 kehrte sie nach Berlin zurück. Sie lebte bei Freunden und machte an der Anna-Freud-Oberschule das Abitur. Im Anschluss ging sie für ein halbes Jahr in die USA und studierte nach der Rückkehr Altamerikanistik, Philosophie? und Neuere deutsche Literatur? an der Freien Universität Berlin. Neben dem Studium war sie unter anderem als Hilfsschwester, Kellnerin und Phonotypistin tätig. Außerdem veröffentlichte sie Beiträge im Berliner „Tagesspiegel“. 1994 kam sie als Regieassistentin zum „Sender Freies Berlin“. Danach ließ sie sich als freie Schriftstellerin in Berlin nieder.

„Der neue Koch“

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1997 veröffentlichte Julia Franck unter dem Titel „Der neue Koch“ ihren ersten Roman. Darin geht es um eine knapp 30-jährige Ich-Erzählerin, die von ihrer Mutter ein Hotel geerbt hat – und mit diesem Erbe hoffnungslos überfordert ist. Da tritt der neue Koch – ein charmanter Draufgänger, der nicht nur auf dem Teller Pikantes liebt – seine Stelle an. Er verfolgt zwei Ziele: Von der Küche aus will er die Besitzerin und das Hotel übernehmen. Die Zustimmung der Stammgäste ist ihm bereits sicher. Und auch die Besitzerin geht ihm – fast – ins Netz.

Eine Beziehung aus Hörigkeit und Gewalt fesselt die beiden aneinander. Da erwirbt sie ein Flugticket nach Havanna und fasst den Entschluss, vor ihrer Flucht das Hotel samt Koch und Stammgästen in Flammen aufgehen zu lassen. Die Fachkritik war von dem mitleidlos kühlen Blick auf die weibliche Hauptfigur beeindruckt. Der Rezensent der „Neuen Zürcher Zeitung“ sprach von einem beklemmenden Kammerspiel und einer Chronik der Entfremdung. 1998 wurde Julia Franck mit dem Alfred-Döblin-Stipendium? der Akademie der Künste Berlin-Brandenburg ausgezeichnet.

„Liebediener“

1999 folgte ihr zweiter Roman „Liebediener“. Im Urteil der Literaturkritik hat Julia Franck mit diesem Buch womöglich die Liebesgeschichte der neunziger Jahre geschrieben. Man fand den Roman sehr beachtlich und lobte den verhaltenen und poetischen Erzählton. In „Liebediener“ erzählt Julia Franck eine spannende Liebesgeschichte, die einem Puzzlespiel gleicht.

Am Anfang hat der Leser Beyla vor Augen, die es liebt, in Kellerwohnungen zu hausen. Von dort aus wird sie Zeugin eines tödlichen Verkehrsunfalls. Charlotte gerät nämlich unter die Räder der Straßenbahn. Ist das Ganze etwa Alberts Schuld, der Charlotte beim Ausparken vor die Straßenbahn gedrängt hat? Nach der Beerdigung zieht Beyla in Charlottes Wohnung. Erst widerwillig, doch dann lernt sie Albert kennen und verliebt sich in ihn – eine Beziehung voller Leidenschaften und erotischer Abgründe entbrennt. Teilchen fügt sich an Teilchen, und schließlich erfährt Beyla, welche Rolle Albert in Charlottes Leben gespielt hat.

„Bauchlandung“ und „Lagerfeuer“

Für eine in ihrem Erzählband „Bauchlandung“ enthaltene Geschichte wurde Julia Franck 2000 mit dem 3sat-Preis des Ingeborg-Bachmann-Wettbewerbs? gewürdigt. Im Mittelpunkt dieser Erzählungen stehen notorische Einzelgänger, die auf der ständigen Suche nach Abenteuern, Lust und den kleinen Momenten des Glücks sind.

Drei Jahre später legte Julia Franck ihren autobiographisch gefärbten Roman „Lagerfeuer“ (2003) vor. Darin verarbeitet sie persönliche Erfahrungen, die sie nach ihrer Ausreise aus der DDR im Notaufnahmelager Berlin-Marienfelde gemacht hat. Im Zentrum des Romans stehen vier Personen, die im Lager leben und vor einer ungewissen Zukunft stehen. Julia Franck erzählt in lakonischem Ton aus der Perspektive dieser vier Personen. Sie verknüpft die individuellen Geschichten zu einem einfühlsamen deutsch-deutschen Alltags- und Stimmungsporträt. Obwohl Marienfelde als Tor zum goldenen Westen galt, sind die Erfahrungen der Lagerbewohner nicht selten von einer radikalen Desillusionierung geprägt. Ein Rezensent sah in „Lagerfeuer“ eine Mischung aus Thriller? und Sprachkunstwerk, das von einem tiefen Grundton der Trauer durchzogen sei.

Im März 2006 erschien in der „Süddeutschen Zeitung“ eine „Resolution der Schriftsteller zur Orthographie“. In dem Artikel weisen 19 Autoren – darunter auch Julia Franck – darauf hin, dass der deutsche Staat nicht zu den Instanzen gehöre, denen Literatur sich unterwerfe. Die Autoren verteidigten ihre Sprache und betonten, dass sie ihre Bücher weiter in der Schreibweise drucken lassen würden, die sie für richtig hielten.

„Die Mittagsfrau“

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2007 veröffentlichte Julia Franck ihren vierten Roman „Die Mittagsfrau“. In dem Familienroman erzählt sie die Lebens- und Leidensgeschichte ihrer Protagonistin Helene, die sich zwischen dem Ersten und Zweiten Weltkrieg entspinnt. Die Erzählung beginnt in der Lausitz, wo Helenes idyllische Kindheit in einer deutsch-jüdischen Familie 1918 ein plötzliches Ende findet. Der Leser verfolgt ihren Weg bis ins Jahr 1945: Helene – inzwischen Krankenschwester – steht auf einem Bahnhof in Vorpommern, um vor den Russen zu fliehen. Sie setzt ihren Sohn Peter auf eine Bank und sagt zu ihm: „Du wartest hier, ich bin gleich zurück.“ Dann geht sie. Und kehrt nicht mehr zurück.

Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels? zeichnete Julia Franck im Oktober 2007 für „Die Mittagsfrau“ mit dem Deutschen Buchpreis aus. Mit dem Preis, der mit 25.000 Euro dotiert ist, wird der beste deutsche Roman des laufenden Jahres prämiert. Das Buch überzeuge durch sprachliche Eindringlichkeit, erzählerische Kraft und psychologische Intensität, teilte die Jury mit. Es habe aus Kritikern wieder Leser gemacht.

Julia Franck lebt mit ihren beiden Kindern in Berlin-Friedenau.

Übrigens ...

Bevor Julia Franck als freie Schriftstellerin in Berlin lebte, fertigte sie auch kleinere Übersetzungen aus dem Amerikanischen an.

Auszeichnungen

Werke (Auswahl)

  • Bücher von Julia Franck bei Jokers
  • Der neue Koch. OA (Originalausgabe) 1997. S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2001, ISBN: 978-3596148066
  • Liebediener. OA 1999. München, Dtv 2001, ISBN: 978-3423129046
  • Bauchlandung. Geschichten zum Anfassen. OA 2000. München, Dtv 2002, ISBN: 978-3423129725
  • Lagerfeuer. OA 2003. München, Dtv 2005, ISBN: 978-3423133036
  • Mir nichts, Dir nichts. Drei Erzählungen. OA 2006. Köln, Dumont Literatur und Kunst Verlag 2006, ISBN: 978-3832179694
  • Die Mittagsfrau. OA 2007. S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2007, ISBN: 978-3100226006
  • (als Hg.:) Grenzübergänge. Autoren aus Ost und West erinnern sich. OA 2009. S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2009, ISBN: 978-3100226044
  • Rücken an Rücken. Roman. OA 2011. S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2011, ISBN: 978-3100226051

Hörspiele

  • Die Mittagsfrau. EA 2007. Frankfurt am Main, S. Fischer Verlag 2007, ISBN: 978-3100226006
  • Mir nichts, Dir nichts. Drei Erzählungen. EA 2006. Köln, Dumont Literatur und Kunst Verlag 2006, ISBN: 978-3832179694
  • Lagerfeuer. EA 2003. München, Dtv 2005, ISBN: 978-3423133036
  • Bauchlandung. Geschichten zum Anfassen. EA 2000. München, Dtv 2002, ISBN: 978-3423129725
  • Liebediener. EA 1999. München, Dtv 2001, ISBN: 978-3423129046
  • Der neue Koch. EA 1997. Frankfurt am Main, S. Fischer Verlag 2001, ISBN: 978-3596148066

Sekundärliteratur

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