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Frisch, Efraim

Efraim Frisch (geb. 1. März 1873 in Stryi/Galizien; gest. 26. November 1942 in Ascona) war ein deutschsprachiger Schriftsteller, Theaterkritiker?, Übersetzer und Herausgeber?. Seine bedeutendste literarische Arbeit ist der Roman „Zenobi“.

Leben und Schreiben

Efraim Frisch wurde am 1. März 1873 in Stryi/Galizien als Sohn einer streng religiösen jüdischen Familie geboren. In seiner Jugend erhielt er Privatstunden bei einem Rabbiner. Zum Bruch mit dem Vater kam es, als Frisch 1894 das Wiener Rabbinerseminar verließ und zur Universität wechselte. Er studierte zunächst in Wien Jura, dann in Berlin Philosophie, Kunst- und Literaturgeschichte. 1900 schloss er sein Studium in Kiel ab. Trotz der Aussicht auf eine akademische Karriere entschied er sich für ein Leben im Kunst- und Literaturbetrieb. Die Bekanntschaft mit Christian Morgenstern und Moritz Heimann? hatte Frisch in diesem Entschluss bestärkt.

Efraim Frisch verlegte 1903 seinen Wohnsitz nach Berlin. Dort arbeitete er als Lektor, unter anderem war er für den S. Fischer Verlag? und den Bruno Cassirer Verlag? tätig. Außerdem schrieb er Theaterkritiken für den „Berliner Börsenkurier“. 1910 erschien im Verlag Georg Müller? sein Buch „Von der Kunst des Theaters. Ein Gespräch“. Darin hat er Eindrücke und Erlebnisse festgehalten, die er während seiner Arbeit als Dramaturg? – hauptsächlich unter Max Reinhardt? am Deutschen Theater in Berlin – gemacht hat.

1914 übernahm er die Leitung des „Neuen Merkur“? – einer „Monatsschrift für geistiges Leben“, deren erste Nummer im April 1914 im Münchner Georg Müller Verlag? erschien. Frisch hatte die Gründung des „Neuen Merkur“? angeregt. Das Blatt sollte, wie Frisch forderte, die geistigen Werte aus allen Lagern ungeachtet der Parteizugehörigkeit zusammenfassen.

Nach dem Ersten Weltkrieg, den Efraim Frisch als Sanitäter erlebte, übernahm er erneut die Leitung des „Neuen Merkur“?. Er konnte unter anderem Gottfried Benn?, Bertolt Brecht, Jakob Wassermann? und Arnold Zweig? als Mitarbeiter gewinnen. Diese imponierende Mischung hat den Literaturwissenschaftler? Fritz Schlawe? dazu veranlasst, den „Neuen Merkur“? als besonders „erlesene Frucht deutsch-jüdischer Zusammenarbeit“ zu charakterisieren. Bis zur Einstellung des Blatts 1925 war Frisch als Herausgeber? tätig. Im Anschluss arbeitete er als freier Schriftsteller und Journalist?. Seine Beiträge veröffentlichte er hauptsächlich in der „Frankfurter Zeitung“.

1927 legte Efraim Frisch im Bruno Cassirer Verlag? seinen Hochstapler-Roman „Zenobi“ vor. Das Buch war ein großer Erfolg beim Publikum?. Auch das Feuilleton? war begeistert. Man stellte Vergleiche mit Thomas Manns Erzählung „Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull“ an, dessen erster Teil 1922 unter dem Titel „Buch der Kindheit“ in einer limitierten Auflage? von 500 nummerierten Exemplaren erschienen war. Zenobi, der Protagonist in Frischs Roman, ist der Prototyp des modernen Menschen: ohne Heimat, ohne Identität, ein schwankender Mensch, der von einer Rolle in die nächste schlüpft. Ein genialer und biegsamer Bluffer, der das Inkognito zum Lebensprinzip erhoben hat. Bis er eines Tages feststellt, dass nicht nur die Menschen in seiner Umgebung nicht mehr wissen, wer er ist – auch ihm selbst ist jede genaue Vorstellung von sich abhanden gekommen. Am Ende des Buches verliert sich seine Spur in den Schlachten des Ersten Weltkrieges. Eine Neuauflage des Buches ist 1987 im S. Fischer Verlag? erschienen.

Wenige Wochen nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten verließen Efraim Frisch und seine Frau Deutschland. Sie gingen nach Ascona im Schweizer Kanton Tessin. Unter den Pseudonymen E. Lach und E. H. Gast schrieb Frisch weiter für die „Frankfurter Zeitung“. In den ExilzeitschriftenDie Sammlung?“ und „Maß und Wert?“ veröffentlichte er Rezensionen und Essays. Die Arbeit an seinem Roman „Gog und Magog“, in dem er ein Panorama ostjüdischen Lebens in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg entfalten wollte, konnte er nicht beenden. Das Anfangskapitel erschien 1959 in der von Walter Höllerer? und Hans Bender? gegründeten Literaturzeitschrift?Akzente?“.

Am 26. November 1942 ist Efraim Frisch in Ascona gestorben.

Übrigens ...

... hat der Schweizer Journalist? und Schriftsteller Ferdinand Lion? Efraim Frisch als das „Gewissen der Weimarer Republik“ bezeichnet. Denn als Herausgeber? des „Neuen Merkur?“ hat Frisch sowohl dem politischen Links- als auch dem Rechtsradikalismus eine deutliche Absage erteilt.

Werke (Auswahl)

  • Bücher von Efraim Frisch bei Jokers
  • Zenobi. Roman. Frankfurt am Main, S. Fischer Taschenbuch Verlag 1987, ISBN: 978-3596258123
  • Zum Verständnis des Geistigen: Essays. Herausgegeben von Guy Stern. Göttingen, Wallstein Verlag 1994, ISBN: 978-3892441304

Hörspiele

Sekundärliteratur

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