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Hamburger, Michael

Michael Peter Leopold Hamburger (geb. 22. März 1924 in Berlin-Charlottenburg; gest. 7. Juni 2007 in Suffolk) war ein deutscher Literaturkritiker, Lyriker?, Essayist? und Übersetzer von u.a. Goethe, Rilke, Hölderlin, Celan und Enzensberger.

Leben

Michael Hamburger wurde am 24. März 1924 als Sohn jüdischer Eltern in Berlin-Charlottenburg geboren. Sein Vater, Richard Hamburger, arbeitete als Professor für Kinderheilkunde. 1933 flüchtete die Familie aus Berlin zunächst nach Edinburgh, später übersiedelte sie nach London. In Edinburgh besuchte Michael Hamburger die George Watson School, danach in London die Westminster School. Ab 1941 studierte er am Christ Church College in Oxford Deutsch und Französisch. Von 1943 bis 1947 war er Soldat der Britischen Armee.

In den Jahren 1948 bis 1952 konnte Michael Hamburger sein Studium beenden. Sein Geld verdiente er in dieser Zeit als freiberuflicher Autor. In den folgenden Jahren unterrichtete er die deutsche Sprache, bis 1955 am University College London, danach bis 1984 an der University of Reading. Zwischenzeitlich nahm er Gastprofessuren in Großbritannien und den USA wahr.

Aus seiner 1951 mit der Lyrikerin? Anne Ellen File geschlossenen Ehe gingen ein Sohn und zwei Töchter hervor. Im Juni 2007 starb Michael Hamburger in seinem Haus in Suffolk.

Schreiben

Im englischen Sprachraum wurde Michael Hamburger vor allem als Übersetzer geschätzt, beispielsweise von Goethe, Rilke, Hölderlin, Celan und Enzensberger. Dortigen Besprechungen seiner eigenen Lyrikbände dagegen wurde hin und wieder die Zeile "Michael Hamburger, besser bekannt als Übersetzer" vorangestellt.

Somit beachtete man Hamburgers eigene Lyrik im deutschen Sprachraum wesentlich mehr. Ein Kuriosum dabei war, dass er diese nicht selbst in seiner Muttersprache schrieb, sondern seine Gedichte von Peter Waterhouse ins Deutsche übersetzen ließ.

Das Überleben der Erde, 1999

Hamburger setzt hiermit das Gedicht „Die Erde in ihrem langen, langsamen Traum“ fort und sucht die das Überleben gewährende Kontinuität, verstanden als das Gegenteil von Historie: Kontinuität ist da in der Vegetation, in der Tierwelt, in den Böden und im Wachsen. Vor allem die Vögel bewahren die Kontinuität der Erde, indem sie singen – ein überraschendes, fremdes Lob; aber auch die Schmetterlinge und die – scheinbar von innen her leuchtenden – Blumen. Diese Wesen und Dinge bedeuten in ihrer Unscheinbarkeit und Winzigkeit den Anfang. Das Gedicht ist darum Loyalität zu den Anfängen. Es sucht die Zeichen der Selbstlosigkeit, Ungesteuertheit, Machtlosigkeit des Planeten, die Zeichen der unbeabsichtigten Harmonien und der Liebe.

In einer kalten Jahreszeit, September 2000

1961 während des Prozesses gegen Adolf Eichmann (Leiter des „Judenreferats“ im Reichssicherheitshauptamt) verfasst, ist das titelgebende Langgedicht zunächst ein Text über die Verwaltungssprache des Angeklagten, seine Gewöhnlichkeit, seine grausame Gewissenhaftigkeit; zugleich ein Gedicht über die andere Hälfte der Wahrheit, wenn es auf die Eichmannsche Unwirklichkeit und Unerfassbarkeit stößt; ein kleines Denkmal für Hamburgers in einem Vernichtungslager zugrunde gegangene Großmutter, ihre Kindlichkeit, die sie ihm mitgegeben hat und die er bis zum Schluss bewahrt hat. Und es ist ein Argument gegen die Todesstrafe (die über Eichmann verhängt wurde), weshalb es in der Presse Englands und Israels heftige Ablehnung erfuhr – einzig Martin Buber hat das Gedicht gepriesen.

Auszeichnungen (Auswahl)

  • 1963 Übersetzungspreis des Kulturkreises im BDI
  • 1964 Johann-Heinrich-Voß-Preis für Übersetzung, verliehen von der Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung
  • 1967 Übersetzungspreis des Arts Council of Great Britain
  • 1969 Leveson-Preis für Poetry in Chicago
  • 1977 Goldmedaille des Institute of Linguists in London
  • 1978 Wilhelm-Heinse-Medaille
  • 1978 und 1981 Schlegel-Tieck-Preis in London
  • 1986 Goethe-Medaille der Stadt Frankfurt in Gold
  • 1987 Österreichischer Staatspreis für literarische Übersetzung
  • 1991 Friedrich-Hölderlin-Preis der Universität Tübingen
  • 1992 Petrarca-Preis
  • 1992 Britischer Verdienstorden Officer of the Order of the British Empire
  • 2000 Cholmondeley Award for Poetry
  • 2001 Horst-Bienek-Preis für Lyrik

Werke (Auswahl)

  • Bücher von Michael Hamburger bei Jokers
  • Vernunft und Rebellion, Ullstein Taschenbuchverlag, Berlin 1984, ISBN: 978-3548030241
  • Traumgedichte, Folio Verlag, Wien 1996, ISBN: 978-3852560489
  • Collected Poems 1941-1994, Anvil Press, London 1999, ISBN: 978-0856463129
  • Das Überleben der Erde, Folio Verlag, Wien 2002, ISBN: 978-3852561196
  • Unterhaltung mit der Muse des Alters, Hanser Verlag, München 2004, ISBN: 978-3446205598
  • Jedes Gedicht ist das letzte: Briefwechsel von Ingo Schulze (Nachwort), Johannes Bobrowski (Autor), Michael Hamburger (Autor), Jochen Meyer (Herausgeber), Deutsche Schillergesellschaft, Marbach 2004, ISBN: 978-3937384030
  • Baumgedichte. Folio Verlag, Wien 2006, ISBN: 978-3852560649

Sekundärliteratur

  • Michael Hamburger: Dichter und Übersetzer, Peter Lang Publishing Group, Frankfurt am Main 1989, ISBN: 978-3820499810
  • Von Berlin nach Suffolk. Zur Lyrik Michael Hamburgers, von Walter Eckel, Verlag Königshausen & Neumann, Würzburg 1997, ISBN: 978-3884795743
  • Die Nicht-Anschauung: Versuche über die Dichtung von Michael Hamburger. Essays. Mit neu übersetzten verstreuten Gedichten Michael Hamburgers, von Peter Waterhouse, Folio Verlag, Wien 2005, ISBN: 978-3852562995

Links

Nachruf von Fred Viebahn im P.E.N. Zentrum deutschsprachiger Autoren im Ausland


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