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Horrorliteratur

Der Begriff Horrorliteratur ist eine Sammelbezeichnung für Werke, in denen Furcht oder Abscheu erregende Ereignisse dargestellt werden. Die Horrorliteratur besitzt eine lange literarische Tradition, die mindestens bis auf die Gespenstergeschichte?, den Schauerroman und die Gothic Novel zurückreicht.

Definition

Der Begriff Horrorliteratur (engl. horror = Entsetzen, Schauder) ist in der modernen Literaturwissenschaft eine Sammelbezeichnung für Werke, in denen Unheimliches, Makabres, Schreckenstaten, Furcht oder Abscheu erregende Ereignisse dargestellt werden. Die Bezeichnung umfasst also verschiedene literarische Genres wie z. B. Schauergeschichte oder Gothic Novel. Die Horrorliteratur ist an keine bestimmte literarische Gattung gebunden, am häufigsten ist sie in der Epik zu finden. Die Epik hat die bedeutsamsten Zeugnisse der Horrorliteratur hervorgebracht. Das liegt vor allem daran, dass epische Formen wie Roman, Erzählung, Novelle und Short Story besonders geeignet sind, um den Leser an den Gefühlserlebnissen anderer teilnehmen zu lassen.

Die Horrorliteratur mit ihren verschiedenartigsten Stoffen, Themen und Motiven besitzt eine lange literarische Tradition, die mindestens bis auf die Gespenstergeschichte?, den Schauerroman und die Gothic Novel zurückreicht. In der Gegenwart gilt die Horrorliteratur als abgesunkene Gattung, deren Erzeugnisse überwiegend dem Bereich der Trivial- und Unterhaltungsliteratur? zugerechnet werden. Die so genannte hohe Literatur? beschäftigt sich mit der Horrorliteratur fast ausnahmslos in ironisch-distanzierter? Weise.

Entstehung

Der Keim der Horrorliteratur ist bereits in den mittelalterlichen Legenden, Sagen, Märchen und Totentänzen? angelegt, die lange Zeit mündlich tradiert und erst in späteren Jahrhunderten schriftlich festgehalten worden. In ihnen ging es teilweise um die Darstellung von Ereignissen, die beim Leser Furcht oder Entsetzen erregten und die unheimlichen Seiten des Lebens und des Menschen zeigten.

Die Aufklärung als Initiator

Die eigentliche Entwicklung der Horrorliteratur begann im 18. Jahrhundert. Das Zeitalter der Aufklärung? konfrontierte die Menschen mit den Zwängen einer zunehmend rationalen Lebensführung, vor denen viele Zeitgenossen nicht nur ins Sentimentale und Melancholische Zuflucht nahmen, sondern auch ins Schaurige. Man kann sagen, je mehr in der Zeit der Aufklärung? in der realen Welt das Angstpotential abnahm, desto beliebter wurde eine Literatur, die als Ausgleich für eine im Leben verlorene „dunkle Seite“ diente. Dies erklärt im 19. Jahrhundert die große Popularität der Schauerromane, in denen das Bedürfnis der Leser nach Irrationalität und Nervenkitzel gestillt wurde.

Autoren, Titel, Themen

Einer der ersten Autoren, die die Angstlust der Leser mit literarischen Erzeugnissen zu stillen verstanden, war der englische Schriftsteller Horace Walpole. Sein auch heute noch lesenswerter Roman „The Castle of Otranto“ (1764) läutete den Siegeszug der Gothic Novel und damit auch der Horrorliteratur ein. Auch in Deutschland fand Walpole ungezählte Nachfolger, darunter befanden sich sogar etliche Autoren, die man heute vornehmlich mit anderen literarischen Gattungen in Verbindung bringt, z. B. Friedrich Schiller, Jean Paul? oder Ludwig Tieck?. Bestseller in der Frühzeit der Horrorliteratur waren Cajetan Tschinks? „Geschichte eines Geistersehers“ (1790/93) und Theodor Arnolds? „Der schwarze Jonas. Kapuziner, Räuber und Mordbrenner. Ein Blutgemälde“ (1805) – beides Romane, die ihren Reiz hauptsächlich aus der Schilderung abscheulicher Gräueltaten ziehen.

Die Themen, die in den frühen Werken der Horrorliteratur angeschlagen wurden, blieben auch grundlegend für die weitere Entwicklung der verschiedenen Genres und wurden im 19. und 20. Jahrhundert ständig wiederholt und variiert. Bis heute gehören zu den beliebtesten Themen u. a.: Mord, Selbstmord, Gewalt, Folter, Angst, Wahnsinn, Hysterie, Vergewaltigung, Geister, Vampire, Doppelgänger, Teufelsbesessenheit, Exorzismus, Hexerei, Terror, Schmerz, Ekel.

Entwicklung

Das 19. Jahrhundert war die Blütezeit der Horrorliteratur. In dieser Zeit verfassten die Pioniere und Meister der verschiedenen Horror-Genres ihre wichtigsten Werke, z. B. Edgar Allan Poe („Die Maske des roten Todes“, 1842), Mary Shelley („Frankenstein, oder der moderne Prometheus“, 1818) oder Robert Louis Stevenson? („Der seltsame Fall des Dr. Jekyll und Mr. Hyde“, 1886). Gleichzeitig kam es zu einer Aufspaltung und Weiterentwicklung der klassischen Formen der Horrorliteratur.

Heute werden unter der Sammelbezeichnung Horrorliteratur üblicherweise die folgenden Genres zusammengefasst:

Verwandt mit der Horrorliteratur, jedoch nicht mit ihr identisch sind:

Literatur

  • Poe, Edgar Allan: Erzählungen. Reclam Verlag, Ditzingen 1989, ISBN: 978-3150086193
  • Shelley, Mary: Frankenstein oder Der moderne Prometheus. Reclam Verlag, Ditzingen 1986, ISBN: 978-3150083574
  • Stevenson, Robert Louis: Dr. Jekyll und Mr. Hyde. Diogenes Verlag, Zürich 1996, ISBN: 978-3257228687

Sekundärliteratur

  • Alpers, Hans J. / Fuchs, Werner / Hahn, Ronald M.: Lexikon der Horrorliteratur. Fantasy Productions, Erkrath 1999, ISBN: 978-3890645568
  • Aster, Christian von: Horror-Lexikon. Glb Parkland, Köln 1999, ISBN: 978-3880599994
  • Feige, Marcel: Das große Lexikon über Stephen King. Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2001, ISBN: 978-3896022288


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