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Kettengedicht

Diese in sich logisch geschlossene Gedichtform nutzt bekannte Reihen und Aufzählungen wie etwa Jahreszeiten, Monate oder die Farben des Regenbogens, und verknüpft diese über das jeweilige Strophenende? hinweg zu einer Gedankenkette.

Die poetische Schönheit solcher Gedichte ergibt sich aus der Kombination von allgemein anerkannten Reihungen, die die Länge der Kette und Reihenfolge ihrer Glieder definiert, mit dem individuellen Gedankenfluss des Autors, der seine Assoziationen in gebundene Sprache fasst. Ein Kettengedicht über die Wochentage besteht also typischerweise aus sieben Strophen, die jeweils einen Tag zum Thema nehmen. Auf diese Weise macht das Kettengedicht seinem Leser ein wesentliches Grundprinzip schöpferischen Arbeitens nachvollziehbar: Objektiv zugängliches Wissen wird subjektiv verarbeitet und in wiederum allen verständlicher Form neu interpretiert bzw. präsentiert. Das (gelungene) Ergebnis könnte man "Populärkunst" nennen; auf ähnliche Weise fand in der Malerei die amerikanische Pop Art ihr Millionenpublikum.

Eine etwas subtilere Lyrikform findet sich im so genannten Kettenreim?, bei dem sich ein Wort im Zeileninneren? auf das jeweils vorherige Zeilenende reimt. Hier ein Beispiel von Friedrich Schlegel?:

Wenn langsam Welle sich an Welle schließet,
Im breiten Bette fließet still das Leben,
Wird jeder Wunsch verschweben in den einen.

Während die Kette hier durch sich reimende Worte geknüpft wird; ist das verbindende Element im Kettengedicht bereits durch sein Thema vorgegeben und wird sprachlich in den versübergreifenden Sätzen deutlich. Der Vorteil: Ein Kettengedicht darf, muss sich aber nicht reimen?. Beides ist im Wesentlichen abhängig von den lyrischen Vorlieben und Fähigkeiten des Dichters.


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