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Kinau, Johann Wilhelm

Johann Wilhelm Kinau (22. August 1880 in Finkenwerder; gest. 31. Mai 1916 in der Seeschlacht am Skagerrak) war ein deutscher Dichter und Erzähler, welcher unter den Pseudonymen Jakob Holst, Giorgio Focco und Gorch Fock veröffentlichte.

Leben und Schreiben

Johann Wilhelm Kinau kam am 22. August 1880 auf der Elbinsel Finkenwerder zur Welt. Er war ältestes von sechs Kindern. Sein Vater, Heinrich Wilhelm Kinau, war Hochseefischer. Seine Mutter hieß Metta und war eine geborene Holst.

Nach der Schule befindet ihn sein Vater aufgrund seiner körperlichen Konstitution als nicht seetauglich. Sein Traum, Ewerführer zu werden, erfüllte sich somit nicht. Vielmehr beginnt Johann Wilhelm Kinau 1895 bei seinem Onkel August Kinau in Geestemünde eine kaufmännische Lehre. Von 1897 bis 1898 schloss sich der Besuch der Handelsschule in Bremerhaven an. Nach seiner erfolgreichen Ausbildung arbeitete Kinau ab dem Jahre 1899 als Buchhalter und Kontorist in Meiningen, Bremen sowie in Halle. In Halle an der Saale ist er bei Hofmeister & Co. beschäftigt und schreibt in seiner Freizeit seine ersten Bühnenwerke? „Trotzkopf" und "Fischerkönig". 1904 nimmt er eine Stelle in der Zentraleinkaufsgesellschaft deutscher Kolonialwarenhändler in Hamburg an. 1907 wird er Buchhalter bei der Hamburg-Amerika-Linie.

Seine in Plattdeutsch, genauer in Finkenwerderischen Dialekt gehaltenen Gedichte und Erzählungen veröffentlichte Johann Wilhelm Kinau ab den Jahre 1904. Dies geschah unter den Pseudonymen Jakob Holst, Giorgio Focco und Gorch Fock. Der Vorname seines Pseudonyms Gorch Fock gilt als eine lokale Sprachvariante von Georg. Fock dagegen besitzt einen familiären Ursprung und war Namensbestandteil der Vorfahren von Johann Wilhelm Kinau.

Am 26. Januar 1908 heiratet er Rosa Elisabeth Reich. Mit seiner "Rosalein" zeugte er drei Kinder, zwei Söhne (Zwillinge) und eine Tochter. Seine Frau als eine seiner größten Bewunderinnen animierte ihn in den Jahren zu einem beachtlichen Umfang an schriftstellerischen Arbeiten. Seine Gedichte und Erzählungen verfasste er sowohl hochdeutsch als auch plattdeutsch. Es ist somit auch sein Verdienst, die niederdeutsche Sprache innerhalb der deutschen Literatur? salonfähig gemacht zu haben. In dieser Zeit schreibt er u.a. Bühnenstücke für Richard Ohnsorg?, den Gründer des gleichnamigen Theaters.

Beispiele seiner niederdeutschen Werke sind die Finkenwerder Fischer- und Seegeschichten "Schullengrieber und Tungenknieper", die Geschichte von "Hein Godewind, Admiral von Moskitonien", die "Hamburger Janmaaten" und die "Fahrensleute".

Sein bekanntestes Werk, "Seefahrt ist not!", erscheint 1913. Der hochdeutsche mit plattdeutschem Dialog? durchzogene Roman beschreibt in schon fast heldenhafter Art das Leben der Hochseefischer auf Finkenwerder. Bekannte Romanfigur? ist der volkstümliche Matrose Hein Mück. Als Anerkennung für sein Werk spendiert ihm sein Arbeitgeber eine Kreuzfahrt nach Norwegen. Der Roman erfuhr eine Auflage? von 440.000 und setzte somit in der damaligen Zeit für Plattdeutsch beinhaltende Literatur neue Maßstäbe.

Zum Zeitpunkt seiner größten Erfolge als Autor wurde Johann Wilhelm Kinau am 1. April 1915 eingezogen. Seiner Infanterieausbildung folgten Kampfeinsätze in Serbien, Russland und bei Verdun. In dieser Zeit war er dem Reserve Infanterie-Regiment 207 zugehörig.

Nach längerem Bemühen wurde er schließlich im April 1916 nach Wilhelmshaven zur Marine versetzt. Auf dem Kreuzer „SMS Wiesbaden“ wurde er Ausguck auf dem vorderen Mast. Während der Schlacht am Skagerrak geriet die „SMS Wiesbaden“ am 31. Mai 1916 in schweres Artilleriefeuer britischer Schlachtschiffe. Das Schiff sank am 1. Juni gegen 2:45 Uhr. Einer der 589 Toten war Johann Wilhelm Kinau. Begraben liegt er zusammen mit anderen deutschen und englischen Seeleuten auf der kleinen unbewohnten Insel Stensholmen. Auf dem dortigen Grabstein erinnern seine berühmten Worte „Seefahrt ist not!“ an einen der größten niederdeutschen Dichter.

Johann Wilhelm Kinaus Brüder Jakob und Rudolf gewannen später gleichfalls eine gewisse Bedeutung als plattdeutsche Autoren und Heimatdichter?.

Übrigens…

Gorch Fock war sicherlich ein Nationalist, keinesfalls aber ein Rassist oder gar Antisemit. In nachträglichen Bearbeitungen seiner Texte durch die Nachlassverwalterin wurden die meisten seiner kritischen Bemerkungen beseitigt, was letztlich zu einer Vereinnahmung seiner Werke durch die Nationalsozialisten führte. Günter Benjas stellte in seiner Biographie über Gorch Fock vieles wieder richtig und rückte den Autor in das ihm gebührende Licht.

Ehrungen

Am 3. Mai 1933 tauft die Reichsmarine ihr neues Segelschulschiff auf den Namen „Gorch Fock". Nach dem Krieg geht die „Gorch Fock“ als Reparationsleistung an die Sowjetunion und wird in "Towarischtsch“ umgetauft.

1958 nennt die Bundesmarine ihr neues Segelschulschiff wiederum "Gorch Fock".

Zu Gorch Focks 100. Geburtstag erscheint eine Sondermarke der Deutsche Bundespost, allerdings ohne das Abbild des Schriftstellers.

Werke (Auswahl)

  • Werke von Gorch Fock bei Jokers
  • 1910 Schullengrieper un Tungenkrieper (Erzählungen)
  • 1911 Hein Godenwind de Admirol v. Moskitonien (Drama)
  • 1913 Hamborger Janmaten
  • 1913 Seefahrt ist not! (Roman); Rowohlt, Reinbek, 1986, ISBN 3-49914-148-5
  • 1914 Fahrensleute
  • 1914 Finkwarder Speeldeel: Cilli Cohrs (Drama)
  • 1914 Doggerbank (Schauspiel)
  • 1915 Plattdeutsche Kriegsgedichte
  • 1918 Sterne überm Meer / Tagebuchblätter und Gedichte (postum) herausgegeben von Aline Bußmann
  • 1925 Gorch Fock - Sämtliche Werke in 5 Bänden, Verlag M. Glogau jun., Hamburg, Herausgeber sein Bruder Jakob Kinau

Verfilmungen

  • 1921 Seefahrt ist not! (Stummfilm in 5 Akte)
  • 1966: Die Königin von Honolulu (durch das Ohnsorg-Theater)

Sekundärliteratur

  • Günter Benja: Gorch Fock: Poet mit Herz für die See. Sutton, Erfurt 2005. ISBN 3-89702-927-8
  • Friedrich W. Michelsen: Gorch Fock: Werk u. Wirkung; Vorträge und Diskussionen des Kolloquiums Mundartliteratur, Heimatliteratur am Beispiel Gorch Fock am 25. Februar 1983 in Hamburg. Buske, Hamburg 1984, ISBN 3-87118-659-7
  • Mathias Mainholz (Herausgeber): Hapag-Fahrt zu Odins Thron. Gorch Focks Norwegenreise 1913. Tagebuch, Romanfragment, Erzählung. Dölling und Galitz, Hamburg 1999, ISBN 3-933374-53-7
  • Seefahrt ist not!; Rowohlt, Reinbek, 1986, ISBN 3-49914-148-5
  • Gorch Fock: Seefahrt ist Not!, Sutton 2005. ISBN 978-3-89702-930-9

Links

Grabstätte von Gorch Fock


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