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Koestler, Arthur

Arthur Koestler (geb. 5. September 1905 in Budapest; gest. 3. März 1983 in London) war ein englischer Schriftsteller österreichisch-ungarischer Herkunft.

Leben und Schreiben

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Arthur Koestler wurde am 5. September 1905 in Budapest geboren. Seine Eltern waren assimilierte Juden, welche sowohl das Ungarische als auch die deutsche Sprache pflegten. Die Zeit seiner Jugend war eine, in politischer Hinsicht, sehr bewegte. So erlebte der junge Koestler den Niedergang der Habsburger Monarchie ebenso wie die kommunistische Revolution. Nachdem rumänische Truppen 1919, während des Ungarisch-Rumänischen-Kriegs, Budapest besetzten und im ganzen Land antisemitische Pogrome ausbrachen, floh die Familie aus ihrer Heimat nach Wien, in die Geburtsstadt der Mutter.

Koestler begann 1922 ein Studium der Ingenieurswissenschaften, aber widmete sich mit ebenso viel Hingabe der Philosophie sowie den Literaturwissenschaften. Insbesondere die zionistische Idee, dass nur die Schaffung eines jüdischen Staates die Juden auf der ganzen Welt, vor Verfolgung retten könne, bewegte ihn. Er spürte darin eine für gerade das europäische Judentum vitalisierende Kraft, welche es dringend benötige. Dieser Gedanke wurde zum Mittelpunkt seines Lebens. Er schloss sich der Unitas, einer zionistischen Studentenbewegung, an und löste sich zunehmend von dem Vorhaben, Ingenieur zu werden.

So war es nur konsequent, dass es ihn 1926 nach Palästina zog. Dort unterstützte Koestler die Kibbuz-Bewegung bei dem Vorhaben, Landwirtschaft zu betreiben und bereits bestehende jüdische Siedlungen zu sichern. Bald schon wurde er der Ideologie der Kibbuzniks überdrüssig. Diese hielten eine friedliche Koexistenz mit den arabischen Einwohnern Palästinas für möglich – eine Einschätzung, die Koestler angesichts von Konflikten den mit arabischen Nachbarn nicht teilte. Ferner empfand er den Umgang der britischen Kolonialherren mit den Kibbuzim als vorurteilsbeladen. Koestler entschloss sich daher, das Land unabhängig von den Siedlern zu erkunden. Auch unterstützte er den bewaffneten Kampf der zionistischen Terrororganisation Irgun, die zwischen 1931 und 1948 in Palästina aktiv war. Der Traum Theodor Herzls von der Schaffung eines modernen Judenstaates war auch sein eigener. Seine Erlebnisse schrieb er später in dem Roman „Diebe in der Nacht“ (1946) nieder. Im Zentrum des als Tagebuch verfassten Buches steht die Forderung nach einem souveränen jüdischen Staat. Als probates Mittel befürwortete Koestler den Terror der radikal-jüdischen Untergrundbewegung, der von Menachem Begin geführten Irgun. Eine Ansicht, welche auf heftige Kritik stieß.

Im Jahr 1927 engagierte der Ullstein Verlag? Arthur Koestler als Korrespondent für den Nahen Osten. Es waren seine Erfahrungen in dieser Region, die ihn dafür prädestinierten. 1930 zog Koestler nach Berlin, wo er ein Angebot als leitender Wissenschaftsredakteur bei der Vossischen Zeitung bekam. Aufgrund seines Beitritts zur KPD 1931, ohne vorherige Absprache mit seinem Verlag, musste er diese Anstellung bald aufgeben. Er schloss sich der Künstlerkolonie „Truppe 31“ an und beschäftigte sich während der nächsten Monate intensiv mit der marxistischen Lehre.

Zwischen 1932 und 1933 bereist er schließlich Russland. Die Eindrücke der stalinistischen Realität, der dort herrschende Hunger und die offenbare Untätigkeit der Politiker, entzauberte die kommunistische Realität. Der Theorie jedoch schrieb Koestler die Kraft zu, den totalitären Nationalsozialismus besiegen zu können.

Als Berichterstatter für den Londoner News Chronicle arbeitend, geriet der Schriftsteller während des Spanischen Bürgerkriegs 1937 in Kriegsgefangenschaft und wurde, wegen Spionageverdachts, zum Tode verurteilt. Nur auf Druck der britischen Regierung konnte er in Freiheit gelangen. „Ein Spanisches Testament“ entstand unter diesen Eindrücken im selben Jahr. Ebenfalls 1937 trat Koestler aus der KPD aus. Er war enttäuscht von deren Funktionären, die von ihm verlangt hatten, die spanische Linke als untreue Faschisten zu denunzieren. Darüber hinaus wirkten seine Erfahrungen mit der Sowjetunion und deren mäßigen Bemühungen, gegen Hitler-Deutschland vorzugehen, nach. In dem 1940 erschienenen Roman „Sonnenfinsternis“, seinem wohl bekanntesten, und in der Essaysammlung „Der Yogi und der Kommissar“ stellte er die Menschen fressende Maschinerie des Stalinismus vor Gericht.

Während der Jahre 1939/40 war Koestler in einem französischen Lager interniert. Nach dem Zweiten Weltkrieg schrieb er für diverse britische und amerikanische Zeitungen. Er lebte nun in England und später auch in Frankreich, wo er Kontakt zu Linksintellektuellen wie Simone de Beauvoir? und Jean Paul-Sartre? hatte.

In den 1950er Jahren wandte sich Koestler zunehmend naturwissenschaftlichen Themen zu. So befasste er sich beispielsweise in dem 1959 erschienenen Werk? „Die Nachtwandler. Das Universum im Wandel der Zeit.“ mit der Geschichte der Astronomie. Auch die Parapsychologie, wie etwa in „Die Wurzel des Zufalls“ (1972), wurde zum Gegenstand seiner Arbeiten.

1950 organisierte Koestler mit weiteren amerikafreundlichen Intellektuellen den vom CIA finanzierten „Kongress für kulturelle Freiheit“ in Berlin. Diese unterstützte antikommunistische Publikationen und trat offen gegen die Fürsprecher der totalitären Ostblockstaaten ein.

Im Werk „Der Göttliche Funke“ (1964, dt. 1966) prägte Koestler den Begriff „Bisoziation“: Dieser beschreibt die kreativen Verknüpfungen von Bildern, Begriffen und Vorstellungen. Über die Assoziation hinaus sollten Begriffe zweier ungleicher Ebenen miteinander verbunden werden. Ziel dieses Prozesses sei es, geistige Gewohnheiten zu durchbrechen. Noch heute dient die Theorie als Grundlage in der Kreativitäts- und Humorforschung.

Es war wohl Koestlers rastlose Suche nach einem Hafen, welche seine Mehrsprachigkeit nährte: Seine Texte verfasste er sowohl auf Englisch und Französisch als auch auf Deutsch. Darüber hinaus sprach er Ungarisch, Russisch, Hebräisch und auch das Jiddisch war ihm geläufig.

Als Kämpfer für den sozialen Humanismus stritt Koestler bis zu seinem Tod für ein selbstbestimmtes Leben und auch Sterben. 1981 wurde er zum stellvertretenden Präsidenten der britischen Freitod-Organisation „EXIT“ gewählt. Am 3. März 1983 nahm Arthur Koestler, der an chronischer Leukämie und an Parkinson erkrankt war, sich gemeinsam mit seiner dritten Ehefrau Cynthia in London das Leben. Seiner Nachwelt hinterließ er ein Werk?, welches die moralischen Verfehlungen und politischen Konflikte seiner Zeit thematisiert.

Foto: Wikimedia.org

Auszeichnungen

  • 1968 Sonning-Preis
  • 1972 Order of the British Empire

Werke (Auswahl)

  • Die Gladiatoren (engl. 1939, dt. 1948)
  • Sonnenfinsternis (engl. 1940, dt. 1948)
  • Ein Mann springt in die Tiefe (engl. 1943, dt. 1945)
  • Der Yogi und der Kommissar (engl. 1948, dt. 1950)
  • Gottes Thron steht leer (engl. 1950, dt. 1951)
  • Der Pfeil ins Blaue (engl. 1952, dt. 1953)
  • Die Geheimschrift (engl. 1954, dt. 1955)
  • Die Nachtwandler. Das Universum im Wandel der Zeit. (1959)
  • Von Heiligen und Automaten (engl. 1961, dt. 1964)
  • Diesseits von Gut und Böse (1965)
  • Der Göttliche Funke (engl. 1964, dt. 1966)
  • Die Wurzel des Zufalls (engl. u. dt. 1972)
  • Der dreizehnte Stamm. Das Reich der Khasaren und sein Erbe. (engl. 1976, dt. 1977)
  • Der Mensch, Irrläufer der Evolution. Eine Anatomie der menschlichen Vernunft und Unvernunft. (engl. u. dt. 1978)

Sekundärliteratur

  • Buckard, Christian: Arthur Koestler. Ein extremes Leben. 1905−1983. Beck, München 2004.
  • Quenetain, Tanneguy de: Der Monsignore und der Ehemann. Ein Gespräch mit Arthur Koestler über Genialität in Wissenschaft und Kunst. In: Die Zeit, Nr. 32/1966.

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