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Kronberg, Simon

Simon Kronberg (geb. 26. Juni 1891 in Wien; gest. 1. November 1947 in Haifa) war ein deutschsprachiger Schriftsteller. Seine einzige Buchveröffentlichung zu Lebzeiten war der Prosaband „Chamlam“.

Leben und Schreiben

Simon Kronberg wurde am 26. Juni 1891 als nichtehelicher Sohn von Nathan Arzt und Reisel Scheindlinger in Wien geboren. Die Eltern, die 1895 heirateten, stammten aus Galizien. 1893 wurde sein Bruder Josef geboren, 1895 seine Schwester Ottilie. Die Atmosphäre im Elternhaus war von kleinbürgerlicher Enge und ostjüdischer Frömmigkeit geprägt. Von 1897 bis 1902 besuchte Simon Kronberg die Volksschule, von 1902-1911 die k. u. k. Franz Joseph-Realschule im XX. Bezirk. Er war ein guter Schüler, dem die Lehrer eine Begabung für Musik und Theater attestierten.

Im März 1912 bezog Simon Kronberg eine Wohnung in der Augartenstraße 6 im II. Bezirk. Im Sommersemester begann er ein Studium als Lehramtskandidat an der Universität Wien. Nebenbei besuchte er Vorlesungen an der philosophischen Fakultät. Ein Jahr später verließ er Wien und ging in die Gartenstadt Hellerau bei Dresden, wo er die Bildungsanstalt für Musik und Rhythmus besuchte. Er lernte Toni Jamme kennen – eine Lehrerin für rhythmische Gymnastik – , mit der ihn eine leidenschaftliche Liebesbeziehung verband.

In den Jahre 1914/15 führte Kronberg ein unstetes Wanderleben, mit Aufenthalten in Wien, München, Berlin und Köln. An verschiedenen Instituten ließ er sich zum Tänzer, Schauspieler und Phonetiklehrer ausbilden. Von Toni Jamme wurde er finanziell unterstützt. Im Mai 1915 nahm er in der Goßlerstraße 21 in Berlin-Friedenau eine Wohnung. Ab Juli 1915 stand Kronberg in brieflichem und telefonischem Kontakt mit Franz Pfemfert?, dem Herausgeber? der expressionistischen Zeitschrift „Die Aktion?“. Im Herbst 1915 lernte Kronberg die Schneiderin Dorothea Frieda kennen, die er im März 1917 heiratete.

Angeregt vom Leben in Berlin – der bedeutendsten europäischen Kunstmetropole der damaligen Zeit – fand Kronberg Anschluss an die expressionistische Literaturbewegung. Erste dichterische Arbeiten von ihm erschienen während des Ersten Weltkriegs in den Zeitschriften „Die Aktion?“ und „Die Dichtung?“. „Die Aktion?“ druckte Kronbergs Gedicht „Nacht“. In derselben Zeitschrift folgten später „Chamlam erzählt sich Märchen“, „Spur“ und „Kaddisch, Gebet der Söhne für ihre toten Väter“. In den meisten dieser Arbeiten, deren Sprache stark rhythmisiert? ist, setzt sich Kronberg mit den Fragen des Judentums und der eigenen Identität auseinander. Dabei verknüpft er dichterische Selbstanalyse mit jüdischer Mystik. Häufig verwendet er hebräische Begriffe, so dass seine Texte den Eindruck hermetischer Geschlossenheit vermitteln.

Nach dem Ersten Weltkrieg, an dem Kronberg wegen seiner schwachen Lunge nicht teilnahm, stand er dem Kreis um die Zeitschrift „Die Dichtung?“ nahe, die von Wolf Przygode? herausgegeben? wurde. Er kam in Kontakt mit den Schriftstellern Hermann Kasack?, Edlef Köppen? und Oskar Loerke?. Hier lernte er auch den Verleger Gustav Kiepenheuer? kennen. Kronberg übte in dieser Zeit verschiedene Berufe aus, so war er zum Beispiel beim Postscheckamt in Berlin und beim Magistrat in der Abteilung für Kohlenversorgung tätig.

Im März 1921 veröffentlichte der Verlag der Dichtung Gustav Kiepenheuer? die Prosadichtung „Chamlam“. Der Band ist Simon Kronbergs einzige Buchveröffentlichung zu Lebzeiten. Im Urteil des Schriftstellers und Herausgebers? Karl Otten? ist „Chamlam“ das „Vollendetste, was der existentiell gerichtete Expressionismus hinterlassen hat“. Auch Oskar Loerke? war in seiner Rezension voll des Lobes. In „Chamlam“ – der Titel bedeutet übersetzt Dummkopf – begibt sich der Held auf die Suche nach seiner eigenen Identität. Chamlam ist verunsichert, seine Identität in der Krise. Die Verunsicherung des Helden – eine Problematik, die in der Literatur des Expressionismus immer wieder behandelt wird – spiegelt sich auch in den formalen Merkmalen des Textes: Häufig kommt es zu einem Wechsel der Gattungen und der Erzählperspektiven.

In den 1920er Jahren wechselte Kronberg mehrmals den Beruf. Viele der literarischen Arbeiten, die in dieser Zeit entstanden, sind verschollen. Durch Freunde wurde er finanziell unterstützt. 1926 kam es zur Trennung von seiner ersten Frau. In der von Julius Wassermann? herausgegebenen Anthologie? „Zwischen den Zelten. Junge jüdische Autoren“ (1932) erschienen Kronbergs Puppenspiel „Porzellan“ und die dramatische Skizze „Die Wand“. Kronberg hatte intensiven Kontakt zu verschiedenen jüdischen Organisationen, so zum Beispiel zum Jung-Jüdischen Wanderbund. Gemeinsames Ziel dieser Organisationen war es, eine Synthese von Sozialismus und Zionismus zu verwirklichen.

Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten wanderte Simon Kronberg 1934 nach Palästina aus. Zunächst lebte er als Schuhmacher im Kibbuz Givat Chajim, später als Künstler in Haifa. Es entstanden in deutscher Sprache die Dramen „Ehud. Ein Richter in Israel“ (1937/38), „Nittel“ (1941) und „Der Tod im Hafen“ (1942). Der Erfolg war gering.

Simon Kronberg starb am 1. November 1947 in Haifa. Kurz darauf beging seine dritte Frau Jael Selbstmord.

Übrigens ...

Am 23. Januar 1900 stellte Nathan Arzt den Antrag, den Familiennamen in „Kronberg“ zu ändern. Das Gesuch wurde abgelehnt. Ein zweites Gesuch vom 2. Dezember desselben Jahres brachte den Erfolg. Das Ministerium des Inneren stimmte der Namensänderung zu. So kam Simon Kronberg zu seinem Familiennamen.

Auszeichnungen

Werke (Auswahl)

  • Werke. Lyrik, Prosa, Dramatik. In zwei Bänden. Herausgegeben von Armin A. Wallas. Beide Bände zusammen 821 Seiten. München, Boer Verlag 1994, ISBN 3-924963-51-7

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