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Le Clézio, Jean Marie Gustave

Jean Marie Gustave Le Clézio, seltener: LeClézio, (geb. 13. April 1940 in Nizza) ist ein französischer Schriftsteller. Im Jahr 2008 erhielt er den Nobelpreis für Literatur.

Leben und Schreiben

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Jean Marie Gustave Le Clézio wurde am 13. April 1940 in Nizza geboren. Seine Eltern hatten familiäre Verbindungen mit der ehemaligen französischen Kolonie Mauritius - ein bretonischer Vorfahre war Ende des 18. Jahrhunderts dorthin ausgewandert. Als Achtjähriger zog er mit seiner Familie nach Nigeria. Sein Vater hatte dort während des Zweiten Weltkriegs als Arzt gearbeitet und war da geblieben. Per Schiff nach Afrika unterwegs, schrieb Le Clézio zwei kleine Bücher: "Un long voyage" (dt. Eine lange Reise") und "Oradi noir". In Letzterem legte er sogar ein Verzeichnis über "kommende Bücher" an. Er sah sich zu diesem Zeitpunkt also bereits als Schriftsteller.

Le Clézio wuchs mit der englischen und der französischen Sprache auf. 1950 kehrte seine Familie nach Nizza zurück, 1957 machte er Abitur, zwischen 1958 und 1961 studierte er Englische Literatur in in Bristol und London. Auf seine Examina 1963 und 1964 an den Universitäten Nizza und Aix-en-Provence folgte später die Promotion an der Universität Perpignan mit einer Arbeit zur Frühgeschichte Mexikos. Le Clézio war als Dozent an den Universitäten Bangkok, Mexiko City, Boston, Austin und Albuquerque tätig.

"Das Protokoll" (1963)

Große Aufmerksamkeit erregte 1963 sein Debütroman "Le procès-verbal" (dt. "Das Protokoll", 1965). Im Mittelpunkt des Buches steht Adam Pollo. Niemand weiß, woher er kommt, auch der Protagonist selbst nicht. Er lebt zurückgezogen und einsam in einem Haus am Meer, seine Versuche, Kontakt mit Mitmenschen aufzubauen, scheitern. Für ihn gibt es nur die rein sinnliche Wahrnehmung. Tiere, Dinge und Menschen sind für ihn gleichwichtige oder unwichtige Daseinsformen. Schließlich landet er zur Beobachtung in einer Nervenklinik ...

Mit bewundernswerter Sprachartistik beschreibt Le Clézio einen menschlichen Daseinszustand, der in seiner strengen Konsequenz und seinem großartigen Entwurf vieles Vergleichbare hinter sich lässt. Für dieses Buch erhielt er 1963 den Prix Renaudot?. Es wurde auch für den Prix Goncourt? nominiert. Seit dem Erscheinen seines Erstlings hat Le Clézio über 30 Bücher veröffentlicht: Erzählungen, Essays, Romane, aber auch Kinder- und Jugendbücher sowie Nacherzählungen? indianischer Sagen.

"Désert" (1980)

Zwischen 1970 und 1974 hielt Le Clézio sich mehrfach für längere Zeit in Mexiko und Zentralamerika auf. 1975 heiratete er die Marokkanerin Jemia. Seit den 1990er Jahren lebt das Ehepaar abwechselnd in Albuquerque im US-Bundesstaat New Mexico, auf Mauritius und in Nizza. Die Weltläufigkeit dieses Autors, die sich aus seinen zahlreichen Reisen und Lebensstationen rund um den Globus speist, spiegelt sich auch in seinen Werken wider.

Le Clézio beschäftigt sich oft mit den gefährdeten Kulturgütern indigener Völker im Kontrast zu den entfremdeten Lebenswelten in den Städten des Abendlandes. Seinen endgültigen Durchbruch als Romanschriftsteller brachte ihm der Roman "Désert" (1980; dt. "Wüste", 1989). Für dieses Buch erhielt er als Erster den Prix Paul-Morand? der Académie Française?. Im Mittelpunkt steht die algerische Gastarbeiterin Lalla. Mit ihr nimmt der Leser die europäische Gesellschaft aus der Sicht unerwünschter Einwanderer wahr.

"Révolutions" (2003)

In den vergangenen Jahren wird bei Le Clézio zunehmend eine Suche nach dem irdischen Paradies spürbar, so etwa in den Romanen "Ourania" (2005) und "Raga: approche du continent invisible" (2006). Außerdem beschäftigte Le Clézio sich immer stärker mit der eigenen Kindheits- und Familiengeschichte. So etwa in "Révolutions" (2003; dt. "Revolutionen", 2006) und in "L'africain" (2004; dt. "Der Afrikaner", 2006).

"Revolutionen" versammelt die wichtigsten Themen seines Werkes: Erinnerung? und Exil, jugendlicher Aufbruch und der Konflikt der Kulturen. Von den Erlebnissen eines bretonischen Vorfahren als Soldat in der französischen Revolutionsarmee, die mit der Emigration nach Mauritius endeten, bis hin zu den Lehrjahren des Protagonisten in den 1950er und 1960er Jahren.

"L'Africain" (2004)

In "L'Africain" (2004; dt. "Der Afrikaner", 2007) beschäftigt sich Le Clézio mit seinem Vater. Zugleich wird in dem Roman das Bild des Jungen deutlich, der er einst selbst war, und der sich einem Fremden gegenüber sah, den er lieben sollte. Seine Erinnerungen sind vermittelt durch die Landschaft Afrikas, durch die sie wieder wachgerufen werden.

2007 erschien "Ballaciner", ein Essay über die Geschichte der Filmkunst und die Bedeutung des Films für Le Clézio - von der Kindheit, als die Filme über Kurbelprojektoren liefen, über den cineastischen Kult seiner Jugendzeit bis hin zur Filmkunst fremder Kontinente.

Le Clézio ist verheiratet und hat zwei Töchter. Er lebt in Albuquerque/New Mexico, in seiner Geburtsstadt Nizza und in der Bretagne.

Nobelpreis für Literatur 2008

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Im Jahr 2008 erhielt Jean Marie Gustave Le Clézio den Nobelpreis für Literatur. Sein Werk, so die Begründung des Komitees, "vertritt mehrere Kulturen. Er gehört zu einer neuen Generation von Schriftstellern: Nomaden, die in der ganzen Welt verwurzelt sind." Das Komitee würdigte den Preisträger als einen "Verfasser des Aufbruchs, des poetischen Abenteuers und der sinnlichen Ekstase", als "Erforscher einer Menschlichkeit außerhalb und unterhalb der herrschenden Zivilisation".

Mit Le Clézio, der in der Presse schon mal schwärmerisch als Typ "eleganter Cowboy" bezeichnet wird, hatte sich das Nobelpreis-Komitee übrigens schon länger beschäftigt: "Wir haben viele Jahre Le Clézios Werk gelesen – es war einfach dran", sagte Komitee-Sekretär Horace Engdahl? bei der Bekanntgabe am 9. Oktober 2008 in Stockholm.

Beri der traditionellen Nobelvorlesung drei Tage vor der Preisverleihung in Stockholm sagte Le Clézio, der Schriftsteller von heute besitze "schon seit einiger Zeit nicht mehr die Überheblichkeit zu glauben, dass er die Welt verändert und mit seinen Kurzgeschichten, seinen Romanen ein besseres Lebensmodell schafft. Heute will er nur noch Zeuge sein." Doch auch das gelinge nicht: "Dabei ist er die meiste Zeit nur ein einfacher Voyeur."

Übrigens ...

äußerte sich Literaturkritikerin Sigrid Löffler kritisch zur Entscheidung des Komitees. Im MDR sprach sie am Tag der Bekanntgabe von einer "einigermaßen bizarren Wahl". Le Clézio sei zwar seit 40 Jahren im Geschäft, "vagabundiert aber durch die Verlage und hat jedes Buch in einem neuen Verlag".

Auszeichnungen (Auswahl)

Werke (Auswahl)

  • Bücher von Jean Marie Le Clézio bei Jokers
  • Die Sintflut. Roman. Berlin, Maas Verlag, Neuausg. 2005, ISBN: 978-3937755083
  • Das Protokoll. Roman. München, Piper Verlag 1965, ISBN: 978-446209480
  • Wüste. Roman. Köln, Kiepenheuer und Witsch 1989, ISBN: 978-3462021806
  • Ein Ort fernab der Welt. Roman. Köln, Kiepenheuer und Witsch 2000, ISBN: 978-3462028867
  • Fisch aus Gold. Roman. Köln, Kiepenheuer und Witsch 2003, ISBN: 978-3462032192
  • Revolutionen. Roman. Köln, Kiepenheuer und Witsch 2006, ISBN: 978-3462036800
  • Der Afrikaner. Roman. München, Hanser Verlag 2007, ISBN: 978-3446209480
  • Raga – Besuch auf einem unsichtbaren Kontinent. Heidelberg, Wunderhorn Verlag 2008, ISBN: 978-3884233108
  • Pawana. Roman. Köln, Kiepenheuer und Witsch 2009, ISBN: 978-3462041453

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