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Lenau, Nikolaus

Nikolaus Lenau ist das Pseudonym von Nikolaus Franz Niembsch (seit 1821 auch) Edler von Strehlenau. Er war einer der bedeutendsten Schriftsteller des Biedermeier?.

Leben und Schreiben

Geboren wurde Nikolaus Lenau am 13. August 1802 in Csastád bei Temesvár im Banat, das bis zum Ende des Ersten Weltkriegs ein Teil Ungarns war. Er entstammte einer verarmten Offiziersfamilie. Der Vater starb 1807 in Pest, weshalb die Kinder bis 1811 von der Mutter allein erzogen wurden, bis sie wieder heiratete. Nikolaus Lenau verbrachte die Kindheit und Jugend in Pest, Tokaj, Wien und Stockerau bei Wien. In Stockerau wohnten die Großeltern, die wohlhabend waren und ihm ein Studium finanzierten.

Ende des Jahres 1820 bekam der Großvater die Anerkennung des Adelsstandes, die er beantragt hatte, weil der Familientitel urkundlich nicht mehr nachweisbar war. Im Jahr 1821 erbte der Enkel den Titel und formte daraus sein dichterisches Alter Ego.

Nikolaus Lenau studierte zehn Jahre (von 1822 bis 1832) die verschiedensten Fächer und wechselte die Universitäten sehr häufig. So studierte er erst in Wien, dann in Pressburg, dann in Ungarisch-Altenburg, dann wieder in Wien und am Schluss in Heidelberg. Zunächst wählte er die Rechtswissenschaft als Studienfach, dann die Philosophie, danach die Landwirtschaft und am Ende studierte er vier Jahre lang Medizin. Zu irgend einem Abschluss reichte es in keinem Fach.

Schon als Jugendlicher hatte Nikolaus Lenau Gedichte geschrieben. Nach dem Studium konnte er sich nicht für einen Beruf entscheiden. Als im Jahr 1829 seine Mutter starb, wurde er depressiv, schuf aber trotz dieser Gefühlskrankheit in den Jahren 1832 bis 1844 ein umfangreiches literarisches Werk.

Bald nach dem Tod seiner Großmutter Ende der 1820er Jahre ermöglichte ihm die Erbschaft, sich ganz der Dichtkunst zu verschreiben. Schon im Jahr 1827 waren in der Aurora?, der Zeitschrift des Verlegers Johann Gabriel Seidl? seine ersten Gedichte veröffentlicht worden. 1831 zog er nach Stuttgart, wo er 1832 einen Gedichtband? veröffentlichte, den er Gustav Schwab? zueignete. Überhaupt nahm er in Württemberg Kontakt mit den Autoren des Schwäbischen Dichterkreises? auf. Dazu gehörten Emma Niendorf?, Gustav Schwab?, Justinus Kerner?, Ludwig Uhland? und Hermann Kurz?. Gustav Schwab? war es auch, der Nikolaus Lenau die ersten Veröffentlichungen bei Cotta? vermittelte.

In den Jahren 1832 und 1833 versuchte er einen neuen Anfang in den Vereinigten Staaten. So landete er in Baltimore, lebte in Ohio und dann in New Harmony. Amerika und der dort herrschende Materialismus widerten ihn so an, dass er von den "Verschweinten Staaten von Amerika" sprach und 1833 wieder nach Deutschland zurückkehrte. Dort hatte er in der Zwischenzeit aufgrund seines ersten Gedichtbandes etwas Anerkennung gefunden.

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Sein Leben spielte sich nun unstet zwischen Württemberg und Wien ab. Mehrere Verlobungen wurden von ihm gelöst. 1835 und 1836 gab er den Frühlingsalmanach? heraus. 1836 veröffentlichte er eine eigene Faustfassung, im Jahr 1837 "Savonarola", in dem er das Christentum als Freiheit von politischer und geistiger Knebelung preist. 1838 verliebt er sich in Sophie von Löwenthal, geborene von Kleyle. Sie war die Frau eines Freunde und inspirierte ihn zu den Neueren Gedichten, die 1838 erschienen. 1842 gingen "Die Albigenser" in Druck und 1844 begann Nikolaus Lenau am "Don Juan" zu schreiben, den er aber nicht mehr fertigstellen konnte.

Er erlitt einen Schlaganfall und fiel in geistige Umnachtung. Man wies ihn im Oktober 1844 in die Nervenheilanstalt Winnenthal bei Stuttgart ein und verlegte ihn im Mai 1847 in die Heilanstalt Oberdöbling bei Wien zu Dr. Görgen. Dort verbrachte er drei Jahre bis zu seinem Tod.

Nikolaus Lenau starb am 22. August 1850 in Oberdöbling bei Wien.

Nach seinem Tod gab Anastasius Grün? im Jahr 1851 den dichterischen Nachlass von Nikolaus Lenau heraus.

Nikolaus Lenau ist besonders durch seine Lyrik bekannt geworden. Die lyrische Prägung seines Werkes schlägt sich auch in seinen Versepen und in seiner dramatischen Dichtung? nieder. Innerhalb der Lyrik widmet sich Nikolaus Lenau vor allem der Naturlyrik?. Alle seine Dichtungen sind von Musikalität durchzogen.

In die meisten seiner Schriften eingewoben ist ein Grundton von Melancholie, von Trauer und Weltschmerz. Die Naturlyrik? ist eine Lyrik der Vergänglichkeit, der Einsamkeit, des Todes und Verfalls. Daneben finden sich aber auch politische Gedichte?. In ihnen wirbt der Dichter für die europäische Freiheitsbewegung (Polenlieder), aber auch für Emanzipation, Demokratie und Liberalität. Manchmal, wie in den "Albigensern", kann der politische Ton sogar aggressiv werden.

Übrigens ...

Der Geburtsort von Nikolaus Lenau heißt heute zu seinen Ehren Lenauheim.

Die niederösterreichische Stadt Stockerau, wo Nikolaus Lenau zwischen 1818 und 1821 bei seinen Großeltern wohnte, nennt sich heute "Lenau-Stadt". 1964 wurde in dieser Stadt auch die Internationale Lenau-Gesellschaft? und 1968 das Internationale Lenau-Archiv? gegründet.

Ehrungen

Werke (Auswahl)

Es gibt folgende Ausgaben von Nikolaus Lenaus Werken:

  • Sämtliche Werke und Briefe. Hrsg. von Eduard Castle?. Sechs Bände. Leipzig 1910 - 1923.
  • Werke und Briefe. Historisch-kritische Ausgabe. Hrsg. von Helmut Brandt? u. a. Wien 1989ff.

Einzelwerke:

  • Der Unbeständige, 1822
  • Polenlieder, 1835
  • Faust, 1836
  • Savonarola, 1837
  • Stimme des Kindes, 1838
  • In der Neujahrsnacht, 1840
  • Die Albigenser, 1842
  • Waldlieder, 1843
  • Blick in den Strom, 1844
  • Eitel nichts!, 1844
  • Don Juan (Fragment), 1844

Hörbücher

  • Kostenloses mp3-Hörbuch zu Nikolaus Lenau auf vorleser.net

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