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Leon, Donna

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Donna Leon (geb. 28. September 1942 in Montclair, New Jersey) ist eine amerikanische Schriftstellerin und Literaturwissenschaftlerin?. Sie lebt seit 1981 in Venedig.

Foto: Wikimedia.org

Leben und Schreiben

Die Zeit vor ihrer Schriftsteller-Karriere

Donna Leon wurde am 28. September 1942 in Montclair, New Jersey, geboren. Sie hat deutsche, irische und spanische Vorfahren. In New Jersey besuchte sie die Schule und begann an der Universität ein Studium der englischen Literatur.

Mit 23 Jahren verließ Donna Leon die USA in Richtung Europa. Sie ging zunächst nach Perugia und Siena, wo sie ihr Studium fortsetzte. Nach Abschluss des Studiums war sie in verschiedenen Berufen tätig. So arbeitete sie unter anderem als Reiseleiterin in Rom, als Werbetexterin in London und als Lehrerin an amerikanischen Schulen in der Schweiz, im Iran, in China und Saudi-Arabien. Seit 19965 lebt sie ständig außerhalb der USA.

Zuletzt lehrte sie englische und amerikanische Literatur an der Außenstelle der Universität Maryland auf dem US-Luftwaffenstützpunkt Vicenzain in der Nähe von Venedig, wo sie sich 1981 niederließ.

Freie Autorin in Venedig

Romane zu schreiben begann Leon Anfang der 1990er Jahre. Die Idee zu ihren Debütroman? "Death at La Fenice" (1992;dt. Venezianisches Finale 1993) soll sie im Teatro La Fenice bekommen haben.

Es folgten die Brunetti-Krimis Endstation Venedig (1995) und Venezianische Scharade (1996), die ebenfalls große Erfolge beim Publikum waren und auch von der Fachkritik mit Wohlwollen aufgenommen wurden.

Für „Venezianische Scharade“ wurde Donna Leon 1997 mit dem Deutschen Krimipreis? ausgezeichnet. Commissario Brunetti ermittelt in einem besonders heiklen Mordfall. Es ist ein heißer Tag im August, als beim Schlachthof von Mestre – einer Industriestadt vor den Toren Venedigs – die Leiche eines Mannes in Frauenkleidern und roten Samtschuhen entdeckt wird. Wer ist der Transvestit? Hat ihn ein enttäuschter Freier erschlagen? Oder ein Rivale aus dem Stricher-Milieu? Kaum zu glauben, dass es sich bei dem Toten um den Direktor der Banca di Verona handeln soll. Die Ermittlungen beginnen unter Transvestiten und Sadisten, von dort aus führen sie in die Chefetagen und Parteizentralen der Republik. Sollten demokratische Politiker wirklich in der Lage sein, aus purer Habgier zu morden? „Venezianische Scharade“ ist ein spannender Kriminalroman, in dem die Autorin auch gesellschaftliche Reiz- und Konfliktthemen mit Vehemenz zur Sprache bringt.

Venezia Questura
Polizeistation Fondamenti di San Lorenzo, Venedig, die durch Donna Leons Commissario Brunetti berühmt wurde; Photo: Andreas Praefcke (Eigenes Werk (own photograph)) [CC-BY-1.0, GFDL oder CC-BY-SA-3.0], via Wikimedia Commons

Mit ihren Krimis rund um den sympathischen Commissario Brunetti eroberte sich Donna Leon eine Fangemeinde, die inzwischen über Ableger auf der ganzen Welt verfügt – außer in Italien und in den USA. Aus unterschiedlichen Gründen. Die Menschen in den USA, klagte Donna Leon in einem Interview, seien kulturell und intellektuell einfach zu vulgär – deshalb könnten sie mit einer emphatischen Figur wie Commissario Brunetti nichts anfangen.

Auf Donna Leons Wunsch hin erscheinen ihre Kriminalromane nicht auf Italienisch. Sie habe nämlich die Befürchtung, dass ihre Romane – in denen auch delikate gesellschaftskritische Themen behandelt werden – als eine Beleidigung von Land und Leuten aufgefasst werden könnten. Und in der Tat ist es so, dass das Italien-Bild, das Donna Leon in ihren Romanen zeichnet, von Korruption, Brutalität und Menschenverachtung geprägt ist. Italien erscheint als gigantischer Sündenpfuhl. Weshalb manche Literaturkritiker den Klischee-Vorwurf gegen die Autorin ins Feld geführt haben.

Jahr für Jahr ein neuer Fall

Fast Jahr für Jahr veröffentlichte Donna Leon einen neuen Brunetti-Fall, erst auf Englisch, dann auf Deutsch. Einen Höhepunkt erreichte Donna Leons pessimistische Weltsicht in den Bänden „Feine Freunde“ (2001) und „Das Gesetz der Lagune“ (2002). In beiden Romanen hat es Brunetti mit dem moralisch-politischen Sumpf Venedigs zu tun. Und auch ohne Berlusconi und seine Freunde beim Namen zu nennen, erklärte ein Rezensent, wisse der Leser, wer aus Sicht der Autorin für den desolaten Zustand der Gesellschaft verantwortlich sei.

Bis heute hat Donna Leon fast 20 Brunetti-Romane veröffentlicht. Als einer der letzten erschien „Wie durch ein dunkles Glas“ (2007). Darin geht es dreckig zu. In den Lagunen von Venedig ist Giftmüll aufgetaucht. Als auch noch ein Mensch ums Leben kommt, nimmt Brunetti die Ermittlungen auf. Er begibt sich nach Murano, einer kleinen Insel nordöstlich von Venedig. Vor dem malerischen Hintergrund der Glasbläserwerkstätten kommt Brunetti dem Täter auf die Spur. Und auch im Privatleben des Commissarios kommt es zu spannenden Verwicklungen. Sitzt seine Frau Paola wirklich schon auf gepackten Koffern, wie Brunetti vermutet. Wartet sie nur noch auf die günstigste Gelegenheit, um mit dem Fleischer durchzubrennen?

Ende der Erfolgsreihe?

In Deutschland kamen Donna Leons Kriminalromane durch die Fernsehfilme der ARD zu weiterer Popularität. Unter der Regie von Christian von Castelberg und Sigi Rothemund entstanden die Fernsehfassungen von „Vendetta“ (2000), „Venezianische Scharade“ (2000), „Nobilità“ (2002), „In Sachen Signora Brunetti“ (2002), „Das Gesetz der Lagune“ (2006) und weiteren Romanen. Joachim Król verkörperte bis 2002 die Figur des Commissarios, von 2003 an war die Hauptrolle mit Uwe Kockisch besetzt. Dass deutsche Schauspieler italienische Menschen darstellen, sorgte in der Fachkritik für Unmut. Außerdem wurde das Fehlen der gesellschaftskritischen Dimension bemängelt.

Ob Donna Leon noch weitere Brunetti-Romane veröffentlichen wird, ist fraglich. In einem Interview hat sie das (baldige) Ende der Erfolgsserie angekündigt.

Donna Leon lebt in Venedig. Sie ist alleinstehend.

Werk

Zunächst fällt in ihren Krimis die Person des Commissario Brunetti. Er ermittelt in Venedig und ist mit der Grafentochter Paola verheiratet. Sie ist eine selbstbewusste, freiheitsliebende Professorin für englische Literatur. Die beiden haben zwei Kinder: Raffaele und Chiara. Obwohl Leon Krimis schreibt, interessiert sie sich nicht nur für die Kriminalfälle. Diese dienen ihr eher dazu, gesellschaftliche Missstände anzuprangern und die Menschen zu beschreiben, denen sie begegnet. Eine neue Art des Krimis.

Übrigens ...

Donna Leon ist leidenschaftliche Opernliebhaberin. Am meisten schätzt sie Händel. Die Einnahmen aus ihren Kriminalromanen haben es ihr ermöglicht, sich ganz und gar diesem Hobby hinzugeben. Nach eigenen Angaben lässt sie sich bei ihrer Lebensplanung von den internationalen Opernspielplänen inspirieren.

Leons Venedig-Schilderungen sind so detailliert, dass sich die Schauplätze mit Hilfe eines Stadtplanes recherchieren lassen. Kein Wunder, dass ein Stadtplan und ein Brettspiel zu den Schauplätzen erschienen sind.

Auszeichnungen

Werke (Auswahl)

  • Werke von Donna Leon bei Jokers
  • Venezianisches Finale. Commissario Brunettis erster Fall. EA 1992. Zürich, Diogenes 1995, ISBN: 978-3257227802
  • Venezianische Scharade. Commissario Brunettis dritter Fall. EA 1996. Zürich, Diogenes 1997, ISBN: 978-3257229905
  • Sanft entschlafen. Commissario Brunettis sechster Fall. EA 1998. Zürich, Diogenes 2000, ISBN: 978-3257231397
  • Vendetta. Commissario Brunettis vierter Fall. EA 1997. Zürich, Diogenes 1998, ISBN: 978-3257231007
  • Acqua alta. Commissario Brunettis fünfter Fall. EA 1997. Zürich, Diogenes 1999, ISBN: 978-3257231182
  • Nobilta. Commissario Brunettis siebter Fall. EA 1999. Zürich, Diogenes 2001, ISBN: 978-3257232608
  • In Sachen Signora Brunetti. Der achte Fall. EA 2000. Zürich, Diogenes 2001, ISBN: 978-3257233117
  • Feine Freunde. Commissario Brunettis neunter Fall. EA 2001. Zürich, Diogenes 2002, ISBN: 978-3257233391
  • Das Gesetz der Lagune. Zürich, Diogenes 2002, ISBN: 978-3257233797
  • Die dunkle Stunde der Serenissima. Commissario Brunettis elfter Fall. EA 2003. Zürich, Diogenes 2004, ISBN: 978-3257234480
  • Verschwiegene Kanäle. EA 2004. Zürich, Diogenes 2005, ISBN: 978-3257235234
  • Beweise, daß es böse ist. Commissario Brunettis dreizehnter Fall. EA 2005. Zürich, Diogenes 2006, ISBN: ISBN: 978-3257235814
  • Blutige Steine. EA 2006. Zürich, Diogenes 2006, ISBN: 978-3257065237
  • Wie durch ein dunkles Glas. Commissario Brunettis fünfzehnter Fall. EA 2007. Zürich, Diogenes 2007, ISBN: 978-3257065732
  • Mein Venedig. Zürich, Diogenes 2007, ISBN: 978-3257236231
  • Suffer the Little Children, 2007; Lasset die Kinder zu mir kommen. Commissario Brunettis sechzehnter Fall, 2008
  • The Girl of His Dreams, 2008; Das Mädchen seiner Träume. Commissario Brunettis siebzehnter Fall, 2009, ISBN 978-3-257-24057-3
  • About Face, 2009; Schöner Schein. Commissario Brunettis achtzehnter Fall, Zürich 2010, ISBN 978-3-257-24098-6
  • A Question of Belief, 2010; Auf Treu und Glauben. Commissario Brunettis neunzehnter Fall, Zürich 2011, ISBN 978-3-257-24204-1
  • Drawing Conclusions, 2011; Reiches Erbe. Commissario Brunettis zwanzigster Fall, Zürich 2012, ISBN 978-3-257-06820-7

Venezianisches Finale

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1992 veröffentlichte Donna Leon unter dem Titel „Venezianisches Finale“ ihren ersten Roman (dt. Ausgabe 1993). Zu ihrem Debüt? als Kriminalautorin kam sie über ihre Liebe zur Oper: Eines Abends war Donna Leon zu Gast im venezianischen Opernhaus „La Fenice“, als dort eine wichtige Probe über die Bühne gehen sollte. Ihr Begleiter, der über die Leistungen der Akteure äußerst ungehalten war, zürnte: „Pfui! Dieser bourgeoise Hund mit dem Taktstock. Ich könnte den Dirigenten umbringen! Das Schwein!“ Donna Leon antwortete darauf: „Ich mach’s für dich, aber in einem Roman. Einverstanden?“ Die beiden verließen die Probe und kundschafteten das Opernhaus aus, um mögliche Fluchtwege für einen möglichen Täter zu finden. Der fiktive Täter war also schon da, er befand sich auf der Flucht, durch die Katakomben des Opernhauses – was fehlte, war nur noch der Kommissar, der sich an seine Fersen heftete. Und das war die Geburtsstunde von Commissario Guido Brunetti.

Die Veröffentlichung von „Venezianisches Finale“ leitete eine erstaunliche Erfolgsgeschichte ein. Auf dem deutschen Buchmarkt erreichte Donna Leons Debütroman? eine Auflage? von mehr als 200.000 Exemplaren. Brunettis erster Fall. In Venedigs Opernhaus „La Fenice“ ist ein Mord geschehen. In der Pause vor dem letzten Akt der Traviata wird der deutsche Stardirigent Helmut Wellauer tot aufgefunden. Kein schöner Anblick, wie er da liegt, die Finger verkrampft, das Gesicht blau angelaufen. Die Spurensuche beginnt und führt in Wellauers Garderobe. Dort riecht es nach Bittermandel – Zyankali? Ja, Zyankali im Espresso! Prost und Tod! Brunetti nimmt die Ermittlungen auf. Schnell findet er heraus, dass der Stardirigent, der vom Publikum für seine Genialität geliebt und nahezu vergöttert wurde, unter den Kollegen verhasst war. Kaum ein Mitarbeiter, der kein Motiv gehabt hätte, Wellauer zu ermorden. Die Fachkritik lobte Donna Leons Krimidebüt?. Der erste Krimi der Amerikanerin Donna Leon, und gleich ein großer Wurf, urteilte „Radio Bremen“. Das Buch sei voll von den Gerüchen und vom Geschmack Venedigs und spreche den Musikliebhaber ebenso an wie den nur am Krimi-Rätsel interessierten Leser.

Die Figur des Commissario Brunetti war ein Novum in der Krimiszene. Bis dato hatten brunftige Typen mit Platzhirsch-Mentalität den Ton angegeben. Sie möge keine Gewalt, sagte Donna Leon in einem Interview, sie könne diesen amerikanischen blutrünstigen Stoff nicht lesen. Es ärgere sie maßlos, dass so viele Menschen sich für diesen Kram interessierten. Ganz anders ist ihr Commissario Brunetti gestrickt. Menschliche Wärme, subtiler Humor und psychologisches Einfühlungsvermögen – dazu tagtägliche Büroarbeit, ein sympathischer Schlurfschritt durch Venedigs Lagunenlandschaft und ein beschauliches Familienleben mit seiner Frau Paola und den beiden Kindern.

Lasset die Kinder zu mir kommen

Über dem Buch steht ein Bibelwort. In Italien - so die gängige Meinung - werden Bambini respektiert, wenn nicht gar vergöttert. Doch wie so oft ist die Realität eine andere und in unserem südlichen Partnerland stagniert das Bevölkerungswachstum. Vor diesem Hintergrund entwickelt sich die Handlung. Nachts dringen Carabinieri die Wohnung eines angesehenen Kinderarztes und entreißen dem verzweifelten Vater sein noch nicht einmal 2-jähriges Baby entreißen? Das geht Commissario Brunetti gegen den Strich. Das brutale Vorgehen der Carabinieri schockt ihn und er ermittelt, was dahinter steht.

Der Fall kommt ohne Leiche aus und ist trotzdem eindringlich und berührend. Genauestens werden die Charaktere gezeichnet, die gesellschaftlichen Strömungen festgehalten. Auch ohne Leiche ist es ein spannender Fall für anspruchsvolle Krimileser. Nebenbei werden gesellschaftliche Konventionen hinterfragt und der Leser hat genug Gelegenheit, die eigenen Moralvorstellungen zu überprüfen.

Ohne zu viel zu verraten, geht es in dem Krimi um Rache, einen unerfüllten Babywunsch einerseits und um Kindersegen andererseits und wie oft in Leons Arbeiten um Korruption und die Verschiebung von ethischen Grenzen. Commissario Brunetti ist schon bald auf der Spur eines Babyhändlerrings und mit Indiskretionen, Mauscheleien und illegalen Absprachen von Apothekern und Ärzten konfrontiert, die Existenzen zerstören.

Hörspiele

  • Blutige Steine. Zürich, Diogenes 2006, ISBN: 978-3257800135
  • Nobilta. Zürich, Diogenes 2003: ISBN: 978-3899402735
  • Mein Venedig. Zürich, Diogenes 2005, ISBN: 978-3257800029
  • Venezianische Scharade. München, DHV 2004
  • Venezianisches Finale. München, audio media verlag 2007, ISBN: 978-3939606499
  • Drei Hörspiele - Venezianische Scharade / Vendetta / Nobilta. München, DHV 2007, ISBN: 978-3867171076.
  • Endstation Venedig. Schwäbisch Hall, Steinbach Sprechende Bücher 2003, ISBN: 978-3886986248

Sekundärliteratur

  • Holtmann, Katharina: Auf den Spuren von Donna Leons Romanen - Krimi-Schauplätze in Venedig. Verlag: Books & Friends 2006. ISBN-10: 3981099613; ISBN-13: 978-3981099614

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