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Machiavelli, Niccolò

Niccolò Machiavelli (geb. 3. Mai 1469 in Florenz; gest. 22. Juni 1527 ebd.) war ein italienischer Schriftsteller, Staatsphilosoph und Politiker. Sein Hauptwerk ist "Il Principe" (1532, dt. "Der Fürst", 1804), ein Traktat? zur Fürstenerziehung.

Leben und Schreiben

Niccolò Machiavelli - (c) gemeinfrei

Niccolò Machiavelli wurde am 3. Mai 1469 in Florenz in eine verarmte Patrizierfamilie hineingeboren. Durch die Bibliothek seines Vaters, eines Anwalts, eignete er sich eine humanistische Bildung an. Schon früh zeigte sich seine große politische Begabung. Ihr und seinem gewandten Auftreten verdankte Machiavelli den Zugang zu maßgeblichen Regierungskreisen der florentinischen Republik. 1498 wurde er Sekretär in der Zweiten Staatskanzlei.

Wenig später avancierte Machiavelli zum Kanzler des "Rates der Zehn" (eigentl. "Zehn von Frieden und Freiheit"). Damit war er für militärische und auswärtige Angelegenheiten zuständig und löste dann auch mit großem Geschick zahlreiche diplomatische Fälle. Im Jahr 1506 schuf er in Florenz eine Bürgerwehr und ordnete dafür eine allgemeine Wehrpflicht an.

1512 wendete sich das Blatt. Die vertriebenen Medici, die als Stadtherren Florenz beherrscht hatten, kehrten zurück, Machiavelli wurde abgesetzt und wenig später aufgrund einer Verschwörung schuldlos eingekerkert und gefoltert. 1513 zog er sich mit seiner Frau und den sechs Kindern auf sein kleines Gut San Casciano südlich von Florenz zurück. Hier entstanden im folgenden Jahrzehnt die meisten seiner Schriften, zuerst "Der Fürst" (1513), das 1532 gedruckt wurde.

Von 1513 bis 1517 schrieb Machiavelli an den "Discorsi sopra la prima deca di Tito Livio" (dt. "Abhandlungen über die ersten zehn Bücher des Titus Livius", kurz auch "Gedanken über Politik und Staatsführung"). In diesem Hauptwerk legt er seine Ansichten über Politik und Kriegführung dar und greift dabei auf das Beispiel des antiken Rom und auf die Geschichtsschreibung des Titus Livius zurück. Er verfasste jedoch nicht nur politische und militärische Abhandlungen, sondern auch Belletristik?. Sein Lustspiel? "La Mandragola" (1518-1529, dt.: "Die Springwurzel") gilt als das originellste der Renaissance? und wird heute noch aufgeführt.

Ab dem Jahr 1519 wurde Machiavelli, der sich um seine Rehabilitation bemühte, aus dem von den Medici dominierten Florenz wieder mit Aufgaben betraut, allerdings waren sie zumeist unpolitisch. So wurde ihm etwa aufgetragen, den Bau der Stadtmauer zu organisieren. 1521 wurde er wieder als Bürger von Florenz aufgenommen. 1531 schrieb Machiavelli im Auftrag der Medici die Geschichte seiner Heimatstadt, "Historie fiorentine" (dt. "Historien von Florenz", 1788).

Nach der erneuten Vertreibung der Medici 1527 machte er sich wieder Hoffnungen auf eine Sekretariatsstelle, wurde jedoch mit großer Mehrheit abgelehnt. Nach Ansicht der Biographen? trug diese Enttäuschung zu seinem Ende bei. Niccolò Machiavelli starb am 21. Juni 1527. Er ist in der Kirche Santa Croce in Florenz begraben. 300 Jahre nach seinem Tod brachte ein britischer Bewunderer folgende Worte an seinem Grab an: "Tanto nomini nullum par elogium" — "Solchem Namen ist kein Lobesspruch ebenbürtig".

"Der Fürst" (1513)

An seinem bekanntesten Werk "Der Fürst" schrieb Niccolò Machiavelli etwa ein Jahr lang, nachdem er sich auf sein Gut hatte zurückziehen müssen. Aus Florenz verbannt, fühlte er sich zur politischen Wirkungslosigkeit verdammt. So entwarf er eine Staatstheorie, eine Anleitung zur erfolgreichen politischen Regentschaft. Dabei verarbeitete er seine eigenen Erfahrungen und Erkenntnisse aus der florentinischen Politik.

Das Buch "Der Fürst" gehört zur Gattung der Fürstenspiegel?. Das sind Schriften, in denen Prinzipien für das Handeln eines Fürsten aufgestellt werden, entweder als Lebensbeschreibung eines konkreten Herrschers oder aber als Anleitung in Gestalt eines Pflichten- und Tugendkatalogs. Fürstenspiegel sind seit der Antike bekannt. Die Gattung blühte jedoch besonders zur Zeit Machiavellis. So hat etwa auch dessen Zeitgenosse Erasmus von Rotterdam? unter dem Titel "Die Erziehung eines christlichen Fürsten" (1616) einen Fürstenspiegel verfasst.

Das Christentum nun spielt in Machiavellis Fürstenspiegel gerade keine Rolle. Zumindest nicht als absolut gesetzte Wertequelle. Wertvoll ist für Machiavelli ausschließlich das, was dem Erhalt und der Einheit des Staates nutzt. Diesem obersten Ziel muss alles Handeln, ja alle Überzeugung untergeordnet sein. Folgerichtig setzt der Italiener an die Stelle gängiger christlicher oder humanistischer Tugendideale die Fähigkeit, politische Macht zu erringen und zu erhalten. Ja, er geht so weit, Verhaltensweisen wie etwa das Lügen, den Verrat oder die Erbarmungslosigkeit zu billigen - wenn denn ein Notstand ("necessità") dies erfordert und wenn der Fürst sie einsetzt, um den Staat zu erhalten. Keinesfalls jedoch darf der Herrscher auf diese Weise eigennützige Interessen verfolgen.

Machiavellis Staatsphilosophie erklärt sich aus seinem Menschenbild. Nach ihm ist der Mensch nicht insgesamt edel und gut, wie die Humanisten behauptet haben. Er ist aber auch nicht von vornherein des anderen Menschen Wolf, wie Thomas Hobbes? formuliert hat. Für Machiavelli ist der Mensch vor allem eins: wankelmütig. Jeder verfolgt seine eigenen Interessen und vergisst schnell, was er anderen zu verdanken hat. Deshalb braucht es eine starke politische Ordnung, um die Menschen voreinander zu schützen. Und es braucht einen starken Fürsten, der den Bestand der politischen Ordnung garantiert. Auf der Grundlage dieser Ordnung kann überhaupt erst Moral gedeihen, und sie wiederum bringt die Sittlichkeit und in deren Folge die Tugend hervor. Tugend steht für Machiavelli also nicht am Anfang, sondern am Ende des Prozesses. Sie ist nicht Bedingung, sondern Ergebnis eines funktionierenden Gemeinwesens.

Um sein Ziel zu erreichen, sollte ein Fürst vor allem danach streben, von seinen Untertanen gefürchtet zu werden. Zwar sei es auch wünschenswert, geliebt zu werden, sagt der italienische Staatsphilosoph. Doch beides vertrage sich nicht miteinander, und Ersteres sei nun mal sicherer. Keinesfalls hat Machiavelli damit der Tyrannenherrschaft das Wort geredet. Seine ideale Staatsform ist die Republik, denn deren Vertreter, so sagt er, handeln mehr im Sinne des Gemeinwohls als aus Eigennutz. Die Fürstenherrschaft sieht er nur als Zwischenstadium auf dem Weg zur Republik.

Doch auch deren Bestand ist nach Machiavelli nicht von Dauer. So wie ein Fürst notwendig ist, um anarchische Zustände zu beenden, so wird die Republik ihrerseits eines Tages wieder in Anarchie versinken - weil Korruption und die Durchsetzung von Eigeninteressen zuerst die Institutionen und dann auch die individuelle Sittlichkeit untergraben werden. Schließlich muss ein neuer Fürst sich an die Spitze schwingen und die Anarchie wieder beenden. Es zeigt sich: Machiavellis Geschichtsbild, wie er es in den "Discorsi" entfaltet, ist zyklisch.

"Der Fürst" wurde bis ins 18. Jahrhundert hinein als Erziehungswerk für junge Herrscher genutzt. Jesuitische und protestantische Kreise kritisierten das Buch zwar als theoretische Rechtfertigung für die Tyrannenherrschaft. Seither wird als "Machiavellismus" eine Politik bezeichnet, die ihre Interessen ohne Rücksicht auf moralische Bedenken durchsetzt. Friedrich der Große etwa schrieb einen "Antimachiavell", den Voltaire 1740 herausbrachte. Viele Denker der Aufklärung begriffen "Il Principe" jedoch als notwendige und vernünftige Grundlegung der Staatsraison, also eines Orientierungs- und Handlungsprinzips, das die Erhaltung des Staates zum entscheidenden politischen Ziel hat. Nicht zuletzt beflügelten Machiavellis Gedanken zur Einheit des Staates, die vor dem zeitgeschichtlichen Hintergrund des zersplitterten Italien zu sehen sind, die nationalistischen Revolutionäre in Frankreich um 1789.

Übrigens ...

beschrieb der Italiener Pasquale Villari, einer der ersten Biographen Machiavellis, den Floreninter folgendermaßen: "(…) von mittlerer Größe, mager, mit sehr lebhaften Augen, einen etwas kleinen Kopf, einer leicht gebogenen Nase, einem stets zusammengepressten Mund: Alles hatte bei ihm den Eindruck eines sehr gewandten Beobachters und eines Denkers, doch nicht eines achtungsgebietenden und auf andere einwirkenden Mannes. Er konnte sich nicht leicht von seinem Sarkasmus frei machen, der immerfort um seine Lippen spielte, aus seinen Augen sprühte und ihm den Anschein eines berechnenden und nüchternen Kopfes gab." Allerdings lebte Villari im 19. Jahrhundert, er beschrieb Machiavelli also auch nicht aus direkter Anschauung.

Werke (Auswahl)

  • Bücher von Niccolò Machiavelli bei Jokers
  • Der Fürst, Insel Verlag, Frankfurt am Main 2009, ISBN: 978-3458344728
  • Discorsi. Staat und Politik, Insel Verlag, Frankfurt am Main 2009, ISBN: 978-3458342519
  • Discorsi: Gedanken über Politik und Staatsführung. Mit einem Geleitwort von Herfried Münkler. Alfred Kröner Verlag, Stuttgart, 3. Aufl. 2007, ISBN: 978-3520377036
  • La Mandragola, Insel Verlag, Leipzig 1962
  • Gesammelte Werke in einem Band, hg. v. Alexander Ulfig, Verlag Zweitausendeins, Frankfurt am Main 2006, ISBN: 978-3861507741

Sekundärliteratur

  • Münkler, Herfried: Machiavelli: Die Begründung des politischen Denkens der Neuzeit aus der Krise der Republik Florenz, Fischer Tb Verlag, Frankfurt am Main, 2. Aufl. 2004, ISBN: 978-3596161782
  • Schmid, Carlo: Machiavelli, S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 1956
  • Schroeder, Peter: Niccolò Machiavelli, Campus Verlag, Frankfurt am Main, 2004, ISBN: 978-3593375717
  • Skinner, Quentin: Machivaelli zur Einführung, Junius Verlag, Hamburg, 5. Aufl. 2008, ISBN: 978-3885063506

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