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Neue Frankfurter Schule

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Die Neue Frankfurter Schule ist eine Gruppe von Schriftstellern und Künstlern, die in den 1960er und 1970er Jahren aus den Redaktionen der Satirezeitschriften „Pardon“ und „Titanic“ hervorging. Die bekanntesten Vertreter sind Robert Gernhardt, Eckhard Henscheid?, Max Goldt? und Thomas Gsella?.

Definition

Als Neue Frankfurter Schule (NFS) bezeichnet man eine Gruppe von Schriftstellern, Zeichnern, Satirikern und Karikaturisten, die in den 1960er und 1970er Jahren aus den Redaktionen der Satirezeitschriften „Pardon“ (1962-1982) und „Titanic“ (gegründet 1979) hervorging. Den Namen Neue Frankfurter Schule gab sich die Gruppe jedoch erst zu Beginn der 1980er Jahre – in Anlehnung an die Frankfurter Schule, die sich unter Federführung der Philosophen Max Horkheimer? und Theodor W. Adorno in den 1920er und 1930er Jahren am Frankfurter Institut für Sozialforschung etabliert hatte.

Der Bezug zur Frankfurter Schule ist bewusst zweideutig. Einerseits kann man ihn satirisch verstehen, denn wörtliche oder verfremdete Zitate von Adorno und anderen bedeutenden Philosophen spielten in der literarischen Praxis der Neuen Frankfurter Schule eine wichtige Rolle, z. B. Robert Gernhardts Humoresken? „Es gibt kein richtiges Leben im valschen“ (1987). Es gibt jedoch auch ernsthafte Verbindungen, denn sowohl Horkheimer? und Adorno als auch zahlreiche Mitglieder der Neuen Frankfurter Schule sahen die Kulturkritik? im Zentrum ihres Schaffens.

Nonsens und kritischer Scharfblick

Zu den charakteristischen Stilelementen der Neuen Frankfurter Schule gehört das Spiel mit der Sprache, die Verbindung von Literatur, Comic, Cartoon? und Film, der Verfremdungseffekt?, das Nebeneinander von Tiefsinn und Blödelei, von Nonsens und kritischem Scharfblick. Vorherrschende Gattungen sind Erzählung, Lyrik und Bildgeschichte?. Die meisten Texte stehen in einem ironischen?, satirischen und parodistischen Kontext: Keine literarische Tradition ist heilig, kein Name zu groß, um nicht mit den Mitteln des Humors? der Lächerlichkeit preisgegeben zu werden. Auch die kunstvolle Selbstparodie gehört zum Repertoire der Neuen Frankfurter Schule.

Die wichtigsten Vertreter der Neuen Frankfurter Schule sind Robert Gernhardt („Wörtersee“, 1981; „Die Blusen des Böhmen“, 1997), Eckhard Henscheid? („Trilogie des laufenden Schwachsinns“, 1973-1978; „Dummdeutsch“, 1995), F.W. Bernstein? („Der Zeichner als – Sehr interessante Zeichnungen“, 1978), Bernd Eilert? („Ecila aus dem Wunderland“, 1980; „Notwehr auf Italienisch“, 1981) und Chlodwig Poth? („Tanz auf dem Vulkan. 24 Bildergeschichten“, 1984).

Entstehung

Als Keimzelle der Neuen Frankfurter Schule gilt die Satirezeitschrift „Pardon“, die 1962 in Frankfurt gegründet wurde. Zu Höchstzeiten erreichte das Magazin eine Auflage? von 320.000 und wurde zur größten Satirezeitschrift Europas. Markenzeichen war die ungewöhnliche, nicht selten provokante Mischung aus Politik und Sex, Enthüllungsjournalismus und Satire. Zu den damals noch unbekannten „Pardon“-Mitarbeitern gehörten Robert Gernhardt, F.W. Bernstein?, Hans Traxler, Chlodwig Poth? und viele andere.

Zahlreiche Mitarbeiter verließen Ende der 1970er Jahre die „Pardon“-Redaktion und gründeten das Konkurrenzheft „Titanic – Das endgültige Satiremagazin“, das seit 1979 erscheint und eine Auflage? von rund 100.000 (2010) erreicht. Im Umfeld der „Titanic“-Redaktion haben die meisten Autoren der Neuen Frankfurter Schule bis heute ihre künstlerische Heimat. Einige NFS-Mitglieder sind übrigens seit den 1970er Jahren an Kino- und TV-Filmen des Komikers Otto Waalkes beteiligt.

Entwicklung

Beflügelt von der Aufbruchstimmung der späten 1960er Jahre entwickelte die Neue Frankfurter Schule einen literarischen Stil, der sich aufgrund seiner Frische, Aufmüpfigkeit und Komik scharf vom vorherrschenden Geschmack der damaligen Zeit abgrenzte. Als literarhistorische Vorbilder gelten Wilhelm Busch, Christian Morgenstern, Joachim Ringelnatz, Kurt Tucholsky, Erich Kästner und Karl Valentin?, die mit Spott und Esprit ihr Publikum begeistert hatten.

Ein Novum war, dass die Autoren der Neuen Frankfurter Schule sich auch in der Theorie mit dem Wesen der Komik befassten. Meist geschah das in geistreichen Essays oder pointierten Sentenzen? – doch auch hier behält, trotz aller gedanklichen Schärfe, die Komik meist die Oberhand, und der Leser weiß man nie ganz genau, was mit vollem Ernst geschrieben ist und wo die Ironie durch die Zeilen? schillert. Das Uneindeutige, die unaufhörliche Suche des Lesers nach Sinn und Nonsens in den Werken? – das macht die Neue Frankfurter Schule zu einem Glücksfall der deutschen Gegenwartsliteratur.

3000 Jahre Untergang des Abendlandes

Eine ganze Reihe von Schriftstellern und Zeichnern aus dem Umfeld der „Titanic“-Redaktion kann inzwischen zur zweiten Generation der Neuen Frankfurter Schule gerechnet werden. Zu nennen sind vor allem Max Goldt? („Ein Buch namens Zimbo“, 2009), Gerhard Henschel? („Menetekel. 3000 Jahre Untergang des Abendlandes“, 2010) und Thomas Gsella? („Reiner Schönheit Glanz und Licht - Ihre Stadt! im Schmähgedicht“, 2011).

Im Jahr 2006 erwarb die Stadt Frankfurt am Main rund 7.000 Originalzeichnungen von F.W. Bernstein?, Robert Gernhardt, Hans Traxler und Chlodwig Poth? für ein Museum für Komische Kunst. Es wurde im Oktober 2008 als eigenständige Abteilung des Historischen Museums im Leinwandhaus in Frankfurt eröffnet.

Literatur

  • Die Neue Frankfurter Schule bei Jokers
  • Bücher von Robert Gernhardt bei Jokers
  • Bücher von Hans Traxler bei Jokers
  • Bücher von Max Goldt bei Jokers
  • Bücher von Thomas Gsella bei Jokers
  • Bücher von Chlodwig Poth bei Jokers
  • Bücher von F. W. Bernstein bei Jokers
  • Bücher von Eckhard Henscheid bei Jokers
  • Bücher von Bernd Eilert bei Jokers
  • Gernhardt, Robert: Reim und Zeit. Reclam Verlag, Ditzingen 2009, ISBN: 978-3150186190
  • Goldt, Max: Ein Buch namens Zimbo. Rowohlt Verlag, Berlin 2009, ISBN: 978-3871346651
  • Gsella, Thomas: Reiner Schönheit Glanz und Licht. Ihre Stadt – im Schmähgedicht. Eichborn Verlag, Frankfurt am Main 2011, ISBN: 978-3821860879

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