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Nooteboom, Cees

Cees Nooteboom (geb. 31. Juli 1933 in Den Haag) ist ein niederländischer Schriftsteller und Journalist?. Er gilt als einer der bedeutendsten Repräsentanten der niederländischen Nachkriegsliteratur.

Leben und Schreiben

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Cees (eigentlich Cornelis Johannes Jacobus Maria) Nooteboom wurde am 31. Juli 1933 in Den Haag geboren. Er besuchte zunächst eine katholische Klosterschule, die er jedoch noch vor dem Abschluss verließ, weil er eigenen Angaben zufolge dorthin nicht gepasst habe. Eine erste Anstellung fand er 1950 bei einer Bank in Hilversum. Außerdem lebte er von verschiedenen Gelegenheitsarbeiten.

Inspiriert von einer Reise quer durch Europa, begann Nooteboom 1953 mit dem Schreiben. Am Beginn seiner schriftstellerischen Karriere steht der Roman „Philip en de anderen“ (1955; dt. Philip und die anderen), der 1958 unter dem Titel „Das Paradies ist nebenan“ in Deutschland veröffentlicht wurde. In dem Roman, der 1957 in den Niederlanden mit dem bedeutenden Anne-Frank-Preis? ausgezeichnet wurde, geht es um einen jungen Mann, der quer durch Europa trampt – immer auf der Suche nach einem chinesischen Mädchen, der Frau seiner Träume. In Deutschland gelangte Nootebooms Debüt? erst 2003 durch die Neuübersetzung von Helga van Beuningen? zu Bekanntheit.

Cees Nooteboom lebt in Amsterdam und auf Menorca/Spanien.

Reiseberichte

Es folgten der Erzählband „De verliefde gevangene“ (1958; dt. Der verliebte Gefangene. Tropische Erzählungen) und der Roman „De ridder is gestorven“ (1963; dt. Der Ritter ist gestorben). Daneben trat Nooteboom auch als Lyriker an die Öffentlichkeit, zunächst mit konventioneller Gemütslyrik, später auch mit der formvollendeten Behandlung existentieller Lebenserfahrungen. Zu seinen bekanntesten Gedichtbänden gehören „De doden zoeken een huis“ (1956) „Gemaakte gedichten“ (1970) „Water, aarde, vuur, lucht“ (1991) und „Zo kon het zijn“ (1999).

Nootebooms journalistische? Laufbahn begann bei der Zeitung? „Het Parool“, für die er ab 1956 tätig war. Später schrieb er für die niederländischen Zeitschriften? „Elsevier“ und „Avenue“ sowie für die Tageszeitung? „De Volkskrant“. Er berichtete 1956 über den Volksaufstand in Ungarn, 1963 über den SED-Parteitag in der DDR und 1968 über die Studentenunruhen in Paris. Für seinen 1990 erschienenen Sammelband? „Berlijnse notities“ (dt. Berliner Notizen), in dem er die während seiner Berlinbesuche 1961, 1963 und 1989/90 entstandenen Essays zusammengefasst hat, wurde er 1991 mit dem ersten Literaturpreis zum 3. Oktober? gewürdigt.

Nootebooms Reiseberichte zeichnen sich vor allem dadurch aus, dass sie keine tagesaktuellen journalistischen Reportagen? im konventionellen Sinne sind, sondern sensible und stark ich-bezogene Reflexionen über Menschen, Landschaften, Geschichte und Architektur. Nootebooms gesammelte Reiseberichte? liegen in mehreren Bänden? vor. Seine Romane, die ihn in den 1980er Jahren weltberühmt machten, sind ohne sein Leben als Weltenbummler und die daraus hervorgegangenen Reiseberichte nicht denkbar. Diese Reportagen bilden gewissermaßen eine Vorstufe zu seinem literarischen Schaffen.

„Rituelen“ (1980)

Im Jahr 1980 legte Nooteboom den philosophischen? Roman „Rituelen“ (dt. Rituale) vor. Darin geht es um Inni Wintrop, einen vierzigjährigen Mann, der durch sein Horoskop dazu veranlasst wird, einen Selbstmordversuch zu begehen. Doch der Strick reißt, Inni stolpert in sein beschädigtes Leben zurück – und wie er dann durch die Straßen von Amsterdam spaziert, kommt er aus dem Staunen nicht mehr heraus. Denn er sieht die Menschen und die Stadt plötzlich mit ganz anderen, ganz neuen Augen an. Mit dem Roman „Rituelen“, der 1989 von Herbert Curiel verfilmt wurde, gelang Nooteboom international der Durchbruch als Schriftsteller. Es folgten die Romane „Een lied van schijn en wezen“ (1981; dt. Ein Lied von Schein und Sein) und „In Nederland“ (1984; dt. In den niederländischen Bergen) sowie die Erzählung „Mosukei! een liefdesverhaal“ (1982; dt. Mokusei! Eine Liebesgeschichte).

Für seinen 1991 veröffentlichten Roman „Het volgende verhaal“ (dt. Die folgende Geschichte) bekam Nooteboom hervorragende Kritiken – vor allem in Deutschland, wo der Kritiker Marcel Reich-Ranicki wahre Lobeshymnen anstimmte und in den folgenden Jahren eine große Nooteboom-Fan-Gemeinde entstand. Im Zentrum der Handlung steht der Altphilologe? Hermann Mussert, der eigentlich zwischen den Buchdeckeln? seiner griechischen und lateinischen Autoren eine recht beschauliche Heimat gefunden hat. Doch plötzlich geschieht etwas, was niemand für möglich gehalten hätte – am wenigsten Hermann Mussert selbst. In seinem Leben tritt eine gewaltige Änderung ein: Statt in Amsterdam erwacht er eines Morgens in einem vertraut-unvertrauten Zimmer in Lissabon. Wie die meisten von Nootebooms Romanfiguren muss auch Hermann Mussert feststellen, dass die Reise das Ziel ist und dass wirkliches Glück nur in der Bewegung und ständigen Veränderung zu finden ist. 1992 erschien das Spanien-Reisebuch „De omweg naar Santiago“ (dt. Umweg nach Santiago), in dem er vom großen Pilgerweg berichtet, der vom spanischen Norden nach Santiago de Compostela führt.

„Allerseelen“ (1998)

Über Nootebooms Berlin-Roman „Allerzielen“ (1998; dt. Allerseelen) schrieb des „Handelsblatt“, dass das Buch vollkommen illusionslos geschrieben sei. Lakonisch und mit einfachen stilistischen Mitteln erzählt Nooteboom in „Allerzielen“ die Geschichte von Arthur Daane – einem Niederländer, der in das winterliche Berlin kommt. Mit einer Filmkamera streift er durch die verschneite Stadt. Und immer sind dabei seine Frau und sein kleiner Sohn anwesend, die er vor zehn Jahren bei einem Flugzeugunglück verloren hat. Diese ungewöhnliche Figurenkonstellation? veranlasste einen Rezensenten zu dem Urteil, dass in „Allerzielen“ die Zeit und die Distanz zwischen den Lebenden und den Toten aufgehoben sei.

"Tumbas - Gräber von Dichtern und Denkern" (2006)

Es geht uns allen so: Wir können uns mit Dichtern? und Denkern auch dann noch unterhalten, wenn sie schon gestorben sind. Denn: Ihre Gedanken sind ewig. Und in ihren Büchern können wir sie aufsuchen. Eine andere Methode hat Cees Nooteboom in "Tumbas" verwirklicht: Der große Reisende und Wanderer in den Welten der Literatur hat die Toten besucht, wo er sie finden konnte: Keats und Shelley auf dem "Friedhof der Fremden" in Rom, wo auch Goethes Sohn und die Söhne Wilhelm von Humboldts? liegen, Thomas Mann, James Joyce und Elias Canetti? in Zürich, Balzac, Proust und Nerval auf dem Pariser Pere Lachaise, Brecht und Hegel auf einem kleinen Friedhof im Osten Berlins ...

Das Buch hat 135 Bildtafeln, davon 19 in Farbe und lässt uns an Nootebooms persönlichem Verhältnis zu den Toten teilhaben. Sie gehören zu seinem Leben, wie er schreibt, "weil sie dieses Leben auf die unterschiedlichste Weise und in den unterschiedlichsten Augenblicken begleitet haben..." Uns so hören wir lesend, wie er Zwiesprache mit seinen Freunden hält.

Neben den Bildern von Gräbern stehen Nootebooms Erinnerungen oder ein Text des Verstorbenen oder ein kleiner Essay. Immer sind es Inspirationen und ungewöhnliche Annäherungen an die verstorbenen Geister. Wer will, kann in den Porträts und Gräbern Nootebooms persönliche Literaturgeschichte lesen. Darüber hinaus sind sie natürlich auch Reflexionen? über Tod, Ruhm und Nachruhm. Und dies lebendig und vielfältig, humorvoll und unerschrocken.

„Rebell mit den Waffen der Poesie“

Im Jahr 2003 begann der Suhrkamp Verlag mit der Edition von Nootebooms gesammelten Werken?. Die Ausgabe ist vorläufig auf acht Bände? angelegt und enthält Lyrik, Romane, Erzählungen sowie Reportagen?. 2004 wurde Nooteboom mit dem Österreichischen Staatspreis? gewürdigt. Der Laudator Rüdiger Safranski? bezeichnete Nooteboom als "Rebell mit den Waffen der Poesie".

Unter dem Titel „Roter Regen. Leichte Geschichten“ veröffentlichte Nooteboom 2007 einen Band? mit Erzählungen. Dieter Hildebrandt?, der den Band? in der Wochenzeitung? „Die Zeit“ rezensierte, war vor allem von den feinen und grotesk-komischen? Reminiszenzen auf vertraute Orte, Freundschaften und die Jugend des Autors fasziniert.

Cees Nooteboom ist ein Kosmopolit und hat sein Leben auf mehrere Länder wie Sprachen verteilt. Vor allem in Deutschland erreichte sein Werk? durch Förderung Marcel Reich-Ranickis in den 1980er und 1990er Jahren große Erfolge, während er in den Niederlanden auf mehr Distanz stieß.

Übrigens ...

hat Nooteboom für seinen Roman „In Nederland“ Andersens? Märchen von der Schneekönigin adaptiert.

Früher war Cees Nooteboom ein Anhänger der Europäischen Union, doch wurde er in den letzten Jahren skeptischer. "Es ist, als ob ein neuer Krieg ausgebrochen sei, ein Krieg gegen den Süden. Das könnte gefährlich werden." So äußerte er sich zur Eurokrise.

Auszeichnungen

Werke (Auswahl)

  • Bücher von Cees Nooteboom bei Jokers
  • Philip und die anderen. EA 1955. Frankfurt am Main, Suhrkamp Verlag 2005, ISBN: 978-3518456613
  • Der verliebte Gefangene. Tropische Erzählungen. EA 1958. Frankfurt am Main, Suhrkamp Verlag 2007, ISBN: 978-3518459232
  • Rituale. EA 1980. Frankfurt am Main, Suhrkamp Verlag 2004, ISBN: 978-3518389461
  • Berliner Notizen. EA 1990. Frankfurt am Main, Suhrkamp Verlag 1991, ISBN: 978-3518116395
  • Die folgende Geschichte. EA 1991. Frankfurt am Main, Suhrkamp Verlag 2004, ISBN: 978-3518456163
  • Der Umweg nach Santiago. EA 1992. Frankfurt am Main, Suhrkamp Verlag 1992, ISBN: 978-3518390535
  • Allerseelen. EA 1998. Frankfurt am Main, Suhrkamp Verlag 2000, ISBN: 978-3518396636
  • Paradies verloren. EA 2004
  • Roter Regen. EA 2007. Frankfurt am Main, Suhrkamp Verlag 2007, ISBN: 978-3518419267
  • Nachts kommen die Füchse. Ausgewählte Erzählungen. EA 2009
  • Schiffstagebuch. Ein Buch von fernen Reisen. Mit Fotos von Simone Sassen. Suhrkamp Verlag, Berlin 2011, ISBN 978-3518422274
  • Licht überall. Gedichte. Aus dem Niederländischen von Ard Posthuma, Berlin 2013, ISBN 9783518423912

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