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Ossowski, Leonie

Leonie Ossowski (geb. 15. August 1925 in Röhrsdorf/Schlesien) ist eine deutsche Schriftstellerin. Sie schreibt Romane, Erzählungen, Theaterstücke und Drehbücher.

Leben und Schreiben

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Leonie Ossowski wurde am 15. August 1925 als Jolanthe von Brandenstein in Röhrsdorf/Schlesien geboren. Ihr Vater Lothar von Brandenstein war Landwirt und Gutsbesitzer. Man sagt, das Gut, auf dem sie aufwuchs, sei mehr als 700 Jahre alt gewesen. Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges musste die Familie das Gut verlassen. Sie floh zunächst nach Thüringen, später ging sie nach Oberschwaben. Nach dem Krieg war Leonie Ossowski unter anderem als Fotolaborantin, Fabrikarbeiterin und Sprechstundenhilfe tätig.

Neben ihren verschiedenen Brotberufen verfasste sie Kurzgeschichten und Erzählungen. Von Zeit zu Zeit gelang es ihr, einige dieser Geschichten an Zeitungen und Zeitschriften zu verkaufen. Die Einnahmen reichten jedoch nicht aus, um davon den Lebensunterhalt zu bestreiten.

„Stern ohne Himmel“ (1956)

Zu Beginn der 1950er Jahre erhielt Leonie Ossowski durch Vermittlung ihrer Schwester, die in der DDR eine neue Heimat gefunden hatte, von der DEFA zwei Drehbuchaufträge.

Aus dem einen Skript? ging der Spielfilm „Zwei Mütter“ (DDR 1957, Regie: Frank Beyer) hervor. In dem Film geht es um eine französische Fremdarbeiterin und eine Deutsche, die kurz vor Ende des Krieges in einem Krankenhaus ihre Kinder zur Welt bringen. Bei einem alliierten Fliegerangriff wird das Kind der deutschen Mutter getötet. Doch diese hält das Kind der Französin für das ihre und nimmt es zu sich. Es gibt nur eine einzige Zeugin für diese Verwechslung. Erst vier Jahre nach Kriegsende bricht sie ihr Schweigen. Leonie Ossowski verfasste das Drehbuch zu „Zwei Mütter“ unter dem Pseudonym Jo Tiedemann.

Das andere Skript? erschien 1956 unter dem Titel „Stern ohne Himmel“ als Buch und avancierte sowohl in der DDR als auch in der Bundesrepublik zu einem Klassiker der Kinder- und Jugendliteratur. Der Roman spielt in den letzten Kriegstagen. Eine Clique von Kindern entdeckt in den Trümmern eines zerbombten Hauses ein paradiesisch anmutendes Lebensmittellager. Doch schnell stellt sich heraus, dass sie nicht die einzigen sind, die diesen kostbaren Fund gemacht haben. Auch Abiran, ein jüdischer Junge, dem die Flucht aus dem Konzentrationslager geglückt ist, hat das Lager entdeckt. Wie verhält sich die Clique? Werden sie Abiran denunzieren oder verstecken? 1979 wurde Leonie Ossowski für die überarbeitete Fassung? von „Stern ohne Himmel“ mit der Buxtehuder Bulle? geehrt.

„Weichselkirschen“ (1974)

Erst nach der Trennung von ihrem zweiten Mann machte Leonie Ossowski wieder als Schriftstellerin von sich reden. 1967 legte sie den Roman „Wer fürchtet sich vorm schwarzen Mann?“ vor, in dem ein junges Mädchen alle Kraft daran setzt, dem tristen und verhassten Leben im Kinderheim zu entfliehen.

1974 folgte der Roman „Weichselkirschen“, zu dessen Niederschrift Leonie Ossowski durch eine Reise an ihren heute in Polen gelegenen Geburtsort inspiriert wurde. „Weichselkirschen“ ist der erste Teil einer breit angelegten Schlesien-Trilogie?, die durch die Romane „Wolfsbeeren“ (1987) und „Holunderzeit“ (1991) komplettiert wird. In dieser autobiographisch gefärbten Trilogie? gelingt es der Autorin, ein spannendes und atmosphärisches Panorama von einer wechselvollen Epoche der deutschen Vergangenheit zu zeichnen. Der erzählerische Fokus liegt auf der Zeit zwischen 1918 und 1945. Das Bindeglied zwischen den drei Romanen ist die geschichtsträchtige schlesische Landschaft mit ihren Menschen. Das Feuilleton? bezeichnete die Autorin mit Blick auf ihre Schlesien-Trilogie? als scharfsinnige Augenzeugin und unbestechliche Chronistin? ihrer Zeit. Insbesondere „Weichselkirschen“ war ein großer Erfolg beim Publikum und wurde 1979 nach einem Drehbuch von Leonie Ossowski für das ZDF verfilmt?.

„Die große Flatter“ (1977)

Ebenfalls ein großer Erfolg beim Publikum war der Roman „Die große Flatter“ (1977), für den die Autorin mit dem Jugendbuchpreis der Stadt Oldenburg? ausgezeichnet wurde. In den Roman, der als Vorlage für einen mehrteiligen ARD-Fernsehfilm diente, sind viele Erfahrungen eingeflossen, die Leonie Ossowski während ihrer Tätigkeit als ehrenamtliche Sozialarbeiterin gesammelt hat. Die Handlung spielt im Mannheimer Obdachlosenmilieu. Schocker und Richy, die beiden Protagonisten, leben in einer verwanzten Baracke und haben nur eins im Sinn: Sie wollen weg, raus, ganz wo anders hin, eben die große Flatter machen. Ihr Alltag besteht aus Gewalt, Alkohol und Ärger mit „Freunden“ und Familie. Doch der Versuch misslingt – und alles wird noch viel schlimmer, als es ohnehin schon war. Am Ende wartet das Gefängnis.

Leonie Ossowski erzählt die Geschichte dieser beiden jugendlichen Außenseiter ohne Sentimentalität und mit viel Liebe zum ernüchternden Detail. Wie die meisten ihrer sozialkritischen Romane und Erzählungen besticht auch „Die große Flatter“ durch gelungene Milieuschilderungen. Für das Drehbuch wurde die Autorin 1980 mit dem Adolf-Grimme-Preis in Silber ausgezeichnet.

„Herrn Rudolfs Vermächtnis“ (1997)

Es folgten der Erzählband „Blumen für Margritte“ (1978), der Jugendroman „Wilhelm Meisters Abschied“ (1982) und das Theaterstück „Voll auf der Rolle“ (1984). In Letzterem warnt Leonie Ossowski vor Ausländerfeindlichkeit und den Verführungskünsten nationalistischer Rattenfänger. „Voll auf der Rolle“ wurde im April 1984 im Berliner Grips-Theater uraufgeführt. Auch in diesem Theaterstück zeigt es sich, dass Leonie Ossowskis Talent vor allem darin liegt, einen politisch-brisanten Stoff in eine spannende Geschichte zu verpacken.

In den Romanen „Herrn Rudolfs Vermächtnis“ (1997) und „Das Dienerzimmer“ (1999) kehrt die Autorin noch einmal nach Schlesien und Ostpreußen zurück. Die „Schwäbische Zeitung“ bezeichnete den Roman „Herrn Rudolfs Vermächtnis“ als ein meisterliches Spätwerk und als Leonie Ossowskis gelungenstes Buch. Es geht darin um sechs Waisenkinder, die im bitterkalten Kriegswinter 1944 auf der Flucht durch Ostpreußen sind. Die Ausweglosigkeit der Situation lässt sie auch gegeneinander ums Überleben kämpfen. Als sie sich nach Jahrzehnten wieder treffen, kommen auch die alten Erinnerungen wieder hoch …

„Espenlaub“ (2003)

2003 legte Leonie Ossowski im Piper Verlag? den Roman „Espenlaub“ vor. Der „Südkurier“ bezeichnete das Buch als einen spannenden und gekonnt komponierten Roman über große Gefühle. Eigentlich scheint alles klar zu sein: Da sind zunächst Billi und Lorenz, sie sind einander versprochen und planen ihre Hochzeit. Nichts steht einem gemeinsamen Glück im Wege. Doch da tritt Ariel, ein jüdischer Puppenspieler, dem die glänzenden dunklen Locken bis tief in die Stirn hängen, in Billis Leben. Und Ariel reißt nicht nur sein Publikum zu Beifallsstürmen hin, sondern er bezaubert auch Billi, die von seinem heiteren und tänzelnden Wesen fasziniert ist. Als Lorenz und Ariel einander begegnen, bricht der blanke Hass aus Lorenz heraus. Er ahnt dumpf, dass der unbändige Hass, den er gegenüber dem Juden Ariel empfindet und vor dem er selbst erschreckt, gleichsam eine dunkle Vorgeschichte in den Annalen seiner Familie hat. Lorenz’ Mutter bricht das Schweigen – und vor dem Leser rollt eine spannende Familiengeschichte ab, in der der jüdische Maler Hans Weißberg eine ebenso bedeutende wie tragische Rolle spielt …

Im Oktober 2006 wurde Leonie Ossowski für ihr Engagement für die deutsch-polnische Verständigung mit der Hermann-Kesten-Medaille? des PEN-Zentrums? ausgezeichnet.

Leonie Ossowski war dreimal verheiratet und hat sieben Kinder. Sie lebt seit 1980 in Berlin.

Übrigens ...

ist Leonie Ossowski in der Sozial- und Jugendarbeit engagiert. Sie war unter anderem als ehrenamtliche Bewährungshelferin tätig. Außerdem hat sie ein gemeinnütziges Wohnkollektiv für aus der Haft entlassene Jugendliche („Die Kippe e. V.“) mitbegründet. Ihre Erfahrungen in der Sozialarbeit hat Ossowski auch literarisch dokumentiert. So veröffentlichte sie unter anderem das Hörspiel „Autoknacker“ (1970) und das Theaterstück „Mitschuldig“ (1973).

Auszeichnungen

Werke (Auswahl)

  • Bücher von Leonie Ossowski bei Jokers
  • Stern ohne Himmel. EA 1956. Weinheim, Beltz Verlag 2006, ISBN: 978-3407789853
  • Weichselkirschen. EA 1974. München, Piper Verlag 2005, ISBN: 978-3492210270
  • Die große Flatter. EA 1977. Weinheim, Beltz Verlag 1992, ISBN: 978-3407808110
  • Wilhelm Meisters Abschied. EA 1982. Weinheim, Beltz Verlag 1997, ISBN: 978-3407787668
  • Wolfsbeeren. EA 1987. Berlin, Ullstein Verlag 2002, ISBN: 978-3548254296
  • Holunderzeit. EA 1991. Berlin, Ullstein Verlag 2002, ISBN: 978-3548252889
  • Die Maklerin. EA 1994. Berlin, Ullstein Verlag 2004, ISBN: 978-3548258140
  • Das Dienerzimmer. EA 1999. Berlin, Ullstein Verlag 2001, ISBN: 978-3548251356
  • Die schöne Gegenwart. EA 2001. München, Piper Verlag 2002, ISBN: 978-3492237314
  • Espenlaub. EA 2003. München, Piper Verlag 2005, ISBN: 978-3492243155
  • Der einarmige Engel. EA 2004

Hörbucher

Sekundärliteratur

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