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Postmoderne Literatur

Die Postmoderne ist eine literarische und philosophische Strömung im 20. Jahrhundert. Zu ihren wichtigsten Vertretern gehören Peter Handke und Botho Strauß?.

Definition

Als Postmoderne (lat. post = nach) bezeichnet man eine literarische Strömung in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Die Postmoderne verfügte über kein Programm, es gab auch keine Schulen oder Gruppen, in denen sich postmodern nennende Autoren zueinander fanden. Die Gemeinsamkeit lag hauptsächlich in dem Gefühl, dass das Leben des Menschen im 20. Jahrhundert einen universellen Sinnverlust erlitten habe. Die Postmoderne war gewissermaßen der Versuch, mit den begrenzten und fragwürdig gewordenen Mitteln der Literatur auf diese Sinnkrise zu reagieren.

Zu den bekanntesten Autoren, die der postmodernen Literatur zugerechnet werden, gehören Peter Handke („Die Angst der Tormanns beim Elfmeter“, 1970), Botho Strauß? („Paare, Passanten“, 1981), Wolfgang Hildesheimer? („Marbot“, 1981), Thomas Pynchon („Die Enden der Parabel“, 1973) und Jorge Semprun? („Die große Reise“, 1963). In den facettenreichen Werken? geht es oft um Erfahrungen und Phänomene, die von der vorangegangenen Epoche der Moderne? negativ bewertet wurden, wie zum Beispiel Trivialität, Spontaneität, Formlosigkeit, Pluralismus, Erschöpfung oder Beliebigkeit. Man sieht: Postmoderne ist ohne Moderne? nicht denkbar, und erst durch die permanente Bezugnahme erhält die Postmoderne ihre historische Bedeutung.

In der Literatur- und Kulturtheorie ist der Begriff bis heute eher unverbindlich geblieben, und nicht selten wird er widersprüchlich und inflationär benutzt. Von einer klaren Definition ist man weit entfernt.

Entstehung

Die Geschichte des Begriffs reicht zurück bis ins Jahr 1917: Damals sprach der Schriftsteller und Philosoph Rudolf Pannwitz? erstmals vom „postmodernen Menschen“ - womit er sich auf kulturpessimistische Diagnosen Friedrich Nietzsches bezog. Im gleichen Jahr veröffentlichte Pannwitz? sein Buch „Die Krisis der europäischen Kultur“ (1917), das ihn bekannt machte. Das Buch enthält tiefgreifende Reflexionen über die Moderne? sowie scharfsinnige Spekulationen über das, was auf sie folgen könnte.

In den 1930er Jahren tauchte der Begriff in Lateinamerika auf, in den 1940er Jahren in den USA. Beide Male im Bereich der Literaturtheorie, um eine neue Entwicklung in der zeitgenössischen Literatur zu benennen. Auffallenderweise war der Terminus zunächst negativ besetzt: Er diente hauptsächlich dazu, um einen Qualitätsverlust in Literatur und Kunst zu kennzeichnen. Die gegenwärtige Literatur imitiere nur noch die Formen der Vergangenheit, so lautete der Vorwurf. Bis heute haftet dem Terminus diese negative Geschmacksnote an.

Entwicklung

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Die amerikanischen Literaturtheoretiker? Susan Sontag und Leslie Fiedler? griffen den Begriff in den späten 1960er Jahren erneut auf. Ihrem Versuch, den Terminus zu einem selbstbewussten, aggressiven Kampfbegriff der jungen Literaten und Künstler zu machen, war jedoch nur geringer Erfolg beschieden. Allerdings schwappte die Bezeichnung nun wieder nach Lateinamerika und Europa zurück, wo sie auf fruchtbaren Boden fiel. Literaten und Künstler versuchten, die ästhetische und intellektuelle Kluft zwischen Elite- und Massenkultur zu schließen.

Wirklich durchgesetzt hat sich die Bezeichnung allerdings nur in der Architektur, wo sie in kurzer Zeit zu einem anerkannten Epochenbegriff wurde. In der Architektur lebte die Postmoderne vor allem vom Zitat: Sie griff historische Elemente auf und fügte sie in parodistischer Absicht neu zusammen. Von hier aus führt ein Weg zurück in die Literatur: Zitat, Parodie, Ironie?, das schlitzohrige Spiel mit Kitsch und Klischee kennzeichnen auch die literarischen Werke? Peter Handkes und anderer Autoren dieser Jahre.

Peter Handke - ein zorniger Aufklärer

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Als beispielhaft für die postmoderne Schreibweise gelten Handkes Sprechstücke „Der Jasager und der Neinsager“ (1966), „Publikumsbeschimpfung“ (1966) und „Die Angst der Tormanns beim Elfmeter“ (1970). Handke spielt in diesen Stücken mit Klischees, allerdings nicht in komödiantenhafter Absicht, sondern als zorniger und geistreicher Aufklärer: Er zeigt, wie Zitate, Phrasen?, feststehende Begriffe das Leben und den Alltag der Menschen bestimmen und zum unkritischen Klischeedenken verführen.

Zu nennen ist aber auch Botho Strauß? mit seinem Theaterstück „Groß und klein“ (1978) sowie dem Skizzen- und Reportagenband? „Paare, Passanten“ (1981), in denen er um Reizwörter kreist wie Konsum, Medien, Information und Vernetzung. Dabei analysiert Strauß? das Denken, Reden und Verhalten seiner Figuren. Lesenwert ist zudem sein Roman „Der junge Mann“ (1984), in dem Strauß? die Geschichte des 22-jährigen Leon Pracht erzählt - allerdings nicht chronologisch, sondern als lockere Abfolge höchst assoziativer Erlebnissituationen.

Postmoderne - wohl kein Epochenbegriff

In der jüngsten Literaturtheorie spielt der Begriff Postmoderne keine bedeutende Rolle mehr. Als Epochenbegriff wird er sich in der Literatur wohl nicht durchsetzen. Im Gegensatz dazu ist der Terminus in der zeitgenössischen Philosophie äußerst lebendig - und umkämpft. Der französische Philosoph und Literaturtheoretiker? Jean-François Lyotard? (1924-1998) gilt als bekanntester Theoretiker der Postmoderne.

Literatur

Sekundärliteratur


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