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Pynchon, Thomas

Thomas Pynchon (geb. 8. Mai 1937 in Glen Cove/New York) ist ein amerikanischer Schriftsteller. Bereits mit seinem Debütroman? „V.“ (1963) gelangte er zu Weltruhm.

Leben und Schreiben

Am 8. Mai 1937 in Glen Cove/New York geboren, wuchs Thomas Ruggles Pynchon in Norwich auf. Sein Vater war zunächst als Beamter in der Stadtverwaltung von Oyster Bay tätig und wechselte später als Angestellter in ein Industrieunternehmen. Bis 1953 besuchte Thomas Pynchon die Oyster Bay High School, danach studierte er Physik an der Cornell University. Von 1955 bis 1957 unterbrach er das Studium, um seinen Militärdienst bei der Marine abzuleisten. Anschließend studierte er in Cornell am College of Arts and Sciences Englische Philologie, wo er unter anderem an Seminaren von Vladimir Nabokov? teilnahm. 1959 schloss Pynchon das Studium mit einem akademischen Grad ab.

„Slow Learner – Spätzünder“ (1984)

Seine berufliche Laufbahn begann Thomas Pynchon als technischer Redakteur? bei der Firmenzeitung von Boeing Aircraft in Seattle. Daneben veröffentlichte er eine Reihe von Short Storys, die in der amerikanischen Literaturszene viel Beachtung fanden und 1984 gesammelt unter dem Titel „Slow Learner – Spätzünder“ veröffentlicht wurden. 1962 verließ Pynchon den Flugzeughersteller und zog sich vor der Öffentlichkeit zurück, um in Ruhe an seinem ersten Roman arbeiten zu können.

„V.“ (1963)

Bereits im folgenden Jahr legte Thomas Pynchon unter dem Titel „V.“ (1963; dt. 1968) seinen Debütroman? vor, der ihm fast über Nacht den Ruf als eines der verheißungsvollsten Talente der amerikanischen Gegenwartsliteratur einbrachte. Sein Erstling?, der von der Literaturkritik in der literarhistorischen Tradition des pikaresken Romans gesehen wird, besteht aus sechzehn Kapiteln und einem Epilog?. Die beiden Protagonisten, Benny Profane und Herbert Stencil, sind zwei vollkommen gegensätzliche Charaktere: Profane wird seinen Lebtag lang einfach nur dahin getrieben und ist den Zufällen des Schicksals ausgeliefert, Stencil dagegen ist manischer Ordnungsfetischist und will die Welt in ein paranoides Wahnsystem zwingen. Der Roman führt den Leser an die Schauplätze zahlreicher historischer Krisen- und Umbruchssituationen (z. B. Faschoda-Krise , Erster Weltkrieg), aber auch in das Milieu der zügellos-orgiastischen New Yorker Boheme der 1950er Jahre.

Der Roman stellt die für die Literatur der Postmoderne zentrale Frage: Was ist der Mensch eigentlich, ein Chaos- oder ein Ordnungstier? Und über welche Möglichkeiten verfügt er überhaupt, um seine eigene Existenz und ihre Bedingungen und Perspektiven zu erkennen und zu reflektieren? Mit diesen Fragen lässt Pynchon den Leser alleine. Auch der Epilog?, der zunächst einen Sinn zwischen den gegensätzlichen Positionen zu stiften scheint, entlässt den Leser schließlich in eine beklemmende existentielle Leere. 1963 wurde Thomas Pynchon mit dem William Faulkner Award für den besten Erstlingsroman? ausgezeichnet.

Ist er’s oder ist er’s nicht?

Was Pynchon zu einem der gefragtesten Autoren? der internationalen Literaturszene machte, ist neben der außergewöhnlichen Qualität und gedanklichen Tiefe seiner Romane? die spezielle Art, in der er mit dem Interesse der Medien umgeht. Das bedeutet in Pynchons Fall: Wie er mit den Medien Verstecken spielt. Sein Aussehen und sein Aufenthaltsort waren über Jahrzehnte unbekannt. Das letzte Foto, das an die Öffentlichkeit gelangte, stammt aus dem Jahr 1953 und zeigt Pynchon in Matrosenuniform. Bis heute ist jedoch fraglich, ob es sich bei der abgelichteten Person wirklich um Pynchon handelt.

Dem Vernehmen nach sollen sich bei Pynchons Verlag in den USA bisher sieben Personen gemeldet haben, die sich selbst auf dem berühmten Foto wieder erkannt haben. Erst 1997 brach Thomas Pynchon sein Schweigen und gab einem Reporter des Nachrichtensenders CNN ein Interview. Das war’s dann aber auch schon – ansonsten keine weiteren Interviews, keine weiteren Fotos.

„Die Enden der Parabel“ (1973)

Pynchons folgende Romane „The Crying of Lot 49“ (1966; dt. Die Versteigerung von No. 49, 1973) und „Gravity’s Rainbow“ (1973; dt. Die Enden der Parabel, 1981) sind thematische? Variationen von „V.“. Der Roman „Die Enden der Parabel“ gilt als eines der epochalen Werke in der Literatur des 20. Jahrhunderts und wird von den Kritikern häufig mit James Joyce’ „Ulysses“ (1922) verglichen. Der Roman sprengt die Formen konventionellen Erzählens: Die enzyklopädische Fülle der historischen, soziologischen, medizinischen, volkswirtschaftlichen und wissenschaftlichen Anspielungen und Exkurse ist immens und nicht zu entwirren, allein auf dem Gebiet der Literatur und Kultur reicht sie von Rossini, Beethoven und Wagner über Hemingway, Rilke und die Brüder Grimm bis hin zu Dracula, King Kong und Wizard of Oz.

Einen französischen Kritiker veranlasste das zu der – wohl feuilletonistisch-witzig gemeinten – Einschätzung, dass Pynchons Roman „Die Enden der Parabel“ neben Adolf Hitlers Bekenntnisbuch „Mein Kampf“ (1925) wahrscheinlich das einzige Buch auf der Welt sei, das niemals ein Leser zu Ende gelesen habe – falls doch, dann nur Wahnsinnige oder Fachgelehrte.

„Gegen den Tag“ (2006)

Nach den Romanen „Vineland“ (1990; dt. 1993) und „Mason & Dixon“ (1997; dt. Mason und Dixon, 1999) legte Thomas Pynchon sein jüngstes Werk „Against the Day“ (2006; dt. Gegen den Tag, 2008) vor. Das Feuilleton? spendete frenetischen Beifall.

Thomas Pynchon lebt in Manhattan und hat mindestens einen Sohn. Von seinem Sohn existiert in der Öffentlichkeit nur ein Foto – in Matrosenuniform.

Übrigens ...

hat Thomas Pynchon berühmte Vorfahren: William Pynchon zählte 1630 zu den Gründern der Kolonie Massachusetts.

Auszeichnungen

Werke (Auswahl)

  • Bücher von Thomas Pynchon bei Jokers
  • V. EA 1963. Reinbek, Rowohlt Verlag 1994, ISBN: 978-3499137303
  • Die Versteigerung von No. 49. EA 1966. Reinbek, Rowohlt Verlag 2004, ISBN: 978-3499135507
  • Die Enden der Parabel. EA 1973. Reinbek, Rowohlt Verlag 2003, ISBN: 978-3499135149
  • Spätzünder. Frühe Erzählungen. EA 1984. Reinbek, Rowohlt Verlag 1994, ISBN: 978-3499134814
  • Vineland. EA 1990. Reinbek, Rowohlt Verlag 1995, ISBN: 978-3499136283
  • Mason und Dixon. EA 1997. Reinbek, Rowohlt Verlag 2001, ISBN: 978-3499229077
  • Gegen den Tag. EA 2006. Reinbek, Rowohlt Verlag 2008, ISBN: 978-3498053062

Hörbücher

  • Scheck, Denis: Thomas Pynchon – Eine Rasterfahndung. CD. Hamburg, Hörbuch Hamburg 2000, ISBN: 978-3934120655

Sekundärliteratur

  • Schieweg, Larissa: Die Bürde der Geschichte. Der Untergang des Baedekerlandes im Werk von Thomas Pynchon. Münster, Lit-Verlag 2006, ISBN: 978-3825881757

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