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Regionalkrimi

Regionalkrimis verknüpfen eine spannende Handlung mit Lokalkolorit sowie mit atmosphärischen Besonderheiten einer Region. Zu den bekanntesten Vertreten des Genres gehören Friedrich Ani, Horst Bosetzky? und Alfred Komarek?.

Definition

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Der Regionalkrimi ist eng mit einer bestimmten Stadt oder Landschaft verknüpft, die den Geschichten unverwechselbare Atmosphäre und Lokalkolorit verleihen. Er gehört zum Genre des Kriminalromans und erfreut sich im deutschsprachigen Raum seit den späten 1980er Jahren wachsender Beliebtheit. Seine Anfänge liegen in den 1920er Jahren (siehe weiter unten im Überblick: Adolf Sommerfeld?). In Deutschland, Österreich und der Schweiz gibt es mittlerweile etliche Autoren, die sich auf das Schreiben von Regiokrimis spezialisiert haben.

Der Regionalkrimi wendet sich hauptsächlich an Leser, die eine spannende Story mit einer ihnen vertrauten Örtlichkeit verbunden sehen wollen. Viele Regiokrimis kreisen daher nicht nur um die Aufklärung eines Verbrechens, sondern auch um historische, topographische und kulturgeschichtliche Besonderheiten einer Region. Der Wiedererkennungswert der beschriebenen Orte ist in den meisten Romanen sehr hoch und gehört im Grunde zum Erfolgsrezept des Genres.

Foto: angieconscious/Pixelio.de

Keine Region ohne Krimi?

Die Verlage kommen der Geneigtheit der Leser zum regional gefärbten Lesevergnügen seit den späten 1990er Jahren in wachsendem Maß entgegen und nehmen vermehrt Regionalkrimis ins Programm. Den Anfang machten kleine und mittlere Verlage, die großen Verlagshäuser folgten – wenn überhaupt – erst nach einigem Zögern. Mittlerweile ist aus den Regiokrimis eine literarische Modeerscheinung geworden – ein Trend, der durch geschicktes Marketing noch weiter angeheizt wird.

Inzwischen gibt es Eifel-Krimis, Schwaben-Krimis, Berlin-Krimis, Friesen-Krimis, Alster-Krimis, Wien-Krimis, Alpen-Krimis und noch viel mehr – kaum eine Region, die nicht als Stimmungshintergrund für eine Kriminalgeschichte dient. Ein großer deutscher Verlag soll sogar mit dem Gedanken gespielt haben, die Romane Dostojewskis als Petersburg-Krimis sowie die Romane Kafkas als Prag-Krimis auf den Markt zu bringen.

Zwischen Bodensee und Petersburg

Die Masse der Regionalkrimis wird von der Literaturkritik kaum beachtet oder von vornherein als Literatur minderen Ranges abgetan. Die Literaturwissenschaft hingegen hat das Verhältnis von Literatur und Region schon des Öfteren untersucht. Ausgangspunkt solcher Untersuchungen war zumeist die Frage, inwieweit ein bestimmter Autor beim Schreiben von seiner Anwesenheit in einer bestimmten Stadt oder Landschaft abhängig ist.

Von Autoren wie Martin Walser (Bodensee), Erich Kästner (Berlin), Franz Kafka (Prag) oder Fjodor Dostojewski (Petersburg) weiß man, dass ihre literarische Schöpferkraft eng mit den unwägbaren atmosphärischen Eigenheiten einer Stadt oder Landschaft verknüpft ist. Der Regionalkrimi hat dieses Verhältnis nun gewissermaßen umgekehrt: Denn er stellt vor allem die stimmungsmäßige und landschaftliche Geneigtheit des Lesers in den Mittelpunkt – nicht die des Autors.

Überblick

  • Friedrich Ani feiert mit seinen Kriminalromanen um den Münchner Hauptkommissar Tabor Süden große Erfolge. Bereits der Auftakt-Band der Reihe „Süden und das Gelöbnis des gefallenen Engels“ (2001) schaffte den Sprung auf die Bestellerlisten?. Den wortkargen Helden umweht zumeist ein Hauch feiner Melancholie.
  • Jacques Berndorf wurde mit seinen Eifel-Krimis bekannt. Sein erster Eifel-Krimi erschien 1989 unter dem Titel „Eifel-Blues“. Hauptfigur ist der Journalist Siggi Baumeister, um ihn gruppiert sich ein buntes Figurenensemble.
  • Horst Bosetzkys? Kriminalromane sind zumeist in seiner Heimatstadt Berlin angesiedelt. Oberkommissar Mannhardt nimmt darin häufig die Rolle des Ermittlers ein. Aus Rücksicht auf seine berufliche Position an einer Hochschule nutzte Bosetzky? das Pseudonym -ky.
  • Horst Eckert? sorgt mit seinen Niederrhein-Krimis für Aufsehen. Sein dritter Krimi „Aufgeputscht“ (1997) wurde mit dem renommierten Marlowe-Preis? ausgezeichnet. Viel Lob gab es auch für die beiden Romane „Königsallee“ (2007) und „Sprengkraft“ (2009) sowie für den Sammelband „Niederrhein-Blues und andere Geschichten“ (2010).
  • Der Schweizer Autor Friedrich Glauser gelangte mit seinen Romanen um den Berner Wachtmeister Studer zu herausragender literarischer Bedeutung. Mit wenigen Worten gelingt es ihm, soziale Phänomene zu erfassen, unterschiedlichste Menschentypen zu porträtieren und das alles in eine spannende Kriminalgeschichte zu verpacken. Am bekanntesten sind „Wachtmeister Studer“ (1936) und „Die Fieberkurve“ (1938).
  • Volker Klüpfel und Michael Kobr sind das Autorenduo der Kriminalromanreihe rund um den Allgäuer Kommissar Kluftinger. Ihr Debüt? „Milchgeld“ wurde 2003 überraschend zu einem großen Erfolg: Über 200.000 Mal verkaufte sich die Geschichte rund um den urigen Kommissar Kluftinger aus Altusried, der auch privat einige unterhaltsame Schlachten auszufechten hat.
  • Alfred Komareks? Krimis um den Gendarmerieinspektor Simon Polt spielen überwiegend in einem niederösterreichischen Weinbauerndorf. Ironisch und mit schlichten Bildern erzählt Komarek? seine Geschichten. Für seinen ersten Krimi „Polt muss weinen“ (1998) erhielt er den renommierten Friedrich-Glauser-Preis?.
  • Adolf Sommerfeld? feierte in den 1920er Jahren mit seiner mehrbändigen Krimi-Reihe „Aus dem dunkelsten Berlin“ erstaunliche Erfolge beim Publikum. Seine stimmungsvoll und unterhaltsam geschriebenen Bücher tragen Titel wie „Im Schieberparadies“ (1923), „Der Verbrecher-Kavalier“ (1923) oder „Das Ghetto von Berlin. Kriminalroman aus dem Scheunenviertel“ (um 1925). Einige seiner Romane wurden in den 1990er Jahren neu aufgelegt?.
  • Der tschechische Schriftsteller Miloš Urban? führt den Leser in die Gassen und Winkel seiner Heimatstadt Prag. Sein erfolgreichster Roman ist „Mord in der Josefstadt“, der 2010 auch auf Deutsch erschienen ist. Aufgrund seiner ausgetüftelten Erzählweise wird Urban? häufig mit Umberto Eco verglichen.

Weitere Autoren von Regionalkrimis sind u. a. Nicola Förg?, Jörg Maurer?, Birgit Lautenbach?, Petra Hammesfahr, Eva Rossmann und Roger Graf?.

Literatur

  • Das Genre Regionalkrimi bei Jokers
  • Ani, Friedrich: Süden und das grüne Haar des Todes. Knaur Verlag, München 2005, ISBN: 978-3426623862
  • Berndorf, Jacques: Mond über der Eifel. Kbv-Verlag, Hillesheim 2008, ISBN: 978-3940077226
  • Bosetzky, Horst: Die Bestie vom Schlesischen Bahnhof. Dokumentarischer Roman aus den 20er Jahren. Dtv, München 2005, ISBN: 978-3423208321
  • Eckert, Horst: Sprengkraft. Grafif Verlag, Dortmund 2011, ISBN: 978-3894253806
  • Glauser, Friedrich: Wachtmeister Studer. Diogenes Verlag, Zürich 1989, ISBN-13: 978-3257217339
  • Klüpfel, Volker / Kobr, Michael: Milchgeld. Piper Verlag, München 2007, ISBN: 978-3492242165
  • Komarek, Alfred: Polt muss weinen. Diogenes Verlag, Zürich 2000, ISBN: 978-3257231298
  • Urban, Milos: Mord in der Josefstadt. Rowohlt Verlag, Berlin 2010, ISBN: 978-3871346750


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