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Roth, Philip

Philip Roth (geb. 19. März 1933 in Newark/New Jersey) ist ein amerikanischer Schriftsteller. Für sein literarisches Werk? wurde er mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Seit Jahren gilt er als Anwärter auf den Nobelpreis für Literatur.

Leben und Schreiben

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Philip Milton Roth wurde am 19. März 1933 in Newark/New Jersey als zweites Kind einer jüdischen Familie geboren. Seine Großeltern stammten aus Osteuropa. In New Jersey besuchte er die jüdische Weequahic High School. Im Anschluss studierte er Englische Literatur, zunächst in New Jersey und Lewisburg. Dann wechselte er an die Universität Chicago, wo er 1955 seinen Master of Arts machte. Nach seinem Militärdienst lehrte er Englische Literatur an den Universitäten von Chicago und Princeton.

Neben seiner akademischen Laufbahn war Roth seit Ende der 1950er Jahre als freier Schriftsteller tätig. Einige Kritiker bezeichnen Roth als den größten Romancier? der amerikanischen Gegenwartsliteratur. Bereits in seinem 1959 erschienenen Erstlingswerk? „Goodbye, Columbus!“ deuten sich die beiden charakteristischen Grundzüge seines literarischen Werkes? an: die detailversessene Beobachtung des Alltäglichen und Vertrauten sowie der Versuch, dieser vulgären Wirklichkeit mittels Ironie? und Satire zu entkommen.

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Viele seiner Romane und Erzählungen sind im wohlhabenden jüdischen Milieu der amerikanischen Mittelschicht angesiedelt. Bei den Protagonisten, die häufig mit autobiographischen Zügen ausgestattet sind, ruft dieses Milieu zumeist Gefühle der Beklemmung und des Unbehagens hervor. Die Folge sind soziale, intellektuelle und sexuelle Exzesse, in deren Verlauf es zum Bruch spezifisch-jüdischer Tabus kommt. Ein Literaturkritiker nannte als Obsessionen Roths das Schreiben, die jüdische Herkunft, das Sohnsein und die Sexualität.

"Goodbye, Columbus!" (1959)

Die Titel gebende Erzählung seines Erstlingswerkes? „Goodbye, Columbus!“ (1959) begründete Roths Ruhm als Schriftsteller. In der mit viel Ironie? und gesellschaftskritischer Absicht erzählten Geschichte geht es um Neil Klugman und Brenda Patimkin – zwei jüdische Studenten, die sich trotz tiefer gesellschaftlicher und religiöser Gegensätze ineinander verlieben. Doch ist ihre Beziehung nicht von Dauer. Am Ende sorgt ein Diaphragma – als Symbol für die Abkehr von traditionellen jüdischen Werten – für einen Eklat. Diese autobiographisch gefärbte Erzählung brachte Roth viel Kritik von orthodoxen Juden ein. Gleichzeitig fand sie aber auch das Lob fortschrittlicher Literaturkritiker. 1960 wurde „Goodbye, Columbus!“ mit dem National Book Award? ausgezeichnet.

"Portnoy’s Complaint" (1969)

Mit „Letting Go“ (dt. Anderer Leute Sorgen) legte Roth 1962 einen weiteren ironischen? Roman vor, der im Universitätsmilieu spielt. Darin geht es um das verwickelte Verhältnis zwischen intellektuellen Männern und Frauen.

Ein Intellektueller – und vor allem seine auf der Couch des Psychoanalytikers Dr. Spielvogel vorgetragene Lebensbeichte – steht auch im Mittelpunkt von Roths 1969 veröffentlichten Roman „Portnoy’s Complaint“ (dt. Portnoys Beschwerden). Der tragikomische Roman, der bei seinem Erscheinen für lebhafte Diskussionen sorgte und bis heute umstritten ist, gilt als ein frühes Meisterwerk? aus Roths Feder. Im Mittelpunkt der Ereignisse steht der 33-jährige jüdische Ich-Erzähler Alexander Portnoy, der eine Wehklage voll narzisstischen Selbstmitleids über seinen bisherigen Lebensweg erhebt.

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Auf der Couch des Psychoanalytikers schildert er seinen ungelösten Konflikt zwischen Rebellion und Schuld, zwischen hehrem Anspruch und vulgärer Wirklichkeit. Seit seiner Jugend verfügt Portnoy über ein bestimmtes Protestmittel, mit dem er sich gegen alle familiären, beruflichen und sozialen Zwänge stemmt: die immer wiederkehrenden sexuellen Obsessionen und Exzesse, die in dem Roman bis ins kleinste Detail geschildert werden. Nun aber, Portnoy weiß nicht wie und warum, versagt ihm sein Penis den Dienst: Impotenz. Als Ursache seiner Komplexe macht Portnoy die repressiven Einflüsse des jüdischen Familienlebens und seines übersteigerten Intellektualismus geltend. Der Stil des Romans, in dem sich ein großes Erzähltalent mit einer ebenso großen (scheinbaren oder tatsächlichen?) hämischen Absicht verbindet, gilt als brillant. Nach dem Erscheinen von „Portnoy's Complaint“ musste sich Roth gegen den Vorwurf des Antisemitismus verteidigen.

Zuckerman-Zyklus (1979-2007)

In einer aus den Bänden „The Ghost Writer“ (1979; dt. Der Ghost Writer), „Zuckerman Unbound“ (1981; dt. Zuckermans Befreiung), „The Anatomy Lesson“ (1983; dt. Die Anatomiestunde) und „Exit Ghost“ (2007, dt. Exit Ghost) bestehenden Roman-Tetralogie? sowie der Epilog?-Erzählung „The Prague Orgy“ (1985; dt. Die Prager Orgie) setzte Roth sein spezifisch-jüdisch akzentuiertes Thema der Identitätskrise fort – erweitert um die Themen Holocaust, politisches Exil und Verfolgung. Protagonist ist Nathan Zuckerman, jüdischer Schriftsteller und Alter Ego? des Autors. Roth schildert dessen wechselvollen Lebensweg – vom jugendlichen Literaturschwärmer über den gefeierten Erfolgsschriftsteller bis zu dem Tag, an dem die Schreibblockade kommt und das gesamte Leben in Frage gestellt wird. Der Zyklus?, dessen bis dahin erschienene Teile 1985 unter dem Titel „Zuckerman Bound“ (dt. Der gefesselte Zuckerman) als Gesamtausgabe? erschienen, ist reich an bunten Nebencharakteren. Von der konservativen amerikanischen Literaturkritik werden die Zuckerman-Romane bis heute wegen vermeintlichen pornographischen Darstellungen geächtet.

"Everyman" (2006)

In den 1990er-Jahren veröffentlichte Roth eine Reihe sehr erfolgreicher Romane wie „Deception“ (1990; dt. Täuschung), „Patrimony“ (1991; dt. Mein Leben als Sohn) und „Operation Shylock“ (1994), in denen er die Identitätsproblematik weiter variierte. Zudem ließ er unter dem Titel „I Married a Communist“ (1998; dt. Mein Mann, der Kommunist) eine literarische Abrechnung mit seiner Ex-Frau, der britischen Schauspielerin Claire Bloom?, erscheinen. Zuvor hatte Bloom? das Buch „Leaving A Doll’s House. A Memoir“ (1996) veröffentlicht, in dem sie Roth scharf attackierte. Während man in Europa die Eintönigkeit in Roths Themenwahl monierte, wurde er in den USA mit Literaturpreisen überhäuft. So erhielt er unter anderem die National Arts Club’s Medal of Honor for Literature? (1991), den National Book Critics’ Circle Award? (1992), den Faulkner Fiction Award? (1993) und den Pulitzer-Preis (1998). Seit Jahren gilt er als aussichtsreicher Kandidat für den Literaturnobelpreis.

Nach der Veröffentlichung des Romans „The Dying Animal“ (2001; dt. Das sterbende Tier), der von Marcel Reich-Ranicki in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ hymnisch gefeiert wurde, legte Roth 2006 den Roman „Everyman“ (dt. Jedermann) vor. Ausgehend von der Beerdigung des Protagonisten, erzählt Roth eine kuriose Lebensgeschichte. An deren Ende steht neben Krankheit, Einsamkeit und Angst vorm Sterben die – aus Roths Sicht allzumenschliche – Erkenntnis des Protagonisten, dass er das wahre Glück nie gefunden hat. Der Literaturkritiker Fritz J. Raddatz? sah darin eine tief verstörende Geschichte, deren elegischer? Ton an ein Gedicht in Prosa erinnere.

"Indignation" (2008)

Im Jahr 2008 erschien der Roman "Indignation" (dt. "Empörung", 2009). Der Protagonist, wäre er nicht mit 20 im Koreakrieg gefallen, wäre ähnlich alt wie die Greise in "Jedermann" und "Exit Ghost". Marcus Messner, jüdischer Metzgersohn aus Newark, hält seinen Monolog? aus dem Jenseits. Er blickt auf die letzten Monate seines kurzen Lebens zurück, beginnend mit seinem Eintritt ins College 1950. Messner erzählt von Schulstunden, einer verstörenden Begegnung mit einem jungen Mädchen und seinen Aufstiegsplänen - er möchte Rechtsanwalt werden. Angesichts einer Diskriminierung, die ihn empört, wird er zum Rebell wider Willen und als solcher schließlich in den Krieg geschickt ... So handelt letztlich auch dieser Roman Philip Roths, wie schon seine unmittelbaren Vorgänger, mehr vom Sterben als vom Sex.

"The Humbling" (2009)

Unter dem Titel "The Humbling" - "Die Demütigung" brachte Roth 2009 (dt. 2010) einen Roman um einen alternden Schauspieler heraus. Mit sechzig Jahren hat Simon Axler, einst einer der besten Theaterschauspieler, alles Selbstvertrauen verloren. Als ihn dann auch noch seine Frau verlässt, kehrt er der Bühne endgültig den Rücken. Ein Selbstmordversuch scheitert daran, dass er, auf dem Dachboden und den Lauf des Gewehrs schon im Mund, das schlecht Gespielte an dieser Szene durchschaut. Daraufhin geht er in die Psychiatrie. Wieder entlassen, beginnt er eine scheinbar unmögliche Beziehung mit der lesbischen Tochter eines Jugendfreundes. Die Vierzigjährige möchte einmal die Heterosexualität ausprobieren. Doch was zunächst für Axler wie ein belebender Trost aussieht, erweist sich als Flucht vor der Wirklichkeit ...

Seit 1973 lebt Philip Roth auf einer Farm nördlich von Connecticut und heute vorwiegend in New York. Im Jahr 2006 wurden bei einer Umfrage der „New York Times Book Review“ (21.5.2006) nach den besten Büchern der letzten 25 Jahre sechs Buchtitel von Philip Roth ausgewählt.

Übrigens ...

widerspricht Philip Roth einem weit verbreiteten Künstlerklischee, wonach Schreiben identisch mit Selbstfindung sei. Schreiben sei die Arbeit an einem Objekt.

Auszeichnungen

Werke (Auswahl)

  • Bücher von Philip Roth bei Jokers
  • Goodbye, Columbus! EA 1959. Rowohlt Verlag, Reinbek 2002, ISBN: 978-3499122101
  • Portnoys Beschwerden. EA 1969. Rowohlt Verlag, Reinbek 2004, ISBN: 978-3499117312
  • Der Ghost Writer. EA 1979. Rowohlt Verlag, Reinbek 2004, ISBN: 978-3499238628
  • Zuckermans Befreiung. EA 1981. Rowohlt Verlag, Reinbek 2005, ISBN: 978-3499239731
  • Die Anatomiestunde. EA 1983. Rowohlt Verlag, Reinbek 2004, ISBN: 978-3499236655
  • Die Prager Orgie. Ein Epilog. EA 1985. Rowohlt Verlag, Reinbek 2004, ISBN: 978-3499238468
  • Amerikanisches Idyll. EA 1997. Rowohlt Verlag, Reinbek 2000, ISBN: 978-3499224331
  • Der menschliche Makel. EA 2000. Rowohlt Verlag, Reinbek 2003, ISBN: 978-3499231650
  • Das sterbende Tier. EA 2001. Rowohlt Verlag, Reinbek 2004, ISBN: 978-3499236501
  • Verschwörung gegen Amerika. EA 2004. Rowohlt Verlag, Reinbek 2007, ISBN: 978-3499240874
  • Jedermann. EA 2006. Hanser Verlag, München 2006, ISBN: 978-3446208032
  • Exit Ghost. EA 2008. Hanser Verlag, München 2008, ISBN: 978-3446230019
  • Empörung. EA 2008. Hanser Verlag, München 2009, ISBN: 978-3446232785
  • Die Demütigung. EA 2009. Hanser Verlag, München 2010, ISBN: 978-3446234932

Hörspiele

  • Das sterbende Tier. 4 CDs. Dhv der Hörverlag, München 2003, ISBN: 978-3899401257
  • Der Menschliche Makel. 2 CDs. Dhv der Hörverlag, München 2003, ISBN: 978-3899401813
  • Jedermann. 4 CDs. Dhv der Hörverlag, München 2006, ISBN: 978-3899409291
  • Empörung. 5 CDs. Dhv der Hörverlag, München 2009, ISBN: 978-3867174114
  • Die Demütigung. CD. Dhv der Hörverlag, München 2010, ISBN: 978-3867175784

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