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Wilde, Oscar

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Oscar Wilde, eigentlich Oscar Fingal O'Flahertie Wills Wilde (geb. 16. Oktober 1854 in Dublin; gest, 30. November 1900 in Paris), war ein irischer Schriftsteller. Er gehört zu den umstrittensten Dichtern der frühen Moderne, wozu auch sein nach damaligen Begriffen anstößiger Lebenswandel beigetragen hat. Wilde hat geistreiche Gesellschaftkomödien und einen Roman, "Das Bildnis des Dorian Gray" (1890), geschrieben.

Leben und Schreiben

Oscar Wilde wurde am 16. Oktober 1854 als mittleres von drei Kindern in Dublin geboren. Sein Vater William war Arzt, er schrieb aber auch Bücher, etwa über Jonathan Swift?. Seine Mutter Jane war Übersetzerin und Verfasserin einer als "revolutionär" geltenden Lyrik. Sie unterhielt einen literarischen Salon?.

Nach der Grundschulzeit besuchte Wilde von 1871 bis 1874 das Trinity College in Dublin, reiste dann mit Freunden nach Norditalien und studierte schließlich mit einem Stipendium bis 1878 am Magdalena College in Oxford. Hier stieß er zur ästhetischen Bewegung "L'art pour l'art" und wurde ihr Vorreiter in England.

Ästhetizismus

Die aus Frankreich stammende Bewegung "L'art pour l'art" vertrat die Ansicht, dass Kunst um ihrer selbst willen existiere. Sie dürfe nicht von einen außerhalb von ihr liegenden Zweck instrumentalisiert werden. Vielmehr müsse die ästhetische Gestaltung des jeweiligen Werkes das Wichtigste sein. Wilde schloss sich dieser Auffassung an, die er durch seinen Oxforder Lehrer Walter Pater? kennengelernt hatte.

Er begeisterte sich jedoch gleichzeitig für den Schriftsteller, Kunsthistoriker und Sozialphilosophen John Ruskin?, der die Kunst der Moral, der Religion und dem sozialen Engagement verpflichtet sah und ein "Evangelium der Schönheit" propagierte, in welchem Kunst, Politik und Wirtschaft verschmelzen sollten.

Etablierung in London

Nach dem Ende seines Studiums reiste Wilde erneut auf den Kontinent, er besuchte Italien und Griechenland und verarbeitet die Eindrücke unter anderem in dem Gedicht "Ravenna", für das er im November 1878 mit dem Newdigate-Preis ausgezeichnet wurde. Im Folgejahr ließ er sich in London nieder und teilte sich zunächst für zwei Jahre ein Haus mit einem anderen Künstler.

Wilde als Kritiker

Schnell wurde Oscar Wilde zum Mittelpunkt des gesellschaftlichen und intellektuellen Lebens in London. Seinen Lebensunterhalt bestritt er zunächst vor allem mit Rezensionen, Vorträgen? und Essays. Als Kritiker und Ästhet behandelte er Neuerscheinungen? der Literatur ebenso wie Trends der Innendekoration, der Buchgestaltung und der Kochkunst.

Als Kritiker erhob Wilde die Authentizität des Rezensenten zum Prinzip - entgegen der viktorianischen Auffassung, wonach ein Kritiker seinen Gegenstand objektiv zu sehen habe: "Die höchste Form der Kritik besteht im Zeugnis der eigenen Seele. Der wahre Kritiker ist ungerecht, unaufrichtig und nicht rational." Zeigt sich schon in diesem Zitat Wildes Neigung, die Dinge provozierend zuzuspitzen, so gilt dies erst recht für den folgenden Ausspruch - einen von vielen, die Wilde als Aphoristiker berühmt gemacht haben: "Ich lebe in ständiger Furcht, nicht missverstanden zu werden."

Ehemann und Erfolgsautor

1884 heiratete Oscar Wilde Constance Lloyd und zog in den Stadtteil Chelsea. Durch seine Ehe war er finanziell besser gestellt und konnte sich mehr seinen schriftstellerischen Ambitionen widmen. Das Paar bekam zwei Söhne, Cyril (1885) und Vyvyan (1886). Von 1887 bis 1889 arbeitete Wilde für die "Pall Mall Gazette", anschließend gab er die Zeitschrift? Woman’s World heraus. Für diese Zeitschrift schrieb auch seine Frau, außerdem verfasste sie zwei Bücher mit Geschichten für Kinder.

Wilde schrieb für Kinder die Märchensammlung "Der glückliche Prinz und andere Märchen" (1888). 1891 brachte er seinen einzigen Roman heraus: "Das Bildnis des Dorian Gray" ist die Geschichte eines Mannes, der ewig jung und schön bleibt, während an seiner Stelle ein Porträt altert und zum Spiegel seiner immer verdorbeneren Seele wird. Im selben Jahr erschien das Bühnenstück "Salome", nach dem gleichnamigen biblischen Stoff, das Aubrey Beardsley 1893 mit als skandalös empfundenen Jugendstil-Illustrationen versah. Das Stück, das Wilde in französischer Sprache verfasste hatte, galt als anrüchig und wurde erst 1894 mit Sarah Bernhardt in Paris uraufgeführt.

Außerdem entstanden nun berühmte Gesellschaftkomödien wie "Lady Windermere's Fächer" (1892) und "The Importance of Being Earnest" (1894). Für Letztere entwarf Wilde während eines dreiwöchigen Sommeraufenthalt im Seebad Worthing das Konzept. Das fertige Stück hatte ursprünglich vier Akte, doch Wilde kürzte es dann auf Wunsch des Auftraggebers, des Intendanten vom Haymarket Theatre. Die Uraufführung am 14. Februar 1895 war sein letzter großer Erfolg, bevor vier Tage später der Absturz begann.

Skandal um die Homosexualität

Oscar Wildes Homosexualität war schon damals kein Geheimnis. Der Schriftsteller lebte relativ offen Beziehungen, hatte aber auch sexuelle Kontakte zu Strichjungen. Das kam zutage, als Wilde 1895 eine Verleumdungsklage gegen den Vater seines langjährigen Geliebten Lord Alfred Douglas einreichte. Der Vater hatte ihn am 18. Februar 1895 auf einer Visitenkarte als Homosexuellen bezeichnet.

Wilde verlor trotz seines wortgewandten Auftretens den Prozess, wurde anschließend selbst wegen Unzucht angeklagt und am 25. Mai 1895 zu zwei Jahren Zuchthaus und Zwangsarbeit verurteilt. Nach seiner Entlassung war er gesundheitlich, künstlerisch und gesellschaftlich ruiniert. Er ging nach Paris, wo er drei Jahre später, am 30. November 1900, an einer verschleppten Mitelohrentzündung starb. Unmittelbar vor seinem Tod trat er zum Katholizismus über.

Übrigens ...

... hat sich Oscar Wildes Frau nie von ihm scheiden lassen. Sie ging nach seiner Verurteilung mit den beiden Söhnen aus England fort und nahm den Mädchennamen ihrer Mutter, Holland, an. Constance Holland starb 1898. Cyril fiel 1915 an der Front. Vyvyan wurde Übersetzer und übertrug auch Werke seines Vaters in andere Sprachen. Sein 1945 geborener Sohn Merlin Holland ist der einzige Enkel von Oscar Wilde. Er veröffentlichte als Erster die vollständige Niederschrift des Prozesses gegen seinen Großvater.

Auszeichnungen (Auswahl)

Werke (Auswahl)

  • Bücher von Oscar Wilde bei Jokers
  • Zürcher Ausgabe - Werke in fünf Bänden. Haffmans Verlag, Zürich 1999
Gedichte
Erzählungen
  • Lord Arthur Saviles Verbrechen (OA: Lord Arthur Savile's Crime, 1887)
  • Das Gespenst der Cantervilles (OA: The Canterville Ghost, 1887)
  • Die Sphinx ohne Geheimnis (OA: The Sphinx without a Secret, 1887)
  • Der Millionär als Modell (OA: The Model Millionaire, 1887)
  • Der glückliche Prinz und andere Märchen (OA: The Happy Prince and Other Tales, 1888)
Roman
  • Das Bildnis des Dorian Gray (OA: The Picture of Dorian Gray, Roman, 1890 als Fortsetzungsroman, 1891 als Buch)
Bühnenstücke
  • Salome (OA: Salome, Urauff. 1894, Buchausg. 1891)
  • Lady Windermere's Fächer (OA: Lady Windermere's Fan, Urauff. 1892, Buchausg. 1893)
  • Eine Frau ohne Bedeutung (OA: A Woman of No Importance, Urauff. 1893, Buchausg. 1894)
  • Ein idealer Ehemann (OA: An Ideal Husband, Urauff. 1895, Buchausg. 1899)
  • Bunbury oder die Bedeutung, ernst zu sein (OA: The Importance of Being Earnest, Urauff. 1895, Buchausg. 1899)

Sekundärliteratur

  • Holland, Merlin: Das Oscar-Wilde Album. Verlag Karl Blessing, München 2003, ISBN: 978-3896672384
  • Holland, Merlin: Oscar Wilde im Kreuzverhör - Die erste vollständige Niederschrift des Queensberry-Prozesses. Verlag Karl Blessing, München 2003, ISBN: 978-3896672407

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