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Wohmann, Gabriele

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Gabriele Wohmann (geb. 21. Mai 1932 in Darmstadt) ist eine deutsche Schriftstellerin. Ihr umfangreiches Werk?, für das sie mit zahlreichen Literatur- und Ehrenpreisen ausgezeichnet wurde, umfasst neben Romanen und Erzählungen auch Theaterstücke, Gedichte, Hör- und Fernsehspiele?.

Leben und Schreiben

Gabriele Wohmann wurde als Gabriele Guyot am 21. Mai 1932 in Darmstadt geboren. Sie war das dritte von vier Kindern einer protestantischen Pastorenfamilie. Gabriele Wohmann besuchte das Nordseepädagogium auf der Insel Langeoog. Nach dem Abitur studierte sie von 1951 bis 1953 Philosophie, Germanistik?, Romanistik und Musikwissenschaften in Frankfurt am Main. Im Anschluss war sie als Lehrerin an ihrer ehemaligen Schule auf Langeoog tätig und gab Sprachunterricht an der Volkshochschule Darmstadt. 1953 heiratete sie den Germanisten? Reiner Wohmann.

Seit 1956 lebt Gabriele Wohmann als freie Schriftstellerin in Darmstadt. Ihr umfangreiches schriftstellerisches Werk?, für das sie mit zahlreichen Literatur- und Ehrenpreisen bedacht wurde, umfasst neben Romanen und Erzählungen auch Theaterstücke, Gedichte, Hör- und Fernsehspiele?. Sie wurde unter anderem mit dem Georg-Mackensen-Literaturpreis? (1965), dem Hessischen Kulturpreis (1988) und dem Großen Bundesverdienstkreuz (1998) ausgezeichnet. Sie ist Mitglied der Berliner Akademie der Künste?, des P.E.N.-Clubs? und der Akademie der Sprache und Dichtung? in Darmstadt.

Pathologie des Pärchenalltags

Mehr als 100 Werke zählen inzwischen zu Gabriele Wohmanns Œuvre. Diese hemmungslose Schreiblust – sie selbst charakterisierte sich einmal als manische Graphologin – trug der Autorin im Feuilleton? zahlreiche Beinamen ein: etwa als Juliette Gréco der Schreibmaschine.

Nicht die großen Ereignisse der Weltgeschichte, sondern die gewöhnlichen Schrecken des Alltags – das sind die Schreibthemen, denen sich Gabriele Wohmann laut eigener Aussage immer wieder annimmt. In erster Linie gilt ihr Augenmerk der Pathologie des Pärchenalltags, der Deformierung des Gefühlslebens und der Unfähigkeit zur Kommunikation. So kommt es, dass viele ihrer Hauptfiguren Liebespaare, Ehepaare, Geschwisterpaare, Eltern und Kinder sind. Meist entstammen sie dem Bildungsbürgertum – sie gehen ohne materielle Not durchs Leben, sind dafür jedoch mit einem ganzen Sack voll charakterlicher, seelischer und zwischenmenschlicher Probleme beladen.

„Sieg über die Dämmerung“ (1960)

Gabriele Wohmanns Frühwerk steht ganz im Zeichen einer unsentimentalen – manche Kritiker behaupten sogar: gehässigen und bösartigen – Satire. Bereits in ihrem frühen Erzählband „Sieg über die Dämmerung“ (1960) stellt sie ihr großes sprachliches und stilistisches Können unter Beweis. In einer knappen und präzisen Prosa, die lustvoll dem Drall ins Sarkastische nachgibt, schildert sie eine Reihe von Personen, die von privaten Problemen heimgesucht werden. Unter Verzicht auf Kommentare ist allein die kühle und distanzierte Beobachtung der Menschen und ihrer mitunter sehr absurden (oder menschlich-allzumenschlichen?) Verhaltensweisen von Interesse.

Von der Literaturkritik wurde Gabriele Wohmann nach der Veröffentlichung von „Sieg über die Dämmerung“ als das größte und giftigste satirische Temperament der Bundesrepublik gefeiert. Der Kritiker Marcel Reich-Ranicki bescheinigte ihr, dass es im gesamten deutschen Sprachraum nur sehr wenige Schriftsteller gebe, die die Autorin überträfen oder ihr gleichkämen. Ihre folgenden Publikationen unterstrichen diese erwartungsvolle Einschätzung: Sie schrieb unter anderem die Romane „Abschied für länger“ (1965) und „Paulinchen war allein zu Haus“ (1974) sowie die Erzählbände „Selbstverteidigung“ (1971) und „Gegenangriff“ (1972).

„Ernste Absicht“ (1970)

Ihren bislang bedeutendsten Roman veröffentlichte Gabriele Wohmann 1970 unter dem Titel „Ernste Absicht“. Darin erzählt sie die Geschichte einer Schriftstellerin, die sich während eines Krankenhausaufenthalts Klarheit über ihr Leben und das Verhältnis zu den Menschen in ihrer Umgebung verschaffen will. Der Roman, den Gabriele Wohmann während einer stilistischen Experimentierphase verfasste, ist nicht einfach zu lesen – doch wird der ausdauernde Leser mit einem packenden Lektüreabenteuer belohnt, das mitten in die Abgründe menschlicher Seelenängste führt. Das hervorstechende Merkmal des Romans sind die langen inneren Monologe?, in denen die Frau ihr Innenleben erkundet und die dabei gewonnenen Erkenntnisse immer wieder hinterfragt und in Zweifel zieht. Allein der Gedanke an den Tod bleibt bestehen und überschattet alle weiteren Gedankenspiele. Sollte das Leben wirklich nichts anderes sein als eine Krankheit zum Tode – wie Gabriele Wohmann in Anlehnung an Kierkegaard? formuliert? Der Roman „Ernste Absicht“ gilt als ein frühes Zeugnis für den Mitte der 1970er Jahre aufkommenden Trend der Neuen Subjektivität?. Gabriele Wohmann hat den Stoff zu dem Hörspiel „Kurerfolg“ (1970) und dem Fernsehspiel? „Entziehung“ (1974) umgearbeitet.

„Schönes Gehege“ (1975)

Der Roman „Schönes Gehege“ (1975) markiert einen Wandel im Werk? von Gabriele Wohmann. Im Mittelpunkt des Romans steht der Schriftsteller Plath, der gegen sein öffentliches Image rebelliert – unter Kollegen und Kritikern gilt er als abgebrühter und menschenverachtender Zyniker. Dieser Stereotype überdrüssig beschließt Plath, die schönen Seiten des Lebens und das tägliche Glück zu schildern. Ähnlich wie ihr Held schlägt Gabriele Wohmann in den nun folgenden Büchern versöhnlichere Töne an, wobei sie ihren traditionellen Schreibthemen wie Entfremdung, Isolation und Konflikt zwischen Individuum und Gesellschaft verbunden bleibt. Die Auseinandersetzung mit Alter, Tod und Behinderung erweitert jedoch den Themenkreis.

In den folgenden Jahren avancierte Gabriele Wohmann zu einer aufmerksamen Chronistin des menschlichen Miteinanders und der Privatsphäre in der Bundesrepublik. Was Wieland Freund? zu der Aussage veranlasste, dass Gabriele Wohmann mit ihren Büchern an der Mentalitätsgeschichte des bundesrepublikanischen Bildungsbürgeralltags schreibe. Die Romane „Das Glücksspiel“ (1981) und „Bitte nicht sterben“ (1993) sowie der Erzählband „Vielleicht versteht er alles“ (1997) sind eindrucksvolle Zeugnisse ihres poetischen Wandels.

„Der Flötenton“ (1987)

Der 1987 erschienene Roman „Der Flötenton“ nimmt im Werk? der Autorin eine Sonderstellung ein. Entgegen ihrer sonstigen Gepflogenheiten reagiert Gabriele Wohmann darin auf aktuelle gesellschaftliche Ereignisse. Die Handlung setzt unmittelbar nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl (1986) ein. Gabriele Wohmann zeigt, wie die Menschen nach dem Gau leben und im Dunstkreis der radioaktiven Wolke ihren ereignislosen Beziehungsalltag fortsetzen. Ihre Lust am Absurden brach sich auch in dem Roman „Aber das war noch nicht das Schlimmste“ (1995) Bahn, in dem es um das Sterben an Krebs geht. Das Feuilleton erblickte in dem Roman eine Satire auf die modischen Taktiken, mit dem Krebs, dem Sterben und dem Tod umzugehen. Der Krebstod ihrer Schwester veranlasste Gabriele Wohmann zur Niederschrift ihres Romans „Abschied von der Schwester“ (2001).

„Scherben hätten Glück gebracht“ (2006)

Es folgten die Romane „Schön und gut“ (2002) und „Hol mich einfach ab“ (2003) sowie der Erzählband „Scherben hätten Glück gebracht“ (2006). In Letzterem schildert Gabriele Wohmann tragikomische Situationen aus dem Familienalltag. Das Feuilleton? reagierte überwiegend positiv. Die „Frankfurter Bewundert wurde vor allem Gabriele Wohmanns Begabung für abrupte und überraschende Schlüsse.

Gabriele Wohmann lebt in Darmstadt.

Übrigens ...

nahm Gabriele Wohmann in den 1960er Jahren an den Tagungen der legendären Gruppe 47 teil.

Auszeichnungen

Werke (Auswahl)

  • Bücher von Gabriele Wohmann bei Jokers
  • Ernste Absicht. EA 1970. München, Piper Verlag 2002, ISBN: 978-3492116985
  • Schwestern. EA 1999. München, Piper Verlag 2001, ISBN: 978-3492233637
  • Frauen machens am späten Nachmittag. EA 2000. Zürich/München, Pendo Verlag 2002, ISBN: 978-3858423689
  • Abschied von der Schwester. EA 2001. München, Pendo Verlag 2001, ISBN: 978-3858423962
  • Schön und gut. EA 2002. München, Piper Verlag 2002, ISBN: 978-3492043991
  • Hol mich einfach ab. EA 2003. München, Piper Verlag 2003, ISBN: 978-3492043991
  • Scherben hätten Glück gebracht. EA 2006. Berlin, Aufbau Verlag 2006, ISBN: 978-3351030810
  • Gesammelte Erzählungen aus dreißig Jahren I. 1956 - 1962. München, dtv 1986, ISBN: 978-3423616515
  • Gesammelte Erzählungen aus dreißig Jahren II. 1963 - 1974. München, dtv 1986, ISBN: 978-3423616522
  • Gesammelte Erzählungen aus dreißig Jahren III. 1977 - 1986. München, dtv 1986, ISBN: 978-3423616539
  • Im Kurpark von Aachen. Lyrik. Edition Toni Pongratz, Hauzenberg 2012 ISBN: 978-3931883836
  • Eine gewisse Zuversicht. Gedanken zum Diesseits, Jenseits und dem lieben Gott. Kreuz Verlag, Freiburg i. Br. 2012

Hörbücher

  • Die Schönste im ganzen Land. Frauengeschichten. 2CDs. Marburg, Hörbuch Marburg 1999, ISBN: 978-3896140425
  • Alle genießen die Party. Berlin, Universal Music 2002, ISBN: 978-3829112079

Sekundärliteratur

Links

Weitere Einträge zum Stichwort:

Neue Innerlichkeit


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