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Wolf, Ror

eigentlich Richard Wolf; Pseudonym Raoul Tranchirer, ein deutscher Schriftsteller und Künstler

Leben und Schreiben

Ror Wolf wurde am 29. Juni 1932 in Saalfeld an der Saale (Thüringen) geboren. Nach dem Krieg lebte Ror Wolf als Vierzehnjähriger ein ganzes Jahr allein im Elternhaus in Saalfeld, weil sein Vater noch in der Kriegsgefangenschaft und seine Mutter im Gefängnis war. Die Sowjets hatten gleichzeitig auch das vom Großvater gebaute Haus beschlagnahmt. Dass er damals nicht unter die Räder kam, ist der elterlichen Zugehfrau zu verdanken, die immer wieder nach dem Rechten sah, kochte und ihn beim Selbständigwerden unterstützte.

1951 machte Ror Wolf Abitur, doch in der damaligen DDR wurde ihm ein Studienplatz verweigert, weshalb er zwei Jahre als Bauarbeiter und Betonarbeiter tätig war. Er beschloss, das zu erleben, was er bis dahin nur aus dem Radio kannte: Kunstausstellungen, junge Literatur, Jazzmusik etc.

Am 17. Juni 1953 begehren die Arbeiter in der DDR auf, was für Ror Wolf der Anstoß ist, in die Bundesrepublik zu gehen. Eine Existenz oder Hilfe hatte er im Westen nicht und so arbeitete er in Stuttgart zunächst für ein Jahr als Hilfsarbeiter. Nach diesem Jahr schrieb er sich an der Universität Frankfurt am Main zum Studium der Literatur, Soziologie sowie Philosophie ein. Ab 1958 schrieb er in der dortigen Studentenzeitung "Diskus" Prosa, Lyrik, Literatur-, Theater-? und Jazz-Kritiken und veröffentlicht Bildcollagen. Bald wurde Wolf Feuilletonredakteur? beim "Diskus", von wo er später zum Hessischen Rundfunk wechselte, wo er als Literaturredakteur? arbeitete.

1963 machte sich Ror Wolf als freier Schriftsteller selbständig und ein Jahr später erschien sein erster Roman "Fortsetzung des Berichts". Darin setzt er sich mit "Der Schatten des Körpers des Kutschers" von Peter Weiss? auseinander. Literaturkritiker sprechen von einem der wenigen deutschen Beispiele eines nouveau roman?.

1967 folgte "Pilzer und Pelzer", 1976 "Die Gefährlichkeit der Großen Ebene". "Nachrichten aus der bewohnten Welt" (1992) und "Zwei oder drei Jahre später" (2003) zeichnen sich durch radikale Verdichtung und gleichzeitige äußere Verknappung aus. Einflüsse aus Surrealismus, Phantastik?, Abenteuer- und Kriminalliteratur fließen jetzt in sein Werk? ein. Dazu kommen humoristische und erotische Motive, so dass man seine Bücher bei allem literarischen Anspruch auch genießen kann.

Gedichtsammlungen sind "Aussichten auf neue Erlebnisse" (1996) und "Pfeifers Reisen" (2007).

Nach fast 35 Umzügen in seinem Leben ließ sich Ror Wolf 2010 in Main nieder.

Werk

Literatur

Für Ror Wolf waren Samuel Beckett?, Franz Kafka und Robert Walser? Vorbilder. An ihnen schulte er seine Prosa, fand aber zu einem kunstvollen und unverwechselbaren Ton.

Immer wieder bediente sich Ror Wolf der Lexikonsprache, um mit präzisen Formulierungen verwirrendste Effekte zu erzielen.

In seinem Werk sind die Figuren Leidensmänner, die keinen Schmerz empfinden. Sie treten als Beobachter auf, die alles registrieren, dabei aber nichts fühlen, manchmal darüber staunend, wie die Welt beschaffen ist, in die sie geworfen worden sind. Innen und Aussenwelten existieren nebeneinander und unabhängig voneinander.

Weil Ror Wolf der Rhythmus der Sprache, die Länge der Worte und ihr Klang wichtig ist, hat man ihn oft als "Sprachmusiker" bezeichnet.

Die von ihm in der Bildenden Kunst angewandte Collage-Technik nutzte Ror Wolf auch beim Schreiben. Sein ganzes Leben lang notierte er sich Sätze und sammelte sie. Besonders stark begann er nach seiner Ankunft in Frankfurt zu notieren. Weil sein erstes Frankfurter Zimmer nicht beheizbar war, verbrachte er viel Zeit in der Stadt und notierte Beobachtungen und Einfälle. Diese Formulierungen sammelte er - inspiriert von Arno Schmidts "Zettelkasten" - zu bestimmten Begriffen. So konnte er diese Formulierungen später leicht wieder finden und in seine Schriften einbauen.

Vor allem die Verlage Anabas? und Schöffling? widmeten sich dem Werk Wolfs. Anerkennung fand es vor allem bei Kollegen wie Michael Lentz?, Brigitte Kronauer und Eckhard Henscheid?.

Bildende Kunst

Als Künstler hat Ror Wolf im Lauf seines Lebens mehr als 4000 Bildcollagen gefertigt. Grundlage dieser Collagen waren unübersehbare Materialbestände, die er gesammelt hatte, vor allem Druckgraphik des 19. Jahrhunderts aus Zeitschriften, die er günstig auf Flohmärkten vor allem in Frankreich und Belgien gekauft hatte. Die Wirkung seiner Bildcollagen beruht oft auf den verschobenen Proportionen, so dass z. B. Schmetterlinge in ihnen so groß wie Flugzeuge erscheinen und damit die Ordnung der Welt durchbrechen.

Übrigens ...

Auszeichnungen

Für sein Werk wurde Ror Wolf oft ausgezeichnet, u.a. mit den folgenden Preisen:

Bundesarchiv B 145 Bild-F078338-0020, Bonn, Verleihung Hörspielpreis der Kriegsblinden

26.5.1988 Bundesrat - Präsident Dr. Bernhard Vogel überreicht den Hörspielpreis der Kriegsblinden 1988 an Ror Wolf (Mitte) im Plenarsaal des Bundesrates.

Werke (Auswahl)

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