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Zaimoglu, Feridun

Feridun Zaimoglu (geb. 4. Dezember 1964 in Bolu/Türkei) ist ein deutscher Schriftsteller und Journalist? türkischer Herkunft. Er gilt als Schöpfer der so genannten Kanak Sprak.

Leben und Schreiben

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Am 4. Dezember 1964 als Sohn eines Gerbers in dem anatolischen Dorf Bolu/Türkei geboren, wuchs Feridun Zaimoglu in München, Bonn, Ludwigshafen und Berlin auf. In Bonn bestand er das Abitur als bester Schüler seines Jahrgangs. 1984 ging er nach Kiel, wo er – um dem inzwischen zum Konsulatsangestellten avancierten Vater einen Gefallen zu tun – zunächst Humanmedizin studierte. Später wechselte er zum Studienfach Kunst. Während des Studiums war er Ausländerreferent der Universität Kiel. Zaimoglus Eltern gingen als Rentner zurück in die Türkei.

Anfangs stand vor allem die Malerei im Zentrum von Zaimoglus künstlerischen Ambitionen. Thematisch behandelte er hauptsächlich die komplexen Existenzkonflikte der in Deutschland aufgewachsenen Kinder türkischer Emigranten. Später sollte die Auseinandersetzung mit diesem Thema auch sein literarisches und journalistisches? Schaffen prägen.

„Kanak Sprak“ (1995)

Als Schriftsteller debütierte? Zaimoglu 1995 mit dem Buch „Kanak Sprak. 24 Misstöne vom Rande der Gesellschaft“. Darin versammelt er bearbeitete Episoden? aus dem Leben junger Männer türkischer Abstammung. Seitdem gilt Zaimoglu als Schöpfer der so genannten Kanak Sprak – einer Kunstsprache, die der Autor in einem zeizungsinterview so beschrieben hat: Diese Sprache enthalte Brocken aus dörflichen Dialekten und Anleihen aus dem Hochtürkischen genauso wie das metaphernreiche Slang-Stakkato der Straße und der Großstadtszenen. Zaimoglu hat immer wieder auf den aufklärerischen Dokumentationscharakter des Buches hingewiesen.

Die Literaturkritik reagierte vorwiegend irritiert, erkannte aber das Innovative in Zaimoglus Debüt?. Der Literaturwissenschaftler Jamal Tuschik schrieb über den Autor: Es sei Zaimoglus Verdienst, die von der Gastarbeiterliteratur? der 1960er und 1970er Jahre gesetzten Standards im Hinblick auf die eigene Produktion für ungültig erklärt zu haben. „Kanak Sprak“ wurde mit großem Erfolg für das Theater adaptiert.

„Abschaum“ (1997)

Auch für Zaimoglus zweites Buch „Abschaum. Die wahre Geschichte des Ertan Ongun“ (1997) diente authentisches Tatsachenmaterial als Vorlage. In diesem Fall die Lebensgeschichte von Ertan Ongun, eines türkischstämmigen Drogenhändlers und Kleinkriminellen, dem die Abschiebung aus Deutschland droht. Die Geschichte spielt im Gefängnis, in Bordellen, Spielhöllen und Dönerbuden. Lars Becker hat „Abschaum“ nach einem Drehbuch von Zaimoglu unter dem Titel „Kanak Attack“ (2000) in die deutschen Kinos gebracht. Der Erfolg des Films war mäßig.

Ferner erhielt Zaimoglu 1997 zusammen mit Thomas Röschner den „civis“-Hörfunk- und Fernsehpreis für den TV-Beitrag „Deutschland im Winter-Kanakistan. Eine Rap-Reportage“.

„Liebesmale, scharlachrot“ (2000)

Mit dem Briefroman „Liebesmale, scharlachrot“ (2000) vollzog Zaimoglu den Schritt von der dokumentarischen? zur fiktiven Literatur. In Briefen? tauschen sich die beiden Migrantensöhne Serdar und Hakan über ihr Leben in der Türkei und in Kiel aus. Als Serdar nach einer dramatisch verlaufenen Liebesaffäre im Krankenhaus landet, will er nur noch eins: zurück nach Hause. Aber wo ist das?

Die Reaktion der Literaturkritik auf „Liebesmale, scharlachrot“ war sehr ambivalent. Sie reichte von heftigen Verrissen bis hin zu überschwänglichem Lob.

„German Amok“ (2002)

Mit dem Roman „German Amok“ (2002) kehrte Zaimoglu zu seinen prononciert sozialkritischen Wurzeln zurück. Im Zentrum der Handlung steht ein Ich-Erzähler, seines Zeichens verkrachter Künstler und begehrter Lustsklave. Die Liebesgeschichte ist im Berliner Künstlermilieu angesiedelt. Der Verlag pries den Roman als eine apokalyptische? Todesfahrt an, die den Leser mitten hinein in die Hohlheit eines Milieus führe, das sich auf Oberflächenreize kapriziert habe. Die Resonanz im Feuilleton? war zurückhaltend. Ein Rezensent tat den Roman als eine polemische Provokation ab. Einem anderen zufolge unterscheidet sich der Roman in nichts von den Peinlichkeiten, die er karikieren? wolle.

Es folgten die Kriminalkomödie „Leinwand“ (2003), der Erzählband „Zwölf Gramm Glück“ (2004) und der Roman „Leyla“ (2006). In Letzterem erzählt Zaimoglu die wechselvolle Geschichte von Leyla, die in den 1950er Jahren als jüngstes von fünf Geschwistern in einer ostanatolischen Kleinstadt aufwächst. Leyla, die später die Türkei verlässt und ihrem Mann nach Deutschland folgt, hat einen großen Wunsch: Sie möchte der Welt der patriarchalischen Ordnung entkommen. Aber ob ihr das in Deutschland gelingt, bleibt fraglich.

„Liebesbrand“ (2008)

Im Jahr 2008 legte Zaimoglu den Roman „Liebesbrand“ vor, an dessen Anfang ein Busunglück steht, das für David – den Protagonisten des Romans – fast tödlich endet. Aber David hat Glück. Er überlebt. Pech nur, dass die junge schöne Frau, die seine Erstversorgung übernahm, so schnell verschwindet, wie sie aufgetaucht war. David heftet sich an ihre Fersen. Die Frau meines Lebens, denkt er. Die Verfolgung führt ihn nach Nienburg an der Weser und weiter nach Prag und Wien. Tatsächlich kommt es zu einem Treffen und zu einer Liebesnacht mit Tyra - an deren Ende die Frau jedoch unbemerkt verschwindet. David bleibt nicht mehr viel, nur noch die brennende Hoffnung auf ein Wiedersehen ...

Ein Rezensent schrieb über „Liebesbrand“, dass Zaimoglus Sprachmacht und seine Komik? das Buch gegen jedes Klischee immunisiere. Das sei auch der Grund, weshalb der Rezensent Zaimoglu mit ganzem Herzen den Preis der Leipziger Buchmesse gönne, für den der Roman nominiert wurde. Wer das Buch richtig lese, sekundierte ein anderer, ebenfalls begeisterter Kollege, werde darin auch eine Liebeserklärung an alle Frauen erkennen.

Feridun Zaimoglu ist Mitbegründer der türkischen Literaturzeitschrift „ARGOS“. Er lebt in Kiel und Berlin.

Übrigens ...

haben die Grünen in Schleswig-Holstein Feridun Zaimoglu als Wahlmann bei der Wahl zum Bundespräsidenten 2009 benannt.

Auszeichnungen

Werke (Auswahl)

  • Bücher von Feridun Zaimoglu bei Jokers
  • Kanak Sprak. 24 Misstöne vom Rande der Gesellschaft. EA 1995. Berlin, Rotbuch Verlag 2007, ISBN: 978-3434545187
  • Abschaum. EA 1997. Berlin, Rotbuch Verlag 2003, ISBN: 978-3880225213
  • Liebesmale, scharlachrot. EA 2000. Köln, Kiepenheuer und Witsch 2002, ISBN: 978-3462030976
  • Leinwand. EA 2003. Berlin, Rotbuch Verlag 2003, ISBN: 978-3434530800
  • Zwölf Gramm Glück. Erzählungen. EA 2004. Köln, Kiepenheuer und Witsch 2005, ISBN: 978-3462036305
  • Leyla. EA 2006. Köln, Kiepenheuer und Witsch 2006, ISBN: 978-3462036961
  • Rom intensiv. Mein Jahr in der ewigen Stadt. EA 2007. Köln, Kiepenheuer und Witsch 2007, ISBN: 978-3462037890
  • Liebesbrand. EA 2008. Köln, Kiepenheuer und Witsch 2008, ISBN: 978-3462039696
  • Ferne Nähe. Tübinger Poetik-Dozentur, 2008, ISBN 978-3-89929-144-5 (mit Ilija Trojanow)
  • Hinterland. Roman. Köln, Kiepenheuer und Witsch 2009, ISBN: 978-3462041330
  • Ruß, Roman. Köln, Kiepenheuer und Witsch 2011, ISBN: 978-3462043297
  • Der Mietmaler. Eine Liebesgeschichte, München, LangenMüller 2013, ISBN: 978-3784433240

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