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Zweig, Stefan

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Stefan Zweig (geb. 28. November 1881 in Wien; gest. 22. Februar 1942 in Petrópolis bei Rio de Janeiro) war ein österreichischer Romancier, Essayist und Dramatiker von internationalem Rang. Er trat auch als Verfasser von kulturhistorischen Essays und Biographien hervor, in denen er Persönlichkeiten der europäischen Literatur und Geschichte porträtierte. Zu seinen populärsten Büchern gehört die Essaysammlung „Sternstunden der Menschheit“ (1927/1943). 1934 aus Nazi-Deutschland emigriert, nahm sich Stefan Zweig im brasilianischen Exil das Leben.

Leben und Schreiben

Stefan Zweig wurde am 28. November 1881 in Wien geboren. Er war der zweite Sohn des jüdischen Textilfabrikanten Moritz Zweig und seiner Frau lda, geborene Brettauer. Die Textilfabrik des Vaters hatte ihren Sitz bei Reichenberg in Nordböhmen. Von 1887 bis 1892 besuchte Stefan Zweig die Volksschule in der Werdertorgasse in Wien. Von 1892 bis 1900 war er Schüler des Maximilian-Gymnasiums im neunten Wiener Bezirk.

Bereits während der Schulzeit verfasste Zweig erste Gedichte, die unter anderem in den Zeitschriften „Deutsche Dichtung“ und „Die Gesellschaft“ veröffentlicht wurden. Seine frühe Lyrik stand unter dem Einfluss französischer Symbolisten und deutscher Neuromantiker?. Insbesondere den Dichtern Hugo von Hofmannsthal? und Rainer Maria Rilke galt die Bewunderung des Gymnasiasten (1927 sollte Zweig im Residenztheater in München die Gedächtnisrede für Rilke halten). 1901 legte er unter dem Titel „Silberne Saiten“ sein Lyrikdebüt? im Berliner Verlag Schuster & Löffler vor.

In Wien, Berlin und auf der ganzen Welt

Nach dem Abitur reiste Zweig erstmals nach Frankreich, dem er zeitlebens eng verbunden war. Von 1900 bis 1904 studierte er an der Universität Wien Philosophie?, Germanistik? und Romanistik?. Seine Dissertation? galt dem französischen Philosophen? und Historiker Hippolyte Taine?. Während des Sommersemesters 1902, das Zweig an der Universität in Berlin verbrachte, knüpfte er Kontakte zu dem Schriftstellerkreis „Die Kommenden“. Außerdem veröffentlichte er als Student seinen ersten Beitrag für das Feuilleton? der „Neuen Freien Presse“ in Wien, deren Mitarbeiter er bis 1938 bleiben sollte. 1904 publizierte er den Novellenband „Die Liebe der Erika Ewald“.

Bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs führte Zweig aufgrund des elterlichen Vermögens ein unbeschwertes Leben. Er reiste viel (Europa, Indien, USA, Afrika), stieß auf Gegenliebe bei den Frauen und lernte auf der ganzen Welt Schriftsteller und Künstler kennen, mit denen er zum Teil durch eine lebenslange Korrespondenz? verbunden blieb. Er schrieb unzählige Feuilletons?. Gleichzeitig entstanden erste Dramen („Tersites“, 1907, im November 1908 gleichzeitig in Dresden und Kassel uraufgeführt), weitere Gedichtbände („Die frühen Kränze“, 1906) und Prosasammlungen („Erstes Erlebnis. Vier Novellen aus Kinderland“, 1910).

Mit Rilke im Kriegsarchiv

Von 1902 an trat Zweig auch als Übersetzer – vorwiegend französischsprachiger Autoren – hervor, weshalb er vom zeitgenössischen Feuilleton? den Titel eines vorbildlichen Europäers und unermüdlichen Mittlers zwischen den Menschen und Nationen verliehen bekam. Ein Höhepunkt im Schaffen Stefan Zweigs vor dem Ersten Weltkrieg war die zweibändige deutsche Werkausgabe? des belgischen Dichters Emil Verhaeren?. Mehr als zwei Jahre hatte Zweig an der Übersetzung gearbeitet, mit der er Verhaerens Lyrik auch beim deutschen Publikum zum Durchbruch verhelfen wollte.

Bei Kriegsausbruch im August 1914 meldete sich Zweig freiwillig zum Militär. Er wurde dem Kriegsarchiv zugeteilt, wo er mit Rilke zusammenarbeitete und verschiedene Propagandaschriften? verfasste. Außerdem war er für die patriotische Zeitschrift „Donauland“ tätig. 1917 wurde er Teilhaber der Textilfabrik seines Vaters. Im selben Jahr emigrierte Zweig in die Schweiz, wo er Kontakte zu anderen pazifistischen Schriftstellern fand und unter anderem mit Hermann Hesse, James Joyce und Annette Kolb? verkehrte. Im März 1919 kehrte Zweig nach Österreich zurück und ließ sich in Salzburg nieder, wo er zusammen mit Friderike von Winternitz (geborene Burger) ein Haus auf dem Kapuzinerberg bewohnte.

„Der Amokläufer“

Von 1920 an veröffentlichte Zweig eine Reihe spannender, stark von der Psychoanalyse Sigmund Freuds beeinflusste Novellen und Erzählungen. Besonders erwähnenswert sind hier die Novellen „Angst“ (1920) und „Der Amokläufer“ (1922). Den Protagonisten in beiden Büchern ist gemeinsam, dass sie plötzlich durch eine unerhörte Begebenheit aus ihrem gewöhnlichen Leben gerissen werden. Sie finden sich in einem Zustand wieder, in dem ihr gesamtes Seelen- und Gefühlsleben in Verwirrung geraten ist. Mit seiner nuancierten Prosa gelingt es Zweig, alltäglichen Ereignissen die Aura des Sonderbaren und Vieldeutigen zu geben. Beide Novellen wurden bereits in den 1920er Jahren verfilmt?.

Neben diesen packenden Novellen trat Zweig auch als Verfasser von kulturhistorischen Essays und Biographien hervor, in denen er Persönlichkeiten der europäischen Literatur und Geschichte porträtierte. Zu besonderer Bekanntheit gelangten die Bände „Drei Meister“ (1920; enthält biographische Essays über Balzac?, Dickens und Dostojewski), „Der Kampf mit dem Dämon“ (1925; Essays über Hölderlin, Kleist und Nietzsche) und „Drei Dichter ihres Lebens“ (1928; Essays über Casanova?, Stendhal? und Tolstoi?). Im Gegensatz zu vielen anderen Werken Stefan Zweigs finden diese Essaybände bis heute ihr Publikum.

„Sternstunden der Menschheit“

Im Ausland gehörte Stefan Zweig neben Thomas Mann zu den bekanntesten deutschsprachigen Schriftstellern. 1927 erschien in der Sowjetunion eine zehnbändige Werkausgabe?, für die der russische Autor Maxim Gorki? das Vorwort? verfasst hatte. Im selben Jahr gab Zweig im Leipziger Insel Verlag? die erste Fassung seines Erzählbandes „Sternstunden der Menschheit“ heraus. Dieser Band?, der nach vier Jahren eine Auflage? von 300.000 Exemplaren erreichte, sollte Zweigs populärstes Werk? werden.

„Sternstunden der Menschheit“ enthält fünf historische? Miniaturen?. Darin schildert Zweig dramatisch zugespitzte Szenen im Leben verschiedener historischer Persönlichkeiten. Die Besonderheit liegt darin, dass Zweig keine historischen Details darstellt, sondern ausschließlich das Seelenleben im Angesicht von Leben oder Tod, Triumph oder Untergang gestaltet. „Was ansonsten gemächlich nacheinander und nebeneinander abläuft, komprimiert sich in einen einzigen Augenblick, der alles bestimmt und alles entscheidet“, heißt es in dem Buch. Die erste Fassung? enthielt fünf Miniaturen: „Die Weltminute von Waterloo“ (Napoleon), „Die Marienbader Elegie“ (Goethes unerfüllte Liebe zu Ulrike von Levetzow), „Die Entdeckung Eldorados“ (Sutter in Kalifornien), „Heroischer Augenblick“ (Dostojewskis Begnadigung) und „Der Kampf um den Südpol“ (Scott gegen Amundsen). Eine auf zwölf Miniaturen erweiterte Fassung erschien 1943 im Stockholmer Exil-Verlag Bermann-Fischer?.

„Marie Antoinette“

1928 reiste Zweig in die Sowjetunion, wo er an der Feier zum 100. Geburtstag von Leo Tolstoi? teilnahm. 1929 wurde Zweigs Theaterstück „Das Lamm der Armen“ in Breslau uraufgeführt?. 1931 traf er in Frankreich mit seinem Freund Joseph Roth zusammen. Von einer Französin wider Willen handelt seine 1932 veröffentlichte Romanbiographie? "Marie Antoinette".

Die Tochter Maria Theresias von Österreich wurde 1770 als 14-Jährige mit dem späteren französischen König Ludwig XVI. verheiratet. Auf ihre Aufgabe als französische Königin war sie nicht vorbereitet worden, ihr Mann war ihr kein Halt. Ihre luxuriöse Hofhaltung in Versailles und deren psychologische Hintergründe sind vielfach Thema von Literatur und Film geworden - so eben auch bei Stefan Zweig. Der Untertitel? seines Buches lautet: "Bildnis eines mittleren Charakters" und macht damit schon die Überforderung deutlich, unter der Marie Antoinette stand. Einfühlsam zeichnet Stefan Zweig den Weg dieser Frau nach, den sie zunächst orientierungslos, mit der Zeit aber immer klarsichtiger geht - bis zum Schafott, auf dem die französischen Revolutionäre sie 1793 schließlich sterben lassen.

Als 1933 die Nationalsozialisten die Regierung übernahmen, durften Stefan Zweigs Werke in Deutschland nicht mehr erscheinen. Bis 1938 wurden seine Bücher vom Reichner Verlag? in Wien veröffentlicht, wo unter anderem zwei Bände? mit gesammelten Erzählungen (1936) und ein Band? mit gesammelten Aufsätzen? (1937) erschienen. 1934 verließ Zweig Salzburg und siedelte mit seiner Frau Friederike nach London über, wo er eine kleine Wohnung am Portland Place 11 gemietet hatte. 1936 bezogen sie eine größere Wohnung in der Hallam Street 49. Im Dezember 1938 ließen sich Stefan und Friederike Zweig scheiden.

„Ungeduld des Herzens“

Nach der Heirat mit Lotte Altmann, die zuvor als seine Sekretärin tätig gewesen war, und der Übersiedlung in die südenglische Stadt Bath legte Zweig 1939 unter dem Titel „Ungeduld des Herzens“ seinen einzigen großen Roman vor. In dem Roman, der in eine Rahmenerzählung? eingebettet ist, erzählt der österreichische Ulanenleutnant Anton Hofmiller rückblickend von einem tragischen Jugenderlebnis im Sommer 1914. Auf einer Abendgesellschaft des jüdischen Adligen von Kekesfalva begeht Hofmiller eine Ungeschicklichkeit: Er fordert Edith, die Tochter des Gastgebers, zum Tanzen auf – ohne zu wissen, dass Edith gelähmt ist. Dieser Fauxpas setzt eine Reihe von Ereignissen in Gang, an deren Ende Edith Selbstmord begeht und Hofmiller in die Schlachten des Weltkriegs flüchtet. In der Fachkritik gilt der Roman in seiner moralischen Problematik und feinen psychologischen Akzentuierung als meisterhaft. Daneben ist „Ungeduld des Herzens“ aber auch ein lebendiges Sittengemälde des alten Österreich-Ungarn.

„Die Schachnovelle“

1940 erlangte Zweig die englische Staatsbürgerschaft. Unter dem Eindruck des Zweiten Weltkriegs verließ er noch im selben Jahr Europa und ging zunächst nach New York. Von dort aus reiste er weiter nach Argentinien, Paraguay und Brasilien, wo er sich ein Jahr später niederließ und gemeinsam mit Lotte Zweig in einem kleinen Haus in Petrópolis bei Rio de Janeiro lebte. Dort entstand auch die „Schachnovelle“, die 1941 in Stockholm veröffentlicht wurde. Im Mittelpunkt der Novelle, die an Bord eines Südamerikadampfers spielt, steht ein ehemaliger Gestapo-Häftling, der dem Konzentrationslager entkommen ist. Die „Schachnovelle“ ist Zweigs letzte Prosadichtung zu Lebzeiten. 1951 erschien der Band? erstmals in Deutschland.

Am 22. Februar 1942 nahm sich Stefan Zweig gemeinsam mit seiner zweiten Frau in Petrópolis das Leben.

Sein literarischer Ruhm habe bis in die letzten Winkel der Erde gereicht, schrieb Thomas Mann über Stefan Zweig. Von der Literaturwissenschaft wird der Romancier, Lyriker und Dramatiker Stefan Zweig bis heute jedoch kaum wahrgenommen.

Postum wurde Zweigs Autobiographie „Die Welt von gestern. Erinnerungen eines Europäers“ (1942) in Stockholm herausgegeben. Zweig hatte an dem Buch mehrere Jahre gearbeitet. „Die Welt von gestern“ gilt als ein bedeutendes Dokument aus der Kultur des untergegangenen Österreich-Ungarn.

Übrigens ...

war Zweig ein leidenschaftlicher Sammler von Autographen?, der auch in Fachkreisen große Anerkennung genoss.

Werke (Auswahl)

  • Bücher von Stefan Zweig bei Jokers
  • Angst. Novelle. EA 1920. Frankfurt am Main, S. Fischer Verlag 1991, ISBN: 978-3596104949
  • Drei Meister. Balzac, Dickens, Dostojewski. EA 1920. Frankfurt am Main, S. Fischer Verlag 1999, ISBN: 978-3596122783
  • Der Kampf mit dem Dämon. Hölderlin, Kleist, Nietzsche. EA 1925. Frankfurt am Main, S. Fischer Verlag 2007, ISBN: 978-3596175000
  • Sternstunden der Menschheit. Vierzehn historische Miniaturen. EA 1927. Frankfurt am Main, S. Fischer Verlag 2006, ISBN: 978-3596172122
  • Marie Antoinette. Bildnis eines mittleren Charakters. EA 1932. Frankfurt am Main, S. Fischer Verlag 2011, ISBN: 978-3596222209
  • Triumph und Tragik des Erasmus von Rotterdam. EA 1934. Frankfurt am Main, S. Fischer Verlag 2006, ISBN: 978-3596222797
  • Maria Stuart. EA 1935. Frankfurt am Main, S. Fischer Verlag 2000, ISBN: 978-3596217144
  • Ungeduld des Herzens. EA 1939. Frankfurt am Main, S. Fischer Verlag 2004, ISBN: 978-3596216796
  • Schachnovelle. EA 1941. Frankfurt am Main, S. Fischer Verlag 1974, ISBN: 978-3596215225
  • Die Welt von Gestern. Erinnerungen eines Europäers. EA 1942. Frankfurt am Main, S. Fischer Verlag 1999, ISBN: 978-3596211524
  • Meistererzählungen. Frankfurt am Main, S. Fischer Verlag 2006, ISBN: 978-3103970227

Hörbücher

  • Sternstunden der Menschheit. Teil 1: Die Flucht in die Unsterblichkeit. CD. Marburg/Lahn, Hörbuchproduktionen 2000, ISBN: 978-3896140821
  • Sternstunden der Menschheit. Teil 2: Die Marienbader Elegie. CD. Marburg/Lahn, Hörbuchproduktionen 2000, ISBN: 978-3896140838
  • Sternstunden der Menschheit. Teil 3: Die Weltminute von Waterloo. CD. Marburg/Lahn, Hörbuchproduktionen 2000, ISBN: 978-3896140845
  • Schachnovelle / Der Amokläufer. 4 CDs. Marburg/Lahn, Hörbuchproduktionen 2000, ISBN: 978-3896140883

Sekundärliteratur

  • Matuschek, Oliver: Stefan Zweig. Drei Leben - Eine Biographie. Frankfurt am Main, S. Fischer Verlag 2006, ISBN: 978-3100489210
  • Müller, Hartmut: Stefan Zweig. Mit Selbstzeugnissen und Bilddokumenten. Reinbek, Rowohlt Verlag 2002, ISBN: 978-3499504136

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