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Dos Passos, John

John Roderigo Dos Passos (geb. 14. Januar 1896 in Chicago; gest. 28. September 1970 in Baltimore) war ein amerikanischer Romancier? und Journalist?. Sein Roman „Manhattan Transfer“ (1925) und seine Romantrilogie? „U.S.A.“ (1930-1936) haben die amerikanische? Romankunst im 20. Jahrhundert stark beeinflusst.

Leben

John Dos Passos wurde am 14. Januar 1896 in Chicago als Sohn eines Anwalts geboren. Sein Vater war portugiesischer Abstammung. Dos Passos verbrachte seine Kindheit in Mexiko, Belgien, England, Washington (D.C.) und auf einer kleinen Farm in Virginia.

Von 1912 bis 1916 studierte er in Harvard. Dort veröffentlichte er unter dem Titel „A Humble Protest“ einen Aufsatz, in dem er die kapitalistische Wirtschaftsform scharf angriff. Sein Vorwurf lautete, dass der Kapitalismus die Menschheit verblöde und alle schöpferischen Fähigkeiten unterdrücke. Nach der Promotion ging er nach Spanien, wo er Architektur studierte.

Am Ersten Weltkrieg, in den die USA 1917 eintraten, nahm John Dos Passos als Sanitätsfreiwilliger teil. Er kehrte als Pazifist aus dem Krieg zurück. 1919 erschien sein Romandebüt? „Feuertaufe eines Mannes“. Sein zweiter Roman „Drei Soldaten“ (1921) machte John Dos Passos berühmt. „Drei Soldaten“ gilt als der erste bedeutsame amerikanische Roman über den Ersten Weltkrieg. Darin schildert Dos Passos die Zerstörung dreier junger Menschen durch Staat, Armee und Krieg. „Drei Soldaten“ wird häufig mit Ernest Hemingways Kriegsroman „In einem anderen Land“ verglichen, da in beiden Büchern das erschütternde Kriegserlebnis und die pessimistische Lebensauffassung der „verlorene Generation“? zum Ausdruck kommt.

Nach dem Krieg war John Dos Passos als Korrespondent für verschiedene Zeitungen tätig, zunächst in Spanien, dann in Paris, im Orient, in Mexiko und in New York. 1925 erschien mit „Manhattan Transfer“ eines seiner Hauptwerke?, das von Paul Baudisch? ins Deutsche übersetzt wurde und von der Literaturkritik als eines der bahnbrechenden Erzählexperimente des 20. Jahrhunderts bezeichnet wird. „Manhattan Transfer“ gilt als der moderne Großstadtroman? schlechthin, der auch auf deutsche Autoren wie Alfred Döblin starken Einfluss ausgeübt hat.

1926 trat John Dos Passos in die Redaktion der Zeitschrift „New Masses“ ein, die mit den Kommunisten sympathisierte und die Freilassung der in Amerika zum Tode verurteilten Anarchisten Sacco und Vanzetti forderte. Aus diesem Anlass verfasste Dos Passos 1927 die Streitschrift? „Facing The Chair“, in der er sich gegen eine Hinrichtung der Verurteilten auf dem elektrischen Stuhl ausspricht. 1930 erfolgte die Veröffentlichung des ersten Bandes seiner Romantrilogie? „U.S.A.“, die neben „Manhattan Transfer“ als zweites Hauptwerk? Dos Passos’ gilt. Darin schildert er kritisch die Entwicklung der Vereinigten Staaten in der Zeit von 1900 bis 1929.

Bis 1934 war John Dos Passos aktiver Kommunist, jedoch an keine Partei gebunden. Danach kam es zu einem Sinneswandel und sein linksradikales Engagement machte einer positiven Einstellung zu den Vereinigten Staaten und einem wachsenden Konservatismus Platz. Als patriotisches Pendant zur „U.S.A.“-Trilogie gilt der Roman „Chosen Country“, der 1951 erschien und den Höhepunkt in Dos Passos Alterswerk? markiert.

John Dos Passos starb am 28. September 1970 im Alter von 74 Jahren in Baltimore. Zuletzt hat er in Westmoreland in Virginia gelebt.

Literarische Arbeiten

Manhattan Transfer, Roman (1925)

„Manhattan Transfer“ ist ein Roman von John Dos Passos, entstanden 1923 bis 1925, zuerst erschienen 1925 in New York. Der amerikanische Autor Sinclair Lewis?, der das Vorwort? zu „Manhattan Transfer“ geschrieben hat, bewunderte Dos Passos dafür, dass er in seinem Roman die tosende, donnernde, unberechenbare, lasterhafte, herrliche Pracht des Lebens gestaltet habe.

John Dos Passos erzählt in „Manhattan Transfer“ die Geschichte New Yorks in der Zeit von 1890 bis 1925. Um die moderne Großstadt zu schildern, ruft er Dutzende von Menschen auf den Plan, die er oft nur kurz auf ihren sinnlosen, verzweifelten und ganz gewöhnlichen Lebenswegen begleitet. Da ist zum Beispiel der Anwalt und Politiker George Baldwin, die Schauspielerin Ellen Thatcher oder der Alkoholiker Joe Harland.

Die literarische Bedeutung des Romans wurde bereits kurz nach seinem Erscheinen erkannt. Sinclair Lewis? stellte ihn sogar über James Joyces „Ulysses“. Neben Alfred Döblins Roman „Berlin Alexanderplatz“ zählt „Manhattan Transfer“ zu den bedeutendsten Erzählexperimenten des 20. Jahrhunderts.

Übrigens …

Im Herbst 1945, nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, war John Dos Passos in Deutschland unterwegs. Er bereiste ein Land, das in Trümmern lag. Der Reportageband? „Das Land des Fragebogens“ ist das beeindruckende literarische Dokument dieser Reise.

Auszeichnungen

  • 1957 Goldmedaille des Nationalen Instituts für Kunst und Wissenschaften der USA
  • 1967 Internationaler Feltrinelli-Preis

Werke (Auswahl)

  • Bücher von und über John Dos Passos bei Jokers
  • Das Land des Fragebogens. 1945: Reportagen aus dem besiegten Deutschland. Rowohlt Verlag, Reinbek 1999, ISBN: 978-3499606007
  • USA-Trilogie. Rowohlt Verlag, Reinbek 2002, ISBN: 978-3499137310

Hörspiele

Sekundärliteratur

  • Langen, Annette: Der Mythos Großstadt in der Literatur am Beispiel des Romans Manhattan Transfer von John Dos Passos. Grin Verlag, München 2005, ISBN-10: 3638549801

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