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Drei Tage und kein Ende

von
Cili Wethekam

Cili Wethekams Roman ist 1967 im Thienemann Verlag Stuttgart erschienen und verdient es, zu den Klassikern unter den Jugendbüchern gezählt zu werden. Das Buch beinhaltet alles, was eine gut erzählte Geschichte ausmacht: widersprüchliche Charaktere, Probleme mit der Liebe, der Pubertät und dem Großwerden, Zwistigkeiten unter Geschwistern, Freundschaft und große Sorgen in jungen Herzen.

Schon der Titel lässt erahnen, dass ein auf kurze Zeit begrenztes Ereignis sich als durchaus langlebig erweisen wird. Dem erwachsenen Leser mag dies etwas durchsichtig erscheinen, bei Leseratten ab 11 Jahren dagegen, für die dieses Buch geschrieben wurde, weckt der Titel sicherlich die Neugierde.

Ein Bruder für ein Wochenende

Saskia hat eine Eins geschrieben und die Belohnung dafür sind zwei Kinokarten. Doch diesmal will sie darauf verzichten, zumal ihre dreizehnjährige Schwester Jule wie immer den Film aussuchen würde. Sie wünscht sich stattdessen einen Bruder auf Zeit, damit ihre Eltern wenigstens für ein Wochenende einen Sohn haben, und die Schwestern Katrin, Jule und Saskia endlich einmal erfahren, wie es sich mit einem Bruder lebt.

Jule freut sich schon auf einen Märchenprinzen, wird jedoch bitter enttäuscht. Ein unberechenbares Energiebündel platzt in den wohlgeordneten Haushalt und beschert seiner Gastfamilie mit seiner lärmenden Anhänglichkeit ein turbulentes Wochenende. Zum Luftholen bleibt da keine Zeit und doch hält man erschrocken inne, als es ans Abschiednehmen geht. Frédéric hat in „seiner“ Familie Würzelchen gefasst und hinterlässt eine schmerzende Stelle, die mit dem mühsamen Briefwechsel nur oberflächlich betäubt wird. Die Familie beschließt, Frédéric auf der Fahrt an die Loire in Paris zu besuchen und hofft, dem Unbehagen damit ein Ende bereiten zu können.

Die Autorin führt mit leichter Hand durch die Spannungsverhältnisse, die zwischen drei Schwestern von zehn, dreizehn und achtzehn Jahren unvermeidlich sind und schnell zu mittleren Katastrophen anzuwachsen drohen. Die Eltern geben sich verständnisvoll und stehen ihren Töchtern zur Seite, ohne den mahnenden Zeigefinger allzu sehr hochzuhalten. Ein gelungenes Stück Pädagogik bei Problemen, an denen sich seit der Erscheinung des Buches wohl kaum sehr viel geändert haben dürfte.

Übrigens kommen sowohl Kenner als auch Anfänger der französischen Sprache auf ihre Kosten. Der drollige Briefwechsel zwischen Frédéric und der mittleren Schwester Jule stellt die Familie und den Leser vor einige sprachliche Herausforderungen, für deren Mühen man reichlich entschädigt wird.

Über die Autorin

Cili Wethekam wurde 1921 in Belgien geboren und wuchs in Holland, Frankreich und Deutschland auf. Seit 1946 lebte die Autorin in Bremen, wo sie am 8. April 1975 starb. Es ist wohl ihrem Aufenthalt in verschiedenen Ländern zuzuschreiben, wie leicht ihr die Beschreibung völlig unterschiedlicher Lebensbereiche gelingt: die gutsituierte Familie in einer deutschen Hansestadt und der leicht verwahrloste, aus einfachen Verhältnissen stammende Waisenjunge aus Paris.

Cili Wethekam schrieb Kinder- und Jugendbücher, weil sie Kinder wichtiger fand als Erwachsene. Sie meinte, wenn man zu Kindern spricht oder für sie schreibt, hat man noch die Hoffnung, die Welt zu ändern.

Ein immer noch aktuelles Motto

Cili Wethekam wollte der Güte, der Toleranz und Menschlichkeit wieder einen festen Platz im Bewusstsein der Menschen – und ganz besonders der jungen Menschen – einräumen. „Ich möchte die Kinder durch meine Bücher freimachen. Sie sind so schrecklich abhängig von großen Leuten – so ein Kind sitzt zwischen den Autoritäten fest, ohne sich bewußt rühren zu können“, sagte sie einmal in einem Interview.

Diese noch immer vorhandene Aktualität ihrer Aussage, die zeitlose Problematik der Geschichte und der humorvolle Erzählstil machen dieses Buch auch noch vierzig Jahre nach seinem Erscheinen lesenswert.

Literaturangaben

  • Cili Wethekam: Drei Tage und kein Ende, Thienemann Verlag GmbH, Stuttgart 1983, ISBN-10: 3522112105, ISBN: 978-3522112109


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