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Celebrities. Vom schwierigen Glück, berühmt zu sein

von
Borwin Bandelow

„Joe Cocker war nur ein Bier von der Hölle entfernt.“ - Diese und andere Weisheiten hat der Buchautor und Göttinger Psychiater Borwin Bandelow? zu berichten. Bandelow hat in seinem Sachbuch „Celebrities“ die Persönlichkeitsstörungen von Stars und Sternchen untersucht. Er kommt dabei zu einem, wie es vorerst scheint, logischen Ergebnis.

Viele Menschen werden auf Grund des Borderline-Syndroms berühmt. Das heißt, die Persönlichkeitsstörung ist schon da, bevor die Menschen erfolgreich sind. Borderliner weisen, so der Wissenschaftler weiter, meist mehrere Faktoren auf. Sie haben oft eine schwierige Kindheit hinter sich, und später stehen Essstörungen, Selbstverletzungen und Ängste auf der Tagesordnung. Viele haben zudem sexuellen Missbrauch erlebt. Außerdem zeichnet diese Menschen die Unfähigkeit aus, ihre Gefühle zu kontrollieren. Beispiele hat Bandelow viele parat.

Talentiert, aber unglücklich

Der Autor untersucht bekannte Tatsachen, in freudianisch anmutender Absicht. Er berichtet von Drogenexperimenten Janis Joplins, der Fettsucht Elvis Presleys und dem spektakulären Tod Kurt Cobains. Vielen Berühmtheiten ist gemeinsam, dass sie nicht nur talentiert waren, sondern vor allem unglücklich. Schwierig wurde die innere Leere vor allem in einem bestimmten Alter. So schieden Jim Morrison, Jimi Hendrix, Janis Joplin und Kurt Cobain allesamt mit 27 aus dem Leben. Das ist kein Zufall, so Bandelow?, mit 27 sei die Gefahr einer Borderline-Störung am Höhepunkt. Zeitgleich sei in diesem Alter der Mensch aber auch am kreativsten.

Viele interessante Details aus dem Leben der Berühmtheiten listet Bandelow? auf. So hält er zum Beispiel fest, dass fünf der sieben amerikanischen Literaturnobelpreisträger ein starkes Problem mit dem Alkohol hatten. Gut, bei Hemingway war das so neu ja nun nicht. Aber auch von anderen Extremen berichtet Bandelow?. hat erkannt, dass ihm künstliche Mittel nie so viele Glücksstoffe geben wie seine eigentliche Droge, das Schreiben. Auch Bandelow? sieht im Kreativitätspotential der Borderliner ihre Rettung.

Wahrscheinlich ist das auch ein Grund, warum er für eines seiner wenigen zeitgenössischen Beispiele wie Robbie Williams noch nicht alles verloren sieht. Obwohl Williams alles durch hat, was die Schattenseiten des Starseins ausmacht, sieht Bandelow? die Sache gelassen: Man müsse die Hoffnung noch nicht aufgeben, Williams sei ja noch jung.

Presleys Glückskekse

Bandelow? bewegt sich quer durch die Geschichte. Er erzählt von der entarteten Kunst bei den Nazis und porträtiert den Narzissmus Mariah Careys. All diesen Menschen, so seine These, ist ein Mangel an Glückshormonen gemein. Eigentlich eine interessante Auflistung, die Bandelow? da bietet. Doch vor allem in dem Kapitel, in dem er sich mit ungeklärten Todesfällen befasst, scheint sich der Autor in seinen eigenen Theorien zu verfangen.

So stellt er fest, dass Elvis Presley kurz vor seinem Tod noch nicht so traurig gewesen sein könne, er hätte ja Kekse gegessen. Auch bei Marilyn Monroes Tod glaubt er an einen Unfall, schließlich habe die Schauspielerin nachmittags noch telefoniert. Das ganze gipfelt in der Vermutung, dass Prinzessin Dianas Tod die Höllenfahrt dreier Borderliner gewesen sei. Auch sonst scheint Bandelow nicht zimperlich zu sein. So bezeichnet er Courtney Love als talentloses Wesen, und man stellt sich die Frage, mit welcher Berechtigung er so scharf urteilt.

Hier beginnt dann der Punkt, wo man Bandelow? in die Nähe jener reißerischen Elemente stellt, die er seinen Untersuchspersonen ankreidet. In den Anfangskapiteln noch psychoanalytisch untermauert, schwankt der Autor immer mehr in Richtung eines so genannten „Unterhaltungsbuches“. Am Ende hat man den Eindruck, als hätte sich hier jemand zurechtgezimmert, was gut in die selbst erstellte Theorie passt. Unterhaltsam auf jeden Fall, glaubwürdig nicht immer.

Literaturangaben

  • Bandelow, Borwin: Celebrities. Vom schwierigen Glück, berühmt zu sein. Rowohlt Verlag, Reinbek 2006. 285 S., 16,95 €, ISBN: 978-3498006471


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