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Kreativität

Kreativität (von lat. creare, schaffen) wird als schöpferische Fähigkeit definiert, als Vermögen also, etwas Neues zu schaffen. Mit diesem Neuen sind Ideen oder Lösungen gemeint, die neu und zugleich situationsangemessen sind.

Einzelnes

In der Kreativitätsforschung existieren unterschiedliche Konzepte. Ganz allgemein wird Kreativität als eine Fähigkeit verstanden, eine adäquate Antwort auf eine neue Situation oder aber eine neue, aktuell angemessene Antwort auf eine alte Situation zu finden. Dieses Neue kann eine Problemlösung sein, eine Entdeckung, eine Erfindung oder aber ganz konkret ein neues Produkt.

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Der Psychologe und Kreativitätsforscher Robert W. Weisberg aus Philadelphia definiert Kreativität folgendermaßen:

"Kreativität ist ein kulturspezifisches zielgerichtetes Problemlösungsverhalten, das prozesshaft neue und unkonventionelle Lösungen hervorbringt. Es basiert a) auf bewussten (Zielgerichtetheit) und unbewussten (Inspiration) Prozessen und ist b) von der jeweiligen Expertise abhängig. Letztere wird von kognitiven und motivationalen Merkmalen einer Person beeinflusst."

Voraussetzung für Kreativität sind ein Erfolg versprechendes Tätigkeitsgebiet und ein fördernder soziokultureller Kontext. Bezogen auf die jeweilige Persönlichkeit, sind außerdem erworbene Expertise (Wissen) und Motivation (Neugier, Interesse, Ehrgeiz) notwendig. Entgegen landläufiger Meinung besteht kein Zusammenhang zwischen Kreativität und Manie/Wahnsinn. Allerdings braucht es, um kreativ zu sein, Risikofreude, also die Bereitschaft, sich auf Unbekanntes einzulassen.

Foto: Susanne Schmich/ www.pixelio.de.

Psychologische und neurobiologische Aspekte

Der Neurobiologe Gerald Hüther? nennt Bindung und Wachstum als die beiden bereits pränatal erfüllten Grundbedürfnisse, die auch nach der Geburt weiter befriedigt werden müssen, damit ein Mensch neugierig/kreativ sein und entsprechend viele und komplexe neuronalen Verschaltungen im Gehirn ausbilden kann. Die Verbindung voneinander weit entfernter Gehirnareale durch den aktivierten Assoziationskortex ist nach Rainer Holm-Hadulla?, Psychotherapeut und Kreativitätsforscher, unerlässliche Voraussetzung für kreatives Tun. Holm-Hadulla gebraucht für dieses Tun den Begriff des "ruhigen ungerichteten Denkens" , das nicht zielstrebig ist, sondern in die Breite und in die Tiefe des Unbewussten geht.

Kreativität lässt sich messen. Gemessen wird vor allem die Fähigkeit zu divergentem Denken, also dazu, für ein Problem eine Vielzahl ungewöhnlicher Lösungen zu finden. Die Probanden sollen zeigen, wie schnell und wie flüssig sie denken können. Bei solchen Tests zeigt sich: Bis zu einem IQ von 120 gibt es eine schwache Korrelation zwischen Intelligenz und Kreativität. Über diese Schwelle hinaus verschwindet der Zusammenhang. Das bedeutet: Intelligenz ermöglicht Kreativität, fördert sie aber nicht automatisch. Der Betreffende muss seine Kreativität gesondert ausbilden, unabhängig davon, wie intelligent er ist.

Kreativität und Kunst

Landläufig wird Kreativität gern auf die Fähigkeit verengt, künstlerisch tätig zu sein. In der Antike dachte man sich den Künstler durch einen Genius? geleitet. Bis zum Beginn der Neuzeit interpretierte man die Kreativität in Analogie zu Gottes Schöpferkraft. Im Sturm und Drang wurde der Geniebegriff? geboren, indem man die alte Vorstellung vom Genius wieder aufgriff. Heute wird Kreativität unabhängig von der Kunst gesehen. Allerdings ist Kreativität, neben Begabung und handwerklichem Können, ein wichtiger Aspekt künstlerischen Tuns.

Die Kreativität begegnet wieder im Begriff des kreativen Schreibens. Diese Anleitung zu kreativ-sprachlichem Tun beinhaltet assoziierendes, gestaltendes und überarbeitendes Handeln. Auch hier spielt der Geniebegriff keine Rolle mehr, vielmehr wird vorausgesetzt, dass bei entsprechender Anleitung jeder Mensch in der Lage ist, schreibend-krativ tätig zu sein.

Der kreative Prozess

Der kreative Prozess wird üblicherweise in folgendes Phasenmodell unterteilt:

Vorbereitung

Das Thema wird gesichtet, Wissen wird erworben und Motivation angesammelt.

Inkubation

Im Wechsel von freiem Phantasieren? und zielgerichteter Aktivität wird eine Lösung "ausgebrütet".

Illumination

Eine Einsicht stellt sich – meist zögernde und schrittweise – ein.

Realisierung

Gemäß der Einsicht wird das Thema ausgearbeitet.

Verifikation

Der Schaffende prüft sein Werk?, ebenso sein Umfeld, das ihm eine Rückmeldung gibt.

Literatur

  • Holm-Hadulla, Rainer M.: Kreativität. Konzept und Lebensstil. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen, 2. Aufl. 2007
  • Hüther, Gerald: Neurobiologische Grundlagen von Neugier und Kreativität. Vortrag beim 6. Interdisziplinären Symposium „Ressourcenorientierte Psychotherapie und zeitgenössische Kunst“ anlässlich der Documenta 12 im Jahr 2007, hg. v. Bernd Ulrich, Auditorium Netzwerk, Müllheim-Baden 2008
  • Weisberg, Robert W.: Creativity - Beyond the Myth of Genius. New York 1993

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