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Frankfurter Buchmesse

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Die Frankfurter Buchmesse ist die größte und bedeutendste Buchmesse der Welt. Sie findet alljährlich im Oktober auf dem Messegelände in Frankfurt am Main statt. Fast 300.000 Besucher, 30 Prozent davon aus dem Ausland, können sich inzwischen an den Ständen von über 7.300 Ausstellern aus mehr als 100 Ländern über die neuesten Trends auf dem Buchmarkt informieren. Das Hauptaugenmerk der Messe, die auch die Beteiligung deutscher Verlage an rund 20 internationalen Buchmessen organisiert, liegt auf der geschäftlichen Ebene.

Hier treffen sich Verleger, Agenten?, Buchhändler, Bibliothekare, Wissenschaftler und viele mehr, um sich über die neuesten Trends zu informieren, Kontakte zu knüpfen und Geschäfte abzuschließen. Deswegen ist die Buchmesse auch von Mittwoch bis Freitag den Fachbesuchern vorbehalten, lediglich am Wochenende öffnet sie ihre Tore auch für andere Besucher.

Geschichte

Messen, die als Schauveranstaltungen mit Marktcharakter eine der wichtigsten Attraktionen im Jahr bildeten, gab es schon seit dem Mittelalter?. Sie waren terminlich meist an das Fest eines Schutzheiligen angebunden, daher auch der Name "Messe", vom lateinischen "missa". Traditionell fanden sie im Frühjahr und Herbst statt, bevorzugt an überregional bedeutsamen Handelsplätzen. Von reinen Warenmessen, auf denen die Produkte verkauft wurden, entwickelten sie sich immer mehr zu Mustermessen, auf denen die Produkte dem Handel präsentiert wurden.

Die Tradition Frankfurts als Messeplatz reicht weit in die Vergangenheit zurück. Erstmals erwähnt wird er im Jahr 1150 - damals als "Frankfurter Herbstmesse". Im Zentrum des Austausches standen vor allem teure Gebrauchsgüter wie Waffen, Gewürze und Stoffe, aber auch allgemeine Gebrauchsgüter. Schnell entwickelten sich die "Herbst-" und die 1330 hinzu gekommene "Frühjahrsmesse" zu internationalen und wichtigen Universalmessen.

Ermöglicht wurde dies zu einem großen Teil durch die Privilegien, die der Kaiser den Messeteilnehmern einräumte. Sie besaßen die so genannte Messefreiheit, die es jedem ermöglichte, Waren auf der Messe anzubieten und zu verkaufen. Außerdem genoss jeder Teilnehmer der Messe freies Geleit in der Stadt und eine Woche vor und nach Messebeginn Geleitschutz von und nach Frankfurt. Ein einheitliches Messegelände wie heutzutage gab es damals aber noch nicht. Im Mittelalter und auch noch in der Neuzeit erstreckte sich die Messe über die Marktplätze Frankfurts und damit über die gesamte Stadt.

Aufschwung

Bereits für das Jahr 1370 ist in Frankfurt am Main eine "Messe für Bücher" belegt. Als Johannes Gutenberg im benachbarten Mainz um 1450 den Buchdruck erfand, wurde Frankfurt zum in Europa führenden Handelsplatz für die nach Gutenbergs Methode hergestellten Bücher. Die wurden übrigens damals noch in losen Bogen in Holzfässern transportiert.

Im Jahr 1564 verlegte der Augsburger Buchhändler Georg Willer den ersten Messkatalog? - ein Verzeichnis der Bücher, die er auf der Frankfurter Herbstmesse erworben hatte. Der Katalog erschien fortan jährlich, bis 1627. Doch bereits ab 1598 gab der Rat der Stadt Frankfurt einen eigenen Messkatalog heraus. In Leipzig war dies sogar schon vier Jahre früher geschehen.

Niedergang

In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts blühte das Messewesen allgemein auf und mit ihm auch die Buchmessen. In Leipzig erwuchs Frankfurt nun eine ernstzunehmende Konkurrenz. Im 18. Jahrhundert, in der Zeit der Aufklärung?, hatte die Leipziger Buchmesse die Frankfurter dann überflügelt. Um 1730 wies der Frankfurter Messkatalog? gerade mal 100 Buchtitel auf, der Leipziger dagegen 700.

In der Pleißestadt waren viele Verlage und graphische Betriebe ansässig geworden, und seit 1825 residierten auch der damals sogenannte Börsenverein der deutschen Buchhändler? sowie ab 1912 die Deutsche Bücherei, die seit 1990 Teil der Deutschen Nationalbibliothek? ist. Die Frankfurter Messe verkam überwiegend zu einer Zusammenkunft von Raubdruckern. Im 19. Jahrhundert wurde sie gänzlich bedeutungslos.

Neustart

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1949, nach der Teilung Deutschlands, gelang es zwei Frankfurter Buchhändlern, die Buchmessetradition wiederzubeleben. Vom 18. bis 23. September versammelten sich 205 deutsche Aussteller in der Frankfurter Paulskirche. 14.000 Besucher kamen, und insgesamt 10.000 Titel wurden präsentiert. Es war die erste Buchmesse nach dem Zweiten Weltkrieg. Seither ist die Frankfurter Buchmesse stetig gewachsen und hat sich zur mittlerweile größten und bedeutendsten Buchmesse weltweit entwickelt. Im Lauf der Jahrzehnte hat sie bereits viele Kosenamen erhalten, die teilweise auch den zeitgeschichtlichen Kontext widerspiegeln: „Rheumamesse“ (1950), „Polizeimesse“ (1968) oder aber „Medienmesse“ (2007).

In Leipzig wurde die Messe-Tradition, die auch zu DDR-Zeiten nicht abgerissen war, nach der Wende mit einem Literaturfestival 1991 wieder neu belebt. Heute besteht eine Art Arbeitsteilung zwischen beiden Messen: Die Leipziger gilt als die familiärere, mehr auf das Publikum zugeschnittene Veranstaltung sowie als Treffpunkt vor allem ostdeutscher Buchhändler. Die Frankfurter Buchmesse ist in erster Linie Fachmesse. Das Publikum wird nur an den letzten beiden Tagen zugelassen.

Die Frankfurter Buchmesse heute

Für Verleger und Buchhändler, für Agenten?, Übersetzer und andere Dienstleister, für Bibliothekare, Filmproduzenten, Illustratoren?, Künstler, Drucker? und Verbandsvertreter bedeutet die Frankfurter Buchmesse heute einen der wichtigsten Termine im Bücherjahr.

Die Frankfurter Buchmesse ist vor allem dem Börsenverein des Deutschen Buchhandels zu verdanken. Ein etwas seltsam klingender Name für eine Standesorganisation des Buchhandels? - mit der Börse hat sie gar nichts zu tun: Anfangs "Buchhändler-Börse" genannt, kümmerte sich der Verein ab 1792 um die Abrechnung der Händler und Verleger, die auf der Leipziger Buchmesse ausstellten. Am 30. April 1825 gründete sich aus diesem privaten Dienstleistungsunternehmen der Börsenverein der Deutschen Buchhändler zu Leipzig: Der erste internationale Berufsverband des Buchhandels war hiermit ins Leben gerufen. Heute agiert der Börsenverein als die Vertretung des Berufsstandes der Buchhändler. Er vertritt die Interessen des deutschen Buchmarkts.

Zahlen und Fakten

Seit den Anfängen sind aus 200 deutschen mehr als 7.300 Aussteller aus rund 100 Ländern geworden, aus anfänglich 10.000 rund 400.000 ausgestellte Titel. Die Ausstellungsfläche umfasst heute an die 172.000 qm, verteilt auf 5 Messehallen, 13 Hallenebenen und das Freigelände.

Mit mehr als 2.500 Autorenlesungen, Vorträgen, Diskussionen, Aufführungen, Filmvorführungen und anderen Veranstaltungen in und um Frankfurt präsentiert sich die Messe auch nach außen als kulturelles Großereignis. 2006 beispielsweise wurde das Heer der Besucher durch 12.000 Journalisten angeführt, die alleine etwa 900 TV-Beiträge ablieferten und damit in mehr als 4.100 Sendeminuten rund 300 Millionen Zuschauerkontakte hatten.

2007 kamen insgesamt 283.293 Menschen auf die Frankfurter Buchmesse, davon waren 182.668 Fachbesucher.

2008 erlebte die Buchmesse den besucherstärksten Tag ihrer Geschichte überhaupt: Am Samstag, 18. Oktober, strömten 78.218 Menschen auf das Gelände - das waren 8,1 Prozent mehr als am Vergleichstag im Vorjahr. Die Gesamtbesucherzahl 2008 betrug 299.112 (5,6 Prozent mehr als im Vorjahr), die Zahl der Fachbesucher 186.240 (2 Prozent mehr als im Vorjahr).

2011 waren 7.384 Aussteller aus 106 Ländern vor Ort, und über 3.200 Veranstaltungen zogen rund 280.194 Besucher an - rund ein Prozent mehr als im Vorjahr.

2012 wurden 281.753 Besucher gezählt, 0,6 Prozent mehr als im Vorjahr. An den Fachbesuchertagen wurden jedoch 1,6 Prozent weniger Besuche gezählt. Immer wichtiger wird der Rechtehandel?: Das Literarische Agentenzentrum? wuchs um 4,4, Prozent gegenüber 2011.

Die Zahlen 2013

Im Jahr 2013 schrumpfte die Besucherzahl um 2% auf 275.342, ebenso ging die Zahl der Fachbesucher um etwa 2% auf 142.921 zurück. Bei den Ausstellern lag die Messe mit etwa 7300 auf dem Niveau des Vorjahres.

Von der Buch- zur Medienmesse

Nicht nur Buchverleger, sondern auch Software- und Multimedia-Anbieter gehören mittlerweile zu den Ausstellern in Frankfurt. Eine Gemeinschaftsausstellung mit der Spielmesse Nürnberg wurde eingerichtet. Im Jahr 2004 gab es zudem erstmals das Forum Film & TV. Es fungiert als Marktplatz für den Handel mit Filmrechten, außerdem finden Workshops, Diskussionen und Filmvorführungen mit Starbesetzung statt.

Seit 2004 wird in jedem Jahr die "Beste internationale Literaturverfilmung?" prämiiert. Die Auszeichnung ist mit 10.000 Euro dotiert und wird während der Buchmesse im Rahmen der feierlichen Gala des Hessischen Film- und Kinopreises in der Alten Oper Frankfurt vergeben. Im Jahr 2007 erhielt der britische Regisseur Michael Winterbottom den Preis für sein Werk "A mighty Heart". Es basiert auf der gleichnamigen autobiographischen Geschichte der französischen Journalistin Mariane Pearl.

Der Anteil der Hörbuchverlage auf der Messe wächst stetig. Im Jahr 2005 freuten sich die Händler über einen Umsatzzuwachs von mehr als 14 Prozent. 2007 präsentierten sich mehr als 700 internationale Aussteller, die Hörbücher im Programm hatten.

Die Digitalisierung des Büchermarktes war ein wichtiges Thema auf der Messe 2008. Besonders in den Feuilletons dominierte die Berichterstattung über elektronische Lesegeräte wie z. B. das E-Book.

Gastländer
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Seit 1988 präsentiert sich alljährlich jeweils die Literatur eines Gastlandes oder einer Kulturregion auf der Frankfurter Buchmesse. Vor 1988 stand die Messe unter spezifischen Themenschwerpunkten, die von Kinder- und Jugendliteratur über Religionen bis hin zu George Orwell reichten. Ein Thema konnte durchaus auch eine für den internationalen Buchmarkt interessante Region sein. 1976 beispielsweise bildete die lateinamerikanische Buchwelt das Zentralthema, 1980 Schwarzafrika. In der Zwischenzeit kann sich die Frankfurter Buchmesse rühmen, Gastgeber für Nationen aus aller Welt gewesen zu sein.
Liste aller bisherigen Gastländer und Themen

Frankfurter Antiquariatsmesse
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Etabliert hat sich mittlerweile die in die Buchmesse integrierte Frankfurter Antiquariatsmesse?, ebenfalls eine der größten der Welt, die seit 2005 der Frankfurter Buchmesse angeschlossen ist. Auf rund 1.000 qm präsentieren rund 100 Antiquariate ihre Schätze. Verkaufshöhepunkt des Jahres 2006: Ein Kochbuch? aus dem Jahre 1480 erzielte die Rekordsumme von 40.000,- Euro.

Internationale Aktivitäten

Die Frankfurter Buchmesse gehört neben den Goethe-Instituten, dem Auswärtigen Amt und der Stiftung Pro Helvetia zu den Institutionen, die weltweit deutsche Literatur im Ausland vermitteln. Als Dachorganisation für deutsche Verlage koordiniert sie die Präsentation Deutschlands bei ausländischen Buchmessen, so etwa auf der Bookworld in Prag und der Buchmesse in Warschau. Angeschlossen sind Auslandsbüros in Peking, Moskau, Warschau und Bukarest sowie das German Book Office (GBO) in New York. Seit 2006 ist die Frankfurter Buchmesse im Rahmen eines Joint Ventures Mitausrichterin der neu ins Leben gerufenen Cape Town Book Fair?, der Buchmesse Kapstadt.

LitCam

2006 rief die Frankfurter Buchmesse gemeinsam mit dem Bundesverband Alphabetisierung und Grundbildung, dem Deutschen Volkshochschulverband sowie dem UNESCO Institut für Lebenslanges Lernen eine Literarisierungskampagne ins Leben. Die LitCam (Frankfurt Book Fair Literacy Campaign) soll die Brisanz des Themas einer breiten Öffentlichkeit - sowie wichtigen Multiplikatoren aus Politik, Wirtschaft und Medien - deutlich machen. Sie engagiert sich in der Alphabetisierungsarbeit und für die Grundbildung in Schwellenländern und gegen funktionalen Analphabetismus vor allem von jungen Migranten in den Industriestaaten.

Literaturpreise

Im Rahmen der Frankfurter Buchmesse werden mehrere Literaturpreise vergeben: der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels, der Deutsche Jugendliteraturpreis, der Deutsche Buchpreis und - erstmals im Jahr 2007 - der Deutsche Wirtschaftsbuchpreis.

Friedenspreis des Deutschen Buchhandels

Seit 1950 wird alljährlich zur Frankfurter Buchmesse der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels verliehen. Mit ihm ehrt der Börsenverein des Deutschen Buchhandels? Autoren, "die sich durch literarische, wissenschaftliche und künstlerische Tätigkeit zur Verwirklichung des Friedensgedanken in hervorgehobenem Maße verdient gemacht haben." Die Preisverleihung findet stets am Messesonntag in der Frankfurter Paulskirche statt.
Mehr Infos zum Friedenspreis des Deutschen Buchhandels

Deutscher Buchpreis

Seit dem Jahr 2005 wird während der Buchmessenwoche jährlich der beste deutschsprachige Roman mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet. Gestiftet wird der mit 37.500 Euro dotierte Preis vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels. Als Partner sind an der Preisverleihung das Ehepaar Langenscheidt, der Spiegel, die Stadt Frankfurt und die Frankfurter Buchmesse beteiligt.

Verlage aus Deutschland, Österreich und der Schweiz können sich alljährlich mit bis zu zwei deutschsprachigen Romanen aus dem aktuellen oder geplanten Programm um die Auszeichnung bewerben. Die Bücher müssen zwischen Oktober des Vorjahres und September des jeweiligen Messejahres erscheinen.
Mehr Informationen zum Deutschen Buchpreis

Deutscher Jugendliteraturpreis

Im Rahmen der Frankfurter Buchmesse wird jährlich der Deutsche Jugendliteraturpreis vergeben. Im Jahre 1956 stiftete das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend den "Deutschen Jugendbuchpreis". Dieser Preis soll jedes Jahr herausragende und lesenswerte Kinder- und Jugendbücher prämieren. Anfangs wurde er in den Kategorien Kinderbuch und Jugendbuch verliehen, ab 1964 kamen die Auszeichnungen für das beste Bilderbuch und das beste Sachbuch hinzu. Seit 1981 heißt er "Jugendliteraturpreis".

Die Preisverleihung findet jährlich am Freitag der Buchmessewoche statt und wird vom Bundesfamilienminister vorgenommen. Die Preisträger in den vier Kategorien erhalten jeweils 8.000 Euro Preisgeld und eine Skulptur von Michael Endes bekannter Romanfigur Momo.

Aus den zahlreichen Vorschlägen, die jedes Jahr beim Organisator, dem Arbeitskreis für Jugendliteratur e.V. (AKJ), eingehen, werden pro Kategorie sechs Bücher nominiert. Dabei handelt es sich nicht nur um deutsche, sondern auch zahlreiche ausländische Werke in deutscher Übersetzung.

Zusätzlich zu den vier Hauptpreisen vergibt die Kritikerjury jedes Jahr den Sonderpreis für das Gesamtwerk eines deutschen Autors oder Autorin. Unabhängig von der Kritikerjury vergibt eine Jugendjury ihren eigenen Preis. Seit fünf Jahren nominieren sechs Leseclubs aus ganz Deutschland ihre Lieblingsliteratur und das prämierte Buch wird mit dem "Preis der Jugendjury" ausgezeichnet.

Sekundärliteratur

  • Bücher über die Frankfurter Buchmesse bei Jokers
  • Weidhaas, Peter: Zur Geschichte der Frankfurter Buchmesse. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2004. ISBN: 978-3518455388

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