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Der weiße Planet - das Buch zum Film

von
Thierry Ragobert und Thierry Piantanida

Das Etikett "Buch zum Film?" kann alles oder nichts bedeuten. Wenn selbst die Bibel nach einer Mammutverfilmung als "Buch zum Film" beworben wurde, ist es blanker Quatsch. In anderen Fällen liefern "Filmbücher" in lesbare Form gebrachte Drehbücher oder – wie z.B. beim "Herrn der Ringe" – Hintergrundinformationen zu den Dreharbeiten in der Art eines "Making of". Anders liegt die Sache hier: Der Film "Der weiße Planet" ist eine Dokumentation, die in deutschen Kinos im Dezember 2006 anlief.

Nun sind auch Dokumentarfilme im Laufe der Jahre einem starken Wandel unterworfen gewesen. Stand in der Frühzeit des Dokumentarfilmes eine möglichst realistische Abbildung fremder und exotischer Landschaften, Menschen, Tiere oder Pflanzen im Vordergrund für Kurzfilme, die dann als "Kulturfilme" vor der eigentlichen Hauptvorstellung im Kino liefen, begannen in den 1940er und 1950er Jahren des letzten Jahrhunderts Filmkünstler und Hobbywissenschaftler wie Walt Disney, Jacques Cousteau oder Hans Hass, durch eigenes Eingreifen in natürliche Vorgänge und Schnitttechnik der Natur eine künstliche Dramaturgie zu verleihen. In einzelnen Fällen entstanden dabei faszinierende, gleichwohl der dargestellten Natur z.T. völlig wesensfremde Kunstwerke.

Heute versucht man, eine sowohl verhaltensgerechte als auch ökologisch korrekte Darstellungsweise mit optischer Faszination und/oder wirkungsvoller Kommentierung zu verbinden. Die Filme "Mikrokosmos", "Nomaden der Lüfte" (aus derselben "Werkstatt") oder "Die Reise der Pinguine" stehen dafür als Beispiele. Hier geht es nun um die arktische Nordpolarregion, die die Autoren des Filmes bei einem anderen Projekt zu einer abendfüllenden Dokumentation inspirierte. Das "Buch zum Film" ist einige Anmerkungen wert.

Zunächst erfüllt es keine der oben genannten "Voraussetzungen", was aber unbedingt als Vorteil anzusehen ist. Das großformatige? Buch bietet zwar zahlreiche eindrucksvolle Standfotos aus dem Film, ergänzt diese aber durch knappe, leicht verständliche und sehr interessant aufgemachte Informationen zu Tieren und Ökologie des Polarraumes. Eine vollends runde Sache wird es aber durch die den jeweiligen Tieren zugeordneten Inuitlegenden, die atmosphärisch wie menschlich anrührend einen Zugang zu der doch recht fremden Welt des ewigen Eises schaffen. Es fehlen auch nicht die sinnvollen Hinweise auf die zivilisationsverursachte Gefahr des veränderten, teilweise zerstörten Lebensraumes, wo das Eis eben nicht mehr "ewig" ist.

Den rundum positiven Gesamteindruck verstärken noch die sehr ansprechenden Linolschnitte und ethnischen Motive, die die Teile über die Inuit (auf matt hellblauem Grund) illustrieren. Fazit: Ein Filmbuch?, das sehr gut auch ohne den Film und die Kenntnis davon bestehen kann, informativ, einfühlsam und sorgsam ausgewogen präsentiert.

Originalbeitrag unter www.alliteratus.com

Literaturangaben

  • Der weiße Planet - das Buch zum Film. Gerstenberg Verlag, Hildesheim 2006, 60 S., 14,90 €, ISBN-10: 3-8067-5128-5


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