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Legende

Die Legende ist ursprünglich eine im religiösen Sinne erbauliche, volkstümliche Erzählung aus dem Leben eines Heiligen. In allen Literaturepochen war sie ein beliebtes literarisches Genre – wenn der eindeutig religiöse Bezug auch mit der Zeit (insbesondere nach der Reformation?, Luther? sprach von „Lügende“) verloren ging. Ihr Einfluss auf die Literatur und Bildende Kunst ist groß.

Definition

Die Legende (lat. Legenda = das zu Lesende) ist ursprünglich eine im religiösen Sinne erbauliche, volkstümliche Erzählung (zumeist in Prosa, zuweilen auch in Versen) aus dem Leben eines Heiligen. Es gibt Legenden in verschiedenen literarischen Ausformungen: Romane, Erzählungen, Balladen, Dramen. Eine Spezialform ist die Heiligenhymne?, die neben der Erbauung des Lesers und Zuhörers vor allem der Lobpreisung des Heiligen und seines Lebens oder seiner Taten dient.

Besonders populäre Protagonisten für christliche Heiligenlegenden sind Jesus, Maria, die zwölf Apostel, aber auch verschiedene Märtyrer, Ordensstifter und Schutzpatrone. Indem Legenden das gottgefällige Leben eines glaubensstarken oder von Gott besonders begnadeten Menschen schildern, sollen sie dem Leser und Zuhörer als spirituelles Vorbild dienen und zur Nachahmung anregen. Legenden wurden vorwiegend zu besonderen Anlässen (Gottesdienste, Festtage, Klostermahlzeiten) vorgetragen. Neben den Apokryphen? und mündlichen Überlieferungen gehören orientalische Erzählungen zu den wichtigsten Quellen.

Legenden gibt es nicht nur im christlichen Glaubensbereich, sondern auch im Islam und Buddhismus. Die Legende ist von der Heiligenvita? zu unterscheiden, in deren Mittelpunkt die Aufzeichnung vom (kirchlicherseits) belegten Leben, Wirken und Tod eines Heiligen steht.

Entstehung und Entwicklung

Eine erste Blütezeit erlebte die Legende im 6. Jahrhundert. Im Zuge der Verbreitung der Heiligenverehrung entstanden die ältesten bekannten dichterischen Ausformungen, zu deren bedeutsamsten Zeugnissen vor allem die von G. v. Tours? stammende „Siebenschläfer-Legende“ gehört. Die älteste in lateinischer Sprache verfasste Legendensammlung geht auf Papst Gregor I. zurück („Dialogi de miraculis patrum Italicorum“, 6. Jahrhundert).

Zu einer zweiten Blüte kam es in der Karolingerzeit, als Roswitha von Gandersheim? sechs Legendenerzählungen in Reimprosa und acht Legendendramen in Hexametern? verfasste. Gegenstand von Gandersheims? Legenden sind vorwiegend Klosterheilige.

Die Legende im deutschen Sprachraum

Die deutschsprachige Legendendichtung begann mit dem althochdeutschen? „Georgslied“ (um 900). Der spirituelle Keim der Legendendichtung im deutschen Sprachraum lag im mittelalterlichen Marien- und Heiligenkult. Mit den Kreuzzügen kam es zu einer ungeahnten stofflichen Erweiterung, die ab Mitte des 12. Jahrhunderts zum Höhepunkt der deutschsprachigen Legendendichtung führte.

In dieser Zeit wurden Legenden zumeist in Versform verfasst. Zu den bedeutendsten Werken? gehören die höfischen Legenden? Hartmann von Aues? („Gregorius“ 1187/89, „Der arme Heinrich“ um 1195) und Rudolf von Ems? („Der Gute Gerhard“ um 1220, „Barlaam und Josaphat“ um 1225). Doch gab es nicht nur die reine Legendendichtung: Häufig wurden Legenden auch in andere literarische Werke eingestreut, so zum Beispiel in das „Annolied“ (1077) und die „Kaiserchronik“ (1135).

Im 14. Jahrhundert kam es in der Folge des von Herbort von Fritzlar? verfassten Sammelbandes „Heiligenbuch“ (um 1350) zu einer rasanten Zunahme von Legendendichtungen in Prosaform. Der Buchdruck? trug wesentlich zur Popularität dieser Sammelbände bei.

Die Legende in der Zeit nach der Reformation

In der Reformation? trat die Legende mehr und mehr in den Hintergrund. Trotz anfänglicher Sympathie für diesen Lesestoff sprach Luther? später nur noch von „Lügenden“, was mit seiner Kritik am kirchlichen Heiligenkult zusammenhing. Dennoch lebten Heiligen- und Märtyrererzählungen in der Unterhaltungsliteratur? fort und fanden auch Eingang in die weltliche Dichtung.

Unter dem Einfluss der Gegenreformation und des Barock? kam es zu einer Wiederbelebung der Legendendichtung, von der das Jesuitendrama? und die Predigtliteratur? (Abraham a Santa Clara?) ein eindrucksvolles Zeugnis ablegen. Im Humanismus? und in der Aufklärung? trat die Legende dann wieder zurück und lieferte zum Teil nur noch Stoff für Parodien und Travestien?.

Im 18. Jahrhundert machte sich J. G. Herder? – weniger aus religiösen denn aus poetischen Gründen – für eine Neubelebung der Legende stark. Mit Erfolg, denn in Romantik und Biedermeier? kam es unter dem Einfluss von Autoren? wie A. von Arnim, C. Brentano? und E. Mörike zu einer erneuten Blütezeit der Legendendichtung. Diese Blütezeit hielt jedoch nicht lange an und es kam zum Niedergang dieses literarischen Genres.

Nur sehr vereinzelt nahmen sich im 20. Jahrhundert deutschsprachige Autoren der Legende an. Zu nennen sind hier vor allem G. Hauptmann („Der arme Heinrich“ 1902), J. Roth („Die Legende vom heiligen Trinker“ 1939) und Th. Mann („Der Erwählte“ 1951).

Die größte Legendensammlung ist übrigens die „Acta sanctorum“ der jesuitischen Bollandisten, die in der Zeit von 1643 bis 1794 in 70 Bänden erschien und mehr als 25.000 Legenden enthält.

Sekundärliteratur

  • Ecker, Hans-Peter: Die Legende. Stuttgart, Metzler Verlag 2001, ISBN: 978-3476008992
  • Karlinger, Felix: Legendenforschung. Aufgaben und Ergebnisse. Darmstadt, Wissenschaftliche Buchgesellschaft 1986, ISBN: 978-3534017737
  • Keller, Hiltgart L.: Reclams Lexikon der Heiligen und der biblischen Gestalten. Legende und Darstellung in der bildenden Kunst. Ditzingen, Reclam Verlag 2005, ISBN: 978-3150105702

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