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Friedländer, Saul

Saul Friedländer (geb. 11. Oktober 1932 in Prag) ist ein israelischer Historiker?. Er lebt vorrangig in Los Angeles. Er ist Träger des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels 2007.

Leben und Schreiben

Saul (eigentlich Pavel) Friedländer wurde am 11. Oktober 1932 als Kind deutschsprachiger Juden in Prag geboren. Sein Vater war Beamter einer Versicherungsgesellschaft. Nachdem Prag von deutschen Truppen besetzt worden war, emigrierte die Familie 1939 nach Frankreich.

Nach der Kapitulation Frankreichs 1940 hatte die Familie keine Möglichkeit zur weiteren Flucht. Die Eltern gaben Saul Friedländer in ein Internat, wo er den Namen Paul-Henri Ferland erhielt und getaufter Katholik wurde. Dort überlebte er den Zweiten Weltkrieg und den Holocaust. Den Eltern misslang die Flucht in die Schweiz. Sie wurden vermutlich 1942 in Auschwitz ermordet.

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Nach dem Ende des Krieges verließ Saul Friedländer das Internat und wandte sich dem Judentum zu. 1948 ging er nach Israel, wo er an der School of Law and Economics in Tel Aviv studierte. 1955 erhielt er am Pariser Institut d’Etudes Politique das Diplom der Politikwissenschaften. 1963 erfolgte in Genf die Promotion. Der Titel der Dissertationsschrift war „Le facteur américain dans la politique étrangère et militaire de l’Allemagne, 1939-1941“. Saul Friedländer war von 1967-1987 als ordentlicher Professor an der Universität Genf tätig. 1976 nahm er zudem einen Lehrstuhl für moderne europäische Geschichte an der Universität Tel Aviv an. Ab 1987 war er Ordinarius für Geschichte an der University of California in Los Angeles.

Im Zentrum der wissenschaftlichen Arbeit von Saul Friedländer steht die Auseinandersetzung mit dem Zweiten Weltkrieg und dem Holocaust. In der Studie? „Pius XII. und das Dritte Reich“ (1964) untersucht er das Verhalten des Papstes im Hinblick auf die Vernichtung der europäischen Juden. In „Kurt Gerstein oder die Zwiespältigkeit des Guten“ (1967) schildert er den Lebensweg eines gläubigen Christen, der als Angehöriger der SS zum Zeugen der Shoah wird. In „Wenn die Erinnerung kommt“ (1978) berichtet er von den Beziehungen zwischen seiner Kindheit und seinem gegenwärtigen Leben.

Als Quintessenz aus Saul Friedländers wissenschaftlicher Arbeit gilt das zweibändige Werk „Das Dritte Reich und die Juden“. Im ersten Band „Die Jahre der Verfolgung 1933-1939“ (1997) schildert er, wie die Vernichtung der Juden seit der Machtübernahme der Nationalsozialisten geplant wurde. Im zweiten Band „Die Jahre der Vernichtung 1939-1945“ (2006) erzählt er die Geschichte der Ermordung der europäischen Juden vom Beginn des Zweiten Weltkriegs bis zum Ende des Dritten Reiches. Dabei versucht Saul Friedländer, möglichst viele Perspektiven in den Blick zu nehmen. Das gelingt ihm, indem er nicht nur wissenschaftliche Quellen? und historische Dokumente? auswertet, sondern auch Briefe?, Erinnerungen? und Tagebücher integriert.

Saul Friedländer wurde mehrfach ausgezeichnet. Er erhielt unter anderem den Preis der Leipziger Buchmesse (2007), den Geschwister-Scholl-Preis? (1998) und den National Jewish Book Award? (1997).

2007 erhielt Saul Friedländer den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. In der Begründung hieß es, dass damit der epische Erzähler der Geschichte der Shoah, der Verfolgung und der Vernichtung der Juden in der Zeit nationalsozialistischer Herrschaft in Europa gewürdigt werde. Saul Friedländer habe den zu Asche verbrannten Menschen Klage und Schrei gestattet, Gedächtnis und Namen geschenkt. Im Mittelpunkt seiner Dankesrede bei der Preisverleihung am 14. Oktober 2007 in der Frankfurter Paulskirche standen unveröffentlichte Briefe von Friedländers Familie aus dem Jahr 1942. Der Preisträger sagte: "Ich bin mir darüber im Klaren, dass mir der Preis zu einem erheblichen Teil wegen der Thematik meiner Arbeit zuerkannt worden ist; und darum nehme ich in großer Demut eine Ehrung an, deren Bedeutung weit über jede individuelle Leistung hinausreicht."

Saul Friedländer lebt vorrangig in Los Angeles. Er hat drei Kinder und vier Enkelkinder.

Übrigens ...

Saul Friedländer ist einer der bedeutendsten Historiker? und Holocaust-Forscher. Im Wintersemester 2006/07 war er Gastprofessor am Jena Center-Geschichte des 20. Jahrhunderts (FSU) in Jena.

Auszeichnungen

Werke (Auswahl)

  • Bücher von Saul Friedländer bei Jokers
  • Das Dritte Reich und die Juden 2. Die Jahre der Vernichtung 1939–1945. München, C.H. Beck Verlag 2006, ISBN: 978-3406549663
  • Das Dritte Reich und die Juden. Die Jahre der Verfolgung 1933–1939. München, C.H. Beck Verlag 1998, ISBN-13: 978-3406435065
  • Den Holocaust beschreiben. Göttingen, Wallstein Verlag 2007, ISBN: 978-3835301856
  • Gebt der Erinnerung Namen. München, C.H. Beck Verlag 2007, ISBN: 978-3406421082
  • Kitsch und Tod. Der Widerschein des Nazismus. Frankfurt am Main, Fischer Taschenbuch Verlag 2002, ISBN: 978-3596113668
  • Wenn die Erinnerung kommt. München, C.H. Beck Verlag 2007, ISBN: 978-3406420535

Sekundärliteratur

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