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Das Tagebuch

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Das Tagebuch zeichnet sich aus durch seinen privaten und individuellen Charakter. Jedes Tagebuch stellt ein einzigartiges Dokument eines Lebens dar, wobei es Bruchstücke eines Lebens zusammenfügt und kein in sich abgeschlossenes Gesamtwerk? darstellt, wie etwa eine Autobiographie. Durch die subjektive Form der Darstellung gleicht kein Tagebuch einem anderen, sondern ist stets ein persönlicher Ausdruck des Daseins und folgt dementsprechend die Philosophie und Eigenwilligkeit des Schreibers. Da jedes Tagebuch einmalig ist und seinen eigenen Gesetzmäßigkeiten aufweist, lässt sich die Bezeichnung „Tagebuch“ nur bedingt in eine allgemeingültige Definition? fassen. Vielmehr sind es bestimmte Merkmale und Kriterien, die den Begriff „Tagebuch“ erfassen und eine Zuordnung erlauben.

Foto: Irene Wyrsch / pixelio.de

Merkmale des Tagebuchs

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Unter den Begriff „Tagebuch“ fallen tägliche oder zumindest regelmäßige schriftliche Aufzeichnungen aller Art in chronologische Reihenfolge. Diese Aufzeichnungen können aus Notizen?, Listen?, Fragen und unterschiedlich langen Texten bestehen, entweder per Hand geschrieben oder am Computer. Dabei werden einzelne Tagebucheinträge meistens mit Datum versehen, manchmal auch mit Überschriften?. Typisch für das Tagebuch ist das spontane Niederschreiben von Eindrücken, Ereignissen, Erinnerungen, Begebenheiten, Beobachtungen, Gedanken und Gefühlen.

Erzählt, berichtet oder reflektiert wird überwiegend aus der Ich-Perspektive des Schreibers. Ausschnitte aus dem Alltag gehen in das Tagebuch ebenso ein wie diverse Entwürfe, Pläne, Träume, Wünsche, Hoffnungen und Visionen. Die grenzenlose Freiheit, über alles offen schreiben zu können, schlägt sich oft in direkter und unmittelbarer Sprache nieder. Auf stilisierende Mittel wird weitgehend verzichtet, da häufig schubweise geschrieben wird und Einträge intuitiv und impulsiv entstehen.

Tagebücher spiegeln die vielen Facetten des Lebens wider und entsprechend vielfältig und bunt sind die Einträge. Mit der Entwicklung des Tagebuches veränderten sich jedoch auch die Schreibmethoden. Mit der Einführung von neuen Konzepten? und Methoden fanden Schreibmethoden des kreativen Schreibens vermehrt Anwendung und bereichern die Schreibstile des heutigen Tagebuchs.

Foto: Marko Greitschus / www.pixelio.de

Entwicklung des Tagebuchs

Im Laufe der Geschichte profitierte das Tagebuch von zahlreichen Strömungen, Tendenzen und Ideen aus Kultur und Gesellschaft verschiedener Länder. Die ersten tagebuchartigen Aufzeichnungen finden sich bereits in der Antike in Form von Tontafelkalendern?. Ein eindrucksvolles Beispiel liefern die 30.000 altpersischen Tontafeln? aus Persepolis. Neben Notizen über das Wetter, Marktpreise oder andere Dinge des Alltags, tauchen Berichte über Götter und Herrscher, Träume und dergleichen auf. Logbücher? und Chroniken? erfassen bald die wichtigsten Ereignisse für kleine oder größere Kreise im Mittelalter?. Mit der Zeit fließen immer mehr einzelne persönliche Meinungen und Bewertungen mit ein.

Seit der Renaissance weitete sich die Bedeutung des Tagebuchs immer weiter aus und gewann an kritische Betrachtung der Außenwelt und der eigenen Innenwelt. Das bloße Registrieren von Begebenheiten genügte längst nicht mehr, so dass sich journalistische Formen? des Tagebuchs ebenso entwickelten wie private Aufzeichnungen über das eigene Ich.

Das Gedankengut der Aufklärung? brachte ein neues Bewusstsein des Menschen, er wurde fortan als Einzelpersönlichkeit und vernunftbegabtes Wesen mit dem Recht auf Selbstbestimmung und Freiheit angesehen. Die Verbreitung von aufklärenden Schriften wie beispielsweise Zeitungen? begünstigte diese Entwicklung und führte zur verstärkten Auseinandersetzung mit dem Selbst, aber auch mit gesellschaftlichen Themen - von Glaubensfragen bis zur Politik.

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Mit Sigmund Freud und der Erforschung des Unbewussten wurde der Weg bereitet, um psychologische Kenntnisse beim Gebrauch von Tagebüchern mit einfließen zu lassen. Ira Progoff? entwickelte in den 1960er Jahren die Methode des Intensivtagebuchs?, wobei das Tagebuch in verschiedenen thematischen Sektionen unterteilt wird.

Von den ersten chronologischen? Aufzeichnungen bis zu den modernen Formen des heutigen Tagebuchs mit seinen vielseitigen Anwendungsmöglichkeiten war es ein langer Weg mit zahlreichen Einflüssen aus den Geisteswissenschaften und von Künstlern. Aus einfachen Formen entwickelten sich neue Konzepte und brachten kreative und experimentelle Tagebücher hervor, so wie zum Beispiel bei Anaïs Nin?. Viele Persönlichkeiten trugen auf ihre Art dazu bei, dass das Tagebuch zum schöpferischen Instrument der Lebensbewältigung geworden ist.

Motive und Motivation

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Wie sehr sich Tagebücher auch voneinander unterscheiden mögen, so finden sich doch stets wiederkehrende Motive. Ein wesentliches Motiv für den Tagebuchschreiber ist der Wunsch, Erinnerungen möglichst unverfälscht und getreu aufzuschreiben und zu bewahren. Das Tagebuch dient als Gedächtnisstütze, um Erinnerungslücken vorzubeugen und alles festzuhalten, was wichtig erscheint und später von Wert sein könnte.

Des Weiteren dient die Auseinandersetzung mit sich selbst, seinen Mitmenschen und der Umwelt als treibende Motivation. Indem der Tagebuchschreiber sich mit allen Lebensthemen kritisch und ehrlich auseinandersetzt, strebt er danach, Antworten zu finden, seine Welt zu deuten und ordnen, Emotionen und Ereignisse zu verarbeiten, um sich weiterzuentwickeln. In diesem Sinne ist das Schreiben eines Tagebuchs ein Mittel zur Erforschung des Selbst und der Welt und fördert die Selbstverwirklichung.

Foto: Clara Diercks / www.pixelio.de

Tagebuchformen

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Das Wort Tagebuch birgt immer noch die althergebrachte Vorstellung von einem Heft? oder Buch mit handschriftlichen Einträgen. Diese traditionelle Form des Tagebuchs reicht weit in die Geschichte zurück und ist bis heute erhalten geblieben. Nach wie vor werden für das Führen eines Tagebuchs schlichte Schreibhefte?, Notizbücher, Kalender? und Zeitplaner?, sowie gebundene Bücher in verschiedene Ausstattungen und Größen verwendet. Daneben finden sich jedoch auch Lose-Blatt-Sammlungen? und ungewöhnliche Formen als Tagebuch, zum Beispiel kleine Mitteilungen auf Holzstücke, wie sie in der Ausstellung „Absolut privat!? - Vom Tagebuch zum Weblog“ vom Frankfurter Museum für Kommunikation gezeigt wurden.

Neben dem klassisch geführten Tagebuch per Hand finden digitale Tagebuchformen zunehmend Verwendung - von einfachen Textprogrammen? über spezielle Software bis hin zu Weblogs?, den sogenannten Online-Tagebüchern. Darüber hinaus bilden sich zunehmend virtuelle Gemeinschaften und Treffpunkte für Tagebuchschreiber. Einerseits bieten sogenannte Tagebuch-Communities? jedem die Möglichkeit, ein privates oder öffentliches Tagebuch zu führen, andererseits können Einträge von anderen gelesen und kommentiert werden. Daneben werden soziale Netzwerke? wie Twitter? oder Facebook? als Tagebuch für Mitteilungen in Echtzeit genutzt.

Foto: siepmannH / www.pixelio.de

Arten von Tagebüchern

Obwohl viele Menschen immer noch gerne die klassische Variante wählen und alles, was sie bewegt, berührt und interessiert in einem Tagebuch vermerken, haben sich daneben spezielle Arten von Tagebüchern entwickelt. In ihnen wird, anders als beim herkömmlichen Tagebuch, das Schreiben gezielter eingesetzt und auf ein bestimmtes Thema eingegrenzt oder es dient einem besonderen Zweck. Solche Tagebücher verfolgen eine bestimmte Richtung oder dokumentieren spezielle Ereignisse, Projekte oder Lebensabschnitte. Herauskristallisiert haben sich vor allem folgende Tagebucharten:

  • Babytagebuch
  • Börsentagebuch
  • Büchertagebuch
  • Erfolgstagebuch
  • Familientagebuch
  • Glückstagebuch
  • Lese- oder Lerntagebuch
  • Literarisches Tagebuch
  • Mobbing-Tagebuch
  • Partnerschaftstagebuch
  • Philosophisches Tagebuch
  • Projekt-Tagebuch
  • Reisetagebuch
  • Schwangerschaftstagebuch
  • Traumtagebuch
  • Wissenschaftstagebuch

Das Tagebuch in der Literatur

Das Tagebuch fand und findet vielseitige Anwendung in der Literatur, sowohl in Gestalt echter Tagebücher von Schriftstellern und anderen Persönlichkeiten wie auch als fiktive Tagebücher. Veröffentlichte Tagebüchern von Schriftstellern und Prominenten finden sich neben denen von Menschen aus allen sozialen Schichten und Berufen sowie neben Aufzeichnungen von ungewöhnlichen Schicksalen und als zeitgeschichtliches Selbstzeugnis wie zum Beispiel bei Anne Frank.

Die unmittelbare Form des Tagebuchs bietet viel Raum für die literarische Gestaltung und entsprechend groß ist die Auswahl an Romanen, die fiktive Tagebuchaufzeichnungen enthalten. Fiktive Tagebücher sind nach wie vor sehr beliebt, so zeigt es der Erfolg von den Buchreihen „Tagebuch eines Vampirs“ von Lisa J. Smith? und „Gregs Tagebuch“ von Jeff Kinney?.

Das moderne Tagebuch

Zwischen Tradition und Tastatur? bewegt sich das moderne Tagebuch. Wenn das private und handgeschriebene Tagebuch immer noch brandaktuell ist, so entstanden durch die Technik weitere Möglichkeiten, ein Tagebuch zu führen und es nach Belieben mit anderen zu teilen. Tagebücher bewegen sich heute zwischen Öffentlichkeit und Privatsphäre. Obwohl viele Gedanken und Erlebnisse für jeden öffentlich gemacht werden, bleibt das traditionelle Tagebuch überwiegend für die privaten Eintragungen bestimmt, ob sie nun per Hand in einem Buch notiert werden oder mittels einer Tastatur zum Speichern auf einem elektronischen Medium.

Tagebücher boten seit jeher Wissenschaftlern und interessierten Laien gewinnbringendes Material für ihre Studien. Das Deutsche Tagebucharchiv (DTA)? in Emmendingen archiviert? Tagebücher für die Nachwelt. Damit wird die Geschichte des Tagebuchs weiterhin fortgesetzt und dokumentiert?.

Sekundärliteratur

  • Bücher und Anregungen rund ums Tagebuch bei Jokers
  • Baldwin, Christina: Das kreative Tagebuch. Tagebuchschreiben als Zwiesprache mit sich selbst, O. W. Barth 1992, ISBN 3502670609
  • Hocke, Gustav René: Europäische Tagebücher aus vier Jahrhunderten. Motive und Anthologie. Fischer Taschenbuch-Verlag, Frankfurt am Main 1991, ISBN 3-596-10883-7
  • Mardorf, Elisabeth: Ich schreibe täglich an mich selbst: Kreativ leben mit dem Tagebuch, Books on Demand; 1. Auflage 2008, ISBN 383704646X
  • Meier-Dell´Olivio, Rosemarie: Schreiben wollte ich schon immer: gekonnt Tagebuch führen. Schärft die Sinne, befreit die Seele. Zürich: Oesch, 2001, ISBN: 3-8583-3585-1
  • Rainer, Tristine: Tagebuch schreiben, Autorenhaus Verlag, 2005, ISBN: 393290947X
  • Trobisch Stewart, Katrine: Mehr als ein Augenblick. 1. Auflage Brockhaus 2001, ISBN 3417247047
  • Werder, Lutz von: Einführung in die philosophische Lebenskunst. Die Kunst ein philosophisches Tagebuch zu schreiben. 2. Auflage Schibri-Verlag, Berlin 2007, ISBN 3-933978-04-1
  • Werder, Lutz von und Barbara Schulte-Steinicke: Schreiben von Tag zu Tag: Wie das Tagebuch zum kreativen Begleiter wird. Ein Handbuch für die Praxis, 1. Auflage Patmos 2008, ISBN 3491401380

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