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Schillerhaus in Rudolstadt

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Das Haus der Familie von Lengefeld-Beulwitz wurde nach aufwendiger Restaurierung, Sanierung und Modernisierung 2009 als Museum „Schillerhaus“ eröffnet. Die Ausstellung richtet ihr Augenmerk auf Friedrich Schillers Aufenthalt im Sommer 1788 in Rudolstadt. Er beschäftigte sich intensiv mit seinen Leidenschaften – der Historie und den Frauen. Eigentlich wünschte er, eine Enzyklopädie? der „merkwürdigsten Revolutionen“ zu schreiben. Davon schaffte er nur den ersten Band: über die Niederländische Rebellion. Die beiden Damen dieses Hauses – die Schwestern Caroline und Charlotte – beanspruchten wohl seine ganze Aufmerksamkeit. Schließlich mündete diese „Ménage à trois“ in die Hochzeit mit Charlotte von Lengefeld. Viele Berühmtheiten wie Wilhelm von Humboldt?, sein Bruder Alexander? und Friedrich Freiherr von Hardenberg (Novalis?) waren zu Gast in diesem Haus. Auch Johann Wolfgang von Goethe besuchte die Familie von Lengefeld-Beulwitz und traf hier mit Schiller am 7.9.1788 das erste Mal persönlich zusammen.

Geschichte des Hauses

Um 1720 erbaute Hofjägermeister Wolfgang Rühm (geb. 1668) aus Bayreuth das traufseitig zur Straße stehende zweigeschossige Wohnhaus. Nach dem Flurbuch von 1748 bestand das Anwesen aus „Haus, Hof und Garten hinter und neben dem Hause“. Johann Ludwig Rühm (um 1705-1773), Landrentmeister in Rudolstadt, erbte das Grundstück von seinen Eltern. Er oder seine Ehefrau Friederike Magdalene Dorothee Rühm, geb. Quisius (gest. 1795), ließen das Hintergebäude und die schmalen seitlichen Trakte errichten. Nach dem Tod des Oberforstmeisters Carl Christoph von Lengefeld im Jahre 1775 zog dessen Witwe Louise von Lengefeld mit ihren Töchtern Caroline und Charlotte vom Rudolstädter Heisenhof in dieses Gebäude. Hier lebte sie bis zum Antritt der Stelle einer Hofmeisterin auf der Heidecksburg? im Jahre 1789. 1784 heiratete Friedrich Wilhelm Ludwig von Beulwitz Caroline von Lengefeld und mietete die im Obergeschoss liegende Wohnung des Vordergebäudes bis zur Scheidung der Ehe im Jahre 1794. 1953 gelangte das Grundstück in die Rechtsträgerschaft der Stadt Rudolstadt, die seit 1996 Eigentümerin ist. Am 9. Mai 2009 wurde das Haus nach umfassender denkmalpflegerischer Instandsetzung und Modernisierung als Museum eröffnet.

Schillers Aufenthalt in Rudolstadt

„Es ist hier eine herrliche Gegend und im Beulwitzischen und Lengefeldischen Hause habe ich mich überaus wohl.“
(Schiller an Gottlieb Hufeland?, Rudolstadt, 20. August 1788)

Am Nachmittag des 6. Dezember 1787 trafen Friedrich Schiller und sein Freund Wilhelm von Wolzogen in der Stadt an der Saale ein. Schiller, der gemeinsam mit von Wolzogen diesen Abend im Lengefeld-Beulwitzschen Familienkreis verbrachte, war so beeindruckt, dass er beim Abschied den Wunsch äußerte, den kommenden Sommer in Rudolstadt zu verbringen. Diese Zeit von April bis November 1788 kann als Wendepunkt in Schillers Leben bezeichnet werden. Sie gab ihm Zuversicht und motivierte ihn für seine schriftstellerische Arbeit. In der kleinen Residenzstadt lernte Schiller jene Menschen kennen, die für sein weiteres Leben wichtig wurden.

Aus der Freundschaft zwischen Charlotte von Lengefeld und Friedrich Schiller, die sich bereits während des Frühjahrs 1788 in Weimar angebahnt hatte, entwickelte sich in den Sommermonaten eine von Liebe geprägte Beziehung. Sie heirateten am 22. Februar 1790 in der Kirche zu Wenigenjena. Die Briefe, die sich Caroline, Charlotte und Schiller schrieben, sind zum großen Teil erhalten geblieben. Sie sind ein besonderes Zeugnis der im späten 18. Jahrhundert gepflegten Briefkultur?, die einen literarischen Anspruch erheben kann.

Eine weitere wichtige Begegnung Schillers in Rudolstadt erfolgte im heutigen Schillerhaus. Am 7. September 1788 kam es hier zur ersten persönlichen Begegnung zwischen Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich Schiller. Obwohl das Treffen von Distanz geprägt war, mag dies der Beginn einer Annäherung gewesen sein, die schließlich im Jahre 1794 in eine andauernde freundschaftliche Beziehung mündete.

Die Ausstellung

Die Ausstellung löst die Besucher schnell von museal-konservativen Erwartungen, denn neben Originalstücken bietet sie allerhand Überraschendes. Im Beulwitzschen Salon verfolgt man auf Monitoren das Treffen der Dichter, in einem Raum lauscht man dem vertonten Briefwechsel der Lengefeld-Schwestern und Schiller. Die scheinbar aus der Wand heraustretenden Zitate entführen den Besucher in die Geschichte und machen das Vergangene erlebbar. Diese Zitate sind ein Schlüsselerlebnis im Museum, denn sie können auch in den Schubkästen der Virtrinen entdeckt werden. Somit ist es kein akademisches Literaturmuseum, sondern ein lebendiges, wohnliches Haus geblieben, in dessen Wänden gelebt und geliebt wurde.

Übrigens …

... in Rudolstadt findet jährlich das größte Folk-Roots-Weltmusik-Festival Deutschlands (TFF) statt.

Kontakt & Öffnungszeiten

Kontakt

Schillerhaus Rudolstadt
Schillerstraße 25
07407 Rudolstadt

Tel.: 0 36 72 / 48 64 70
Fax: 0 36 72 / 48 64 71
Email: info@schillerhaus-rudolstadt.de

Öffnungszeiten

April-Oktober
Dienstag bis Sonntag
10.00 bis 18.00 Uhr
montags geschlossen

November bis März
Dienstag bis Sonntag
10.00 bis 17.00 Uhr
montags geschlossen

Hinweis

Der Zugang zum Museum ist für gehbehinderte Personen nicht möglich. Es befindet sich jedoch eine behindertengerechte Toilette im Erdgeschossbereich (auch Rollstuhlfahrer).

Literatur

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