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Schopenhauer, Arthur

Arthur Schopenhauer (geb. 22. Februar 1778 in Danzig; gest. 21. September 1860 in Frankfurt am Main) war ein deutscher Philosoph. Er verknüpfte als einer der Ersten abendländisches und fernöstliches Denken. Seine Theorie, dass der Welt ein irrationales Prinzip - der Wille - zugrundeliegt, hat Friedrich Nietzsche beeinflusst.

Leben und Schreiben

Arthur Schopenhauers Leben begann durchaus unter günstigen Bedingungen: Sein Vater Heinrich war ein sehr erfolgreicher Geschäftsmann. Als er 1793 aus Ärger über den Verlust der Eigenständigkeit Danzigs in die Freie und Hansestadt Hamburg umzog, opferte er diesem Freiheitsdrang zwar einen nicht unerheblichen Teil seines Vermögens. Trotzdem konnte er den großbürgerlichen Lebensstil beibehalten, und selbstverständlich sollte Arthur sein Nachfolger werden. Mit neun Jahren wurde der Sohn zum Französischlernen (aber wohl auch, um der Mutter Zeit für die neugeborene Adele zu verschaffen) für zwei Jahre nach Le Havre geschickt.

Als er 1803 statt der Kaufmannsausbildung das Gymnasium anstrebte, schickte ihn der Vater zur Ablenkung von solchen Plänen auf eine zweijährige Reise durch halb Europa. In Wimbledon lernte Arthur Schopenhauer in drei Monaten Englisch. Kaum zurück, starb der Vater im April 1805 (Es konnte nie geklärt werden, ob der zum Tod führende Sturz ein Unfall war oder in Freitodabsicht geschah). Er hinterließ der Mutter Johanna?, Adele? und Arthur genug Geld, um sie für den Rest ihres Lebens aller materieller Sorgen zu entheben. Arthur wechselte nach dem Tod des Vaters von der Ausbildung zum Kaufmann aufs Gymnasium, und nachdem er bei Erreichen der Volljährigkeit 1809 seinen Anteil am Erbe erhalten hatte, nutzte er das, um endgültig seinen Weg in die Philosophie zu gehen.

Von Mutter und Schwester lebte er schon seit 1806 getrennt, als diese nach Weimar übergesiedelt waren. Dort gehörte Johanna, die als Schriftstellerin – wie später auch ihre Tochter - beachtliche Erfolge aufzuweisen hatte, schnell zur besseren Gesellschaft, unterhielt einen eigenen Salon? und hatte auch gute Kontakte zu Goethe, den später auch Schopenhauer kennenlernt. Die Mutter wollte den Sohn in Weimar nicht um sich haben: „Ich kann mit dir in nichts […] übereinstimmen […] Du bist nur auf Tage bei mir […] gewesen, und jedesmal gab es heftige Szenen um nichts und wieder nichts, und jedesmal atmete ich erst frei, wenn du weg warst.“

Gegenüber Christoph Martin Wieland bekannte der junge Schopenhauer: „Das Leben ist eine missliche Sache: ich habe mir vorgesetzt, es damit hinzubringen, über dasselbe nachzudenken.“ Ohne seine persönlich-menschlichen Malaisen hätte Schopenhauer sein Leben mit diesem Satz ziemlich genau umschrieben. Zwar war Goethe von seiner Dissertation? „Über die vierfache Wurzel des Satzes vom zureichenden Grunde“ sehr beeindruckt („Der wächst uns noch einmal allen über den Kopf.“) und vertiefte für einige Zeit den Kontakt, reduzierte ihn nach aber nach Unstimmigkeiten über seine Farbenlehre wieder: „Trüge gern noch des Lehrers Bürden, / Wenn Schüler nicht gleich Lehrer würden.“

1814 kam es zwischen Mutter und Sohn zum endgültigen Bruch; sie sahen sich bis zu ihrem Tod 1838 nicht wieder. Arthur wurde von ihr ausdrücklich enterbt. Auch der Kontakt zur Schwester (die später in einer lesbischen Gemeinschaft mit Sibylle Mertens-Schaaffhausens lebte) war ziemlich wechselhaft. Sicher nicht nur wegen dieser negativen Erfahrungen in der Familie hatte Arthur kein Glück im Umgang mit dem weiblichen Geschlecht: Alle seine Liebschaften – ob 1818 in Venedig mit einer Geliebten namens Teresa (die er angeblich an Lord Byron? verlor) oder 1821 die Beziehung zur Berliner Sängerin Caroline Richter (bei der es zu einer – abgebrochenen – Schwangerschaft gekommen sein soll): Schopenhauer gelang es nie, eine dauerhafte Freundschaft oder gar Liebe zu erhalten.

Genauso wenig konnte er sich im Wissenschaftsbetrieb etablieren: Zwei Versuche in Berlin scheiterten kläglich, der erste vor allem, weil er seine Vorlesungen parallel zu denen des Philosophen-Stars Hegel? legte und schon deshalb völlig ohne Resonanz blieb. Sein Früh- und Hauptwerk „Die Welt als Wille und Vorstellung“ im März 1818 endete in der ersten Auflage? als Makulatur?. Selbstredend konnten aus Schopenhauers Sicht an diesen Misserfolgen nur der etablierte Universitätsbetrieb und die Missgunst von Neidern schuld sein. Davon zeugen diese Gedichtverse aus dem Jahr 1819: „Mögt euch drum immer wie ihr wollt gebärden: / Des Werkes Leben könnt ihr nicht gefährden. / Aufhalten könnt ihr’s, nimmermehr vernichten: / Ein Denkmal wird die Nachwelt mir errichten.“

Erst 1844 erschien eine überarbeitete zweite Auflage seines Hauptwerkes, eine dritte 1859. Obwohl er zu dieser Zeit bereits die „Komödie seines Ruhms“ erlebte – der vor allem durch seine „Aphorismen zur Lebensweisheit“ aus den „Parerga und Paralipomena“ ausgelöst wurde -, musste Schopenhauer, um überhaupt gedruckt? zu werden, bei fast allen seiner Schriften auf ein Honorar? verzichten.

Dabei bietet Schopenhauers Hauptwerk Gedanken, die der damals aktuellen Philosophie Originäres hinzufügten. Denn Schopenhauer ortet den menschlichen Willen nicht etwa als Ergebnis seines anderen Lebewesen überlegenen Gehirns, vielmehr sei er das Resultat der Triebe, denen der Mensch zumindest in seiner Lebenspraxis kaum etwas entgegenzu-setzen habe. Vor allem der Sexualtrieb (über den schon der junge Arthur in einem seiner wenigen Gedichte „O Wollust, o Hölle, / O Sinne, o Liebe, / Nicht zu befried’gen / Und nicht zu besiegen!“ stöhnte) sei „der eigentliche Brennpunkt des Willens“, aus dem heraus sich das menschliche Handeln ergebe, weil dieser Wille beständig zur Verwirklichung dränge.

Im Gehirn, in seinen Gedanken (die aber keineswegs vom Willen frei seien) dagegen forme der denkende Mensch seine Vorstellung von der Welt, Phantasien über ihre Gestaltung, ihre Hintergründe und Überlegungen zum Sinn des Daseins. Man erkennt hierin den grundlegenden Dualismus der Schopenhauerschen Philosophie. Aus diesem Dualismus könne der Mensch sich selbst nur durch Askese (Erlösung aus den Zwängen des Willens) befreien oder durch den Tod und den Übergang „zum absoluten Nichts“ erlöst werden.

Genau wie er seine Niederlagen bei Frauen mit Hasstiraden? gegen das weibliche Geschlecht allgemein quittierte, waren wütende Stellungnahmen zu anderen Philosophen – speziell zu Hegel – die Folge seiner Isolation innerhalb der Universitätsphilosophie. Erst in seinem letzten Jahrzehnt erlebte es Schopenhauer, dass er doch noch zu internationaler Wirkung kam. Diese Achtung dauert bis heute an: ein später Triumph - auch über Johanna und Adele, deren Werke längst vergessen sind.

Bekannte Zitate

Über den Menschen
  • „Die große Mehrzahl der Menschen ist so beschaffen, daß ihrer ganzen Natur nach es ihnen mit nichts ernst sein kann als mit Essen, Trinken und Sichbegatten.“
  • „Man betrachte nur, was gelegentlich Menschen über Menschen verhängen, mit welchen ausgeklügelten Martern einer den anderen langsam zu Tode quält, und frage sich, ob Teufel mehr leisten könnten.“
  • „Die Welt ist eben die Hölle, und die Menschen sind einerseits die gequälten Seelen und andererseits die Teufel darin.“
  • „Was nun […] die Menschen gesellig macht, ist ihre Unfähigkeit, die Einsamkeit und in dieser sich selbst zu ertragen. Innere Leere und Überdruss sind es, von denen sie sowohl in die Gesellschaft wie in die Fremde du auf Reisen getrieben werden.“
  • „Es ist eine große Torheit, um nach außen zu gewinnen, nach innen zu verlieren, d.h. für Glanz, Rang, Prunk, Titel und Ehre seine Ruhe, Muße und Unabhängigkeit ganz oder großenteils hinzugeben.“
  • „Allerdings ist das Leben nicht eigentlich da, um genossen, sondern um überstanden, abgetan zu werden.“

(aus: „Parerga und Paralipomena“)

Über die Frauen

Für seine Äußerungen über die Frauen ist Schopenhauer noch heute bekannt. „Weiber“ war allerdings zu seiner Zeit ein gängiger Begriff ohne negative Bedeutung. Selbst wenn man bedenkt, dass er in seinem Leben sicher Anlass hatte, Frauen gegenüber zumindest reserviert zu sein, so zeigt sich hier seine größte Schwäche doch am deutlichsten: dass er oft nicht in der Lage war, zwischen seinen eigenen Erfahrungen und prinzipiellen, als allgemeingültig intendierten Aussagen schon gedanklich zu trennen. An folgenden – heute sicher nur noch unter humoristischen Gesichtspunkten zu lesenden - Beispielen sei das demonstriert:

  • „In unserem monogamischen Weltteile heißt heiraten seine Rechte halbieren und seine Pflichten verdoppeln […] Als die Gesetze den Weibern gleiche Rechte mit den Männern einräumten, hätten sie ihnen auch männliche Vernunft verleihen sollen.“
  • „Schon der Anblick der weiblichen Gestalt lehrt, dass das Weib weder zu großen geistigen noch körperlichen Arbeiten bestimmt ist.“
  • „Die Weiber denken in ihrem Herzen, die Bestimmung der Männer sei, Geld zu verdienen, die ihrige hingegen, es durchzubringen.“
  • „Zur Pflegerin und Erzieherin unserer ersten Kindheit eignen die Weiber sich gerade dadurch, dass sie selbst kindisch, läppisch und kurzsichtig, mit einem Worte, Zeit Lebens große Kinder sind.“
  • „Mit mehr Fug, als das schöne könnte man das weibliche Geschlecht das UNÄSTHETISCHE nennen. Weder für Musik noch Poesie, noch bildende Künste haben sie wirklich und wahrhaftig Sinn und Empfänglichkeit.“
  • „Dass das Weib, seiner Natur nach, zum Gehorchen bestimmt sei, gibt sich daran zu erkennen, dass eine jede, welche in die ihr naturwidrige Lage gänzlicher Unabhängigkeit versetzt wird, alsbald sich irgendeinem Manne anschließt, von dem sie sich lenken und beherrschen lässt.“
  • „Wenigstens sollten Weiber niemals über ererbtes […] Vermögen […] freie Disposition haben.“

(aus: „Parerga und Paralipomena II“, Kap XXVII „Über die Weiber“)

Über die Philosophen
  • „Hegel (ist) ein platter, geistloser, ekelhaft-widerlicher, unwissender Scharlatan, der mit beispielloser Frechheit Aberwitz und Unsinn zusammenschmierte.“
  • „Ach, es ist doch ein saures Stück Brot, das Philosophie-Professorenbrot! Erst muss man nach der Pfeife der Minister tanzen, und […] [dann] kann man draußen noch angefallen werden von den wilden Menschenfressern, den wirklichen Philosophen.“

(aus: „Parerga und Paralipomena“)

Über den Nationalstolz

„Die wohlfeilste Art des Stolzes ist der Nationalstolz. Denn er verrät in dem damit Behafteten den Mangel an INDIVIDUELLEN Eigenschaften, auf die er stolz sein könnte, indem er sonst nicht zu dem greifen würde, was er mit vielen Millionen teilt […] Jeder erbärmliche Tropf, der nichts in der Welt hat, darauf er stolz sein könnte, ergreift das letzte Mittel, auf die Nation…stolz zu sein.“

(aus: Aphorismen zur Lebensweisheit. Kapitel „Von dem, was einer vorstellt“)

Übrigens ...

sind in Thomas Manns „Buddenbrooks“ und in seinem „Zauberberg“ Bezüge zum Denken Schopenhauers unverkennbar. Und Wilhelm Busch zeigte den misanthropischen Philosophen auf einer seiner bekanntesten Zeichnung von hinten: von allen abgewandt, auf einem seiner täglichen Spaziergänge mit Pudel durch Frankfurt, wo er (in der Schönen Aussicht) ab 1833 bis zu seinem Tod lebte. Es hat also Zeiten gegeben, in denen das Werk Schopenhauers zum gehobenen Bildungsstandard gehörte.

Werke (Auswahl)

Wie bei vielen Autoren, deren Rechte ausgelaufen sind und die daher frei verlegt werden können, gibt es auch von Schopenhauer unzählige verschiedene Einzel- und Gesamtausgaben. Hier eine kleine Auswahl der günstigsten Ausgaben:

  • „Die Welt als Wille und Vorstellung“, gebundene Ausgabe, Anaconda-Verlag, fast 1000 Seiten, 9,95 Euro
  • „Aphorismen zur Lebensweisheit“, Marix-Verlag, 224 Seiten, 5,00 Euro
  • „Gesammelte Werke“ in zehn Bänden mit Kassette, Diogenes-Verlag, 89,00 Euro
  • „Senilia – Gedanken im Alter“, C.H. Beck, 374 Seiten, 29,95 Euro
  • Viele Titel widmen sich bestimmten Aspekten des Wirkens Schopenhauers, bis hin zu der „Kunst, glücklich zu sein“ und der „Kunst zu beleidigen“ (beide dtv, je 7,95 Euro)
  • Bücher von Arthur Schopenhauer bei Jokers

Sekundärliteratur (Auswahl)

  • Poschenrieder, Christoph: Die Welt ist im Kopf. Schopenhauer-Roman, in dem der Aufenthalt des jungen Philosophen im Jahr 1818 in Venedig und seine Beziehung zu Teresa sowie die Verquickung seines Lebens mit Lord Byron auf sehr unterhaltsame, aber auch erhellende Weise schildert. Diogenes Verlag, 342 Seiten, 21,90 Euro
  • Safranski, Rüdiger: Schopenhauer und die wilden Jahre der Philosophie. Hanser-Verlag, 560 Seiten, 24,90 Euro
  • Böhmer, Otto A.: Schopenhauer oder Die Erfindung der Altersweisheit“. Beck-Verlag, 160 Seiten, 10,95 Euro

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