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Wieland, Christoph Martin

Christoph Martin Wieland (geb. 5. September 1733 in Oberholzheim bei Biberach; gest. 20. Januar 1813 in Weimar) war ein deutscher Dichter der Aufklärung? und Wegbereiter der Klassik.

Leben und Schreiben

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Christoph Martin Wieland wurde am 5. September 1733 als Sohn eines pietistischen Pfarrers in dem oberschwäbischen Dorf Oberholzheim geboren, das damals zur wohlhabenden und aufstrebenden Reichsstadt Biberach gehörte. Wielands Vorfahren waren seit dem 16. Jahrhundert als Handwerker, Pfarrer und Senatoren in der Reichsstadt ansässig. In Biberach besuchte Wieland die Schule, wo er wohl ein kleiner Wunderknabe gewesen sein muss: Mit zehn Jahren las er die lateinischen Klassiker wie Horaz?, Ovid und Cicero? im Original, wenig später folgten die Griechen Homer und Plato?. Die Eltern waren stolz auf ihn, die Lehrer auch. Die Anerkennung durch die Pädagogen sei ihm jedoch stets etwas lästig gewesen, erklärte Wieland viele Jahre später.

1747 kam Wieland in das herrnhutische Schulinternat im Kloster Berge bei Magdeburg, 1749 ging er zur Vorbereitung auf das Studium nach Erfurt. Als er 1750 für wenige Wochen in seine schwäbische Heimat zurückkehrte, entflammte er in schwärmerischer Liebe zu seiner Cousine Marie Sophie Gutermann von Gutershofen, mit der er bis 1753 verlobt war. Danach stellten die beiden bei einem Stück Eierkuchen einmütig fest, dass sie wohl bessere Freunde als Lebenspartner seien. Und das blieben sie dann auch ...

Als Gast Bodmers in Zürich

Von 1750 bis 1752 studierte Wieland Jura in Tübingen, blieb jedoch ohne Abschluss, da er sich in seiner sonnigen Studentenklause lieber mit Literatur als mit Paragraphen beschäftigte. In dieser Zeit entstand auch sein Heldenepos „Hermann“ (1751), in dem er voller Enthusiasmus Klopstock? nacheiferte. Eine Abschrift des „Hermann“ sandte Wieland an den Schweizer Philologen? Johann Jakob Bodmer?. Der fand das sentimentale Heldengedicht in fünf Gesängen? durchaus gelungen (im Gegensatz zur modernen Literaturwissenschaft) und lud den jungen Dichter 1752 zu sich nach Zürich ein. Wieland folgte der Einladung breitwillig und blieb bis 1758 in der Stadt an der Limmat.

In Zürich pflegte Wieland freundschaftlichen Umgang mit den Dichtern Johann Jakob Breitinger?, Salomon Gessner? und Hans Caspar Hirzel?, die sehr idyllische? und tugendhafte Bücher schrieben. Unter ihrem Einfluss verfasste Wieland seine in Hexametern? geschriebenen „Briefe von Verstorbenen an hinterlassene Freunde“ (1753). Wielands Jugenddichtung stand noch ganz im Zeichen einer empfindsam-religiösen Seelenschwärmerei und verriet zunächst nur wenig (andere sagen „gar nichts“) von den phantasievollen? und formgewandten Sprachkunstwerken, die später noch folgen sollten.

Die Meisterwerke entstehen

Nach einem kurzen Aufenthalt als Hauslehrer in Bern, wo sich Wieland in heillose erotische Abenteuer verstrickte, die ihm, wie er später sagte, fast den Verstand geraubt hätten, ging er zurück nach Biberach – in die gemütliche oberschwäbische Reichsstadt an der Riß. Dort fand er eine Anstellung als Kanzleidirektor, später avancierte er zum Senator und Syndikus. Auf Schloss Warthausen, dem Sitz des ehemaligen kurmainzischen Ministers Friedrich von Stadion-Warthausen, lernte Wieland die französisch bestimmte Kultur und die Dichtung des Rokokos? kennen. Unter diesem Einfluss erfolgte die Abkehr von seiner schwärmerisch-pietistischen Frühphase. In den folgenden Jahren entstanden seine von Ironie?, Skepsis und hintergründigem Humor? geprägten Meisterwerke?, so z. B. seine Ritterroman-Parodie „Der Sieg der Natur über die Schwärmerey oder Die Abentheuer des Don Sylvio von Rosalva“ (1764), die frivolen antiken Göttergeschichten „Comische Erzählungen“ (1765) und der zunächst anonym? publizierte? Bildungsroman „Geschichte des Agathon“ (1766/67). Mit Letztem wurde er zum Wegbereiter der deutschen Klassik, die er später auch mit prägte.

Mit diesen Werken, in denen Wieland Sinnlichkeit, Moralität und Lebensfreude in Einklang zu bringen versuchte, stieg er neben Lessing zum bedeutendsten Dichter der deutschen Aufklärung? auf. Im Vergleich zu Lessing galt Wieland als weniger kritisch und analytisch, seine Ironie und Grazilität wurden dafür umso mehr gepriesen – übrigens auch heute noch! Auch im Weimarer Kreis? war Wieland sehr beliebt und erfreute sich (was nicht viele dichtende Zeitgenossen von sich behaupten konnten) eines harmonischen Verhältnisses zu Goethe.

Aber selbst der liebenswürdige Wieland hatte nicht nur Freunde im Leben, besonders scharf und perfide wurde er von den Dichtern des Göttinger Hainbundes? angefeindet – einer germanophilen Literatensekte, die sich sogar einmal zu mitternächtlicher Stunde im Göttinger Wald versammelte, Biersuppe aß (trank?) und die Werke Wielands unter unheilvollen Spottgesängen? den Flammen? anvertraute.

„Der goldne Spiegel“ (1772)

Im Jahr 1769 wurde Wieland als Professor der Philosophie? nach Erfurt berufen. Das Hauptwerk der Erfurter Zeit ist der in vier Bänden? erschienene politisch-satirische Roman „Der goldne Spiegel oder Die Könige von Scheschian“ (1772). In dem Roman, der vor einem orientalischen-morgenländischen Hintergrund spielt, erörtert Wieland Probleme der Aufklärung? und der modernen Staatsführung. Für Aufsehen sorgte der Roman auch deshalb, weil Wieland darin eine Reihe politisch-utopischer Gedankengänge entwickelt.

Sein Roman „Der goldne Spiegel“ trug ihm 1772 zudem die Berufung durch Herzogin Anna Amalia ein, die ihn als Erzieher des Erbprinzen Karl August nach Weimar? kommen ließ. An der Weimarer Hofbühne? inszenierte? Wieland sein Singspiel? „Alceste“ (1773) – mit mäßigem Erfolg: Der vom Rotwein stark animierte Goethe soll noch während der Aufführung gallenbitteren Spott verspritzt haben. Was ihn später jedoch nicht daran hinderte, in seinen eigenen klassischen Dramen auf Wielands ästhetische Prinzipien zurückzugreifen.

„Der Teutsche Merkur“

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Von 1798 bis 1803 lebte Wieland mit seiner Familie auf Gut Oßmannstedt bei Weimar. Seit 1765 war er mit der Augsburger Patriziertochter Dorothea von Hillengrand (1746-1801) verheiratet – aus dieser Ehe gingen 14 Kinder hervor. Auf Oßmannstedt entwickelte Wieland nicht nur als Schriftsteller eine rege Tätigkeit, sondern auch als Herausgeber? des „Teutschen Merkur?“ – der ersten bedeutenden literarischen Zeitschrift? in Deutschland. Der „Teutsche Merkur?“, der nach dem Vorbild des „Mercure de France“ gestaltet war, war für das Geistesleben und den kulturellen Geschmack des deutschen Bürgertums der damaligen Zeit von großer Bedeutung.

Wieland veröffentlichte die meisten seiner Werke fortan zuerst dort, so z. B. den satirischen Narrenroman „Die Abderiten. Eine sehr wahrscheinliche Geschichte“ (1774-1780) und das romantische Heldenepos „Oberon“ (1780). Beide Werke waren beim Publikum? große Erfolge und unterstrichen Wielands Position als bedeutenden Repräsentanten des deutschen Literatur- und Geisteslebens. Kaiser Napoleon sollte ihn später als „deutschen Voltaire“ würdigen.

Gleichberechtigt neben seinem dichterischen Werk und der Herausgebertätigkeit? stehen Wielands Übersetzungen. Zu nennen ist hier vor allem seine Prosaübersetzung von 22 Dramen Shakespeares (1762-1766) sowie seine Übersetzungen antiker Autoren wie Horaz?, Euripides? und Cicero?.

Christoph Martin Wieland starb am 20. Januar 1813 in Weimar. Er wurde im Schlossgarten von Oßmannstedt beerdigt.

Übrigens ...

war es Wieland, der den Begriff von der Weltliteratur? prägte. Das geschah in der Zeit um 1790, und Goethe hatte damit, anders als oft behauptet, gar nichts zu tun.

Werke (Auswahl)

  • Bücher von Christoph Martin Wieland bei Jokers
  • Die Abenteuer des Don Sylvio von Rosalva. EA 1764. Ditzingen, Reclam Verlag 2001, ISBN-13: 978-3150181638
  • Geschichte der Abderiten. EA 1774-1780. Ditzingen, Reclam Verlag 1986, ISBN: 978-3150003312
  • Geschichte des Agathon. Roman (2 Bde., EA d. Urfassung 1766 u. 1767), Bd. I neu hg. bei Paperbackshop.Co.UK Ltd - Echo Library, 2006, ISBN: 978-1406809558

Hörbücher

  • Klelia und Sinibald oder Die Bevölkerung von Lampeduse. Ein Gedicht in zehn Büchern. 3 CDs. Berg, Ame-Hören-Verlag 2007, ISBN: 978-3938046029

Sekundärliteratur

  • Brender, Irmela: Christoph Martin Wieland. In Selbstzeugnissen und Bilddokumenten. Reinbek, Rowohlt Verlag 1990, ISBN: 978-3499504754
  • Schaefer, Klaus: Christoph Martin Wieland. Stuttgart, Metzler Verlag 1996, ISBN: 978-3476102959
  • Zaremba, Michael: Christoph Martin Wieland. Aufklärer und Poet. Eine Biografie. Köln, Böhlau Verlag 2007, ISBN: 978-3412220068

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