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Watzlawick, Paul

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Paul Watzlawick (geb. 25. Juli 1921 in Villach/Kärnten; gest. 31. März 2007 in Palo Alto, Kalifornien) war ein österreichisch-amerikanischer Autor, Kommunikationswissenschaftler und Psychotherapeut. Er begann als Analytischer Psychologie in der Tradition von C. G. Jung und wurde dann in Palo Alto, als Kommunikationsforscher, zum Vertreter des Radikalen Konstruktivismus. Durch zahlreiche Bücher zum Thema Kommunikation, darunter die "Anleitung zum Unglücklichsein" (1983), wurde Watzlawick auch einer breiten Leserschaft bekannt. Manche seiner Äußerungen sind zum Aphorismus geworden, etwa die Feststellung: "Man kann nicht nicht kommunizieren."

Leben und Schreiben

Paul Watzlawick wurde am 25. Juli 1921 in Villach/Kärnten in Österreich geboren. Nach der Matura 1939 studierte er Philologie und Philosophie in Venedig. 1949 wurde er promoviert. Von 1950 bis 1954 ließ er sich zum Analytischen Psychologen am C.G. Jung-Institut in Zürich ausbilden, drei Jahre später übernahm er einen Lehrstuhl für Psychologie in San Salvador, wo er bereits über Kommunikationsprozesse und systemische Ansätze in der Psychotherapie forschte. Letzteres bedeutet, dass die psychotherapeutische Diagnose und Behandlung nicht nur den einzelnen Patienten in den Blick nimmt, sondern auch die Menschen, die zu seinem näheren Beziehungsumfeld gehören - zum Beispiel die Familie.

1960 ging Watzlawick ans Mental Research Institute (MRI) im kalifornischen Palo Alto, wo er einen Forschungsauftrag erhalten hatte. Dort, am Zentrum für Familientherapie, wurde vor allem über die Bedeutung der Kommunikation für die Entstehung von Krankheiten wie Schizophrenie geforscht. Palo Alto wurde zur Wahlheimat für den Psychologen.

Mit Kollegen wie Gregory Bateson, der ebenfalls in Palo Alto lehrte, entwickelte Watzlawick Anfang der 1960er-Jahre die Theorie von der Doppelbindung (double bind). Darunter versteht man Botschaften, die auf der verbalen und nonverbalen Ebene gesendet werden und in sich widersprüchlich sind, weil sie zum Beispiel gleichzeitig freundlich und ablehnend wirken. Ein typisches Beispiel für Doppelbotschaften ist dieser Dialog?: „Ist irgendetwas?“ – „Nein, alles in Ordnung“ (dabei drückt die Miene genau das Gegenteil aus). – „Aber da ist doch was …“ und so weiter.

Gemeinsam mit Janet H. Beavin und Don D. Jackson veröffentlichte Watzlawick 1967 „Pragmatics of Human Communication“ (dt. „Menschliche Kommunikation“, 1968). 1976 wechselte er als Professor für Psychotherapie an die Stanford University, wo er bis zu seiner Emeritierung tätig war. Zwischen 1991 und 1993 nahm er außerdem eine Professor für Kommunikationswissenschaften am Centro Universitario Ticinese im schweizerischen Lugano wahr. Ab den 1970er-Jahren legte er seine Erkenntnisse über die Kommunikation in mehreren Büchern nieder, die unterhaltsam geschrieben und auch für Laien verständlich sind. Mit Titeln wie "Wie wirklich ist die Wirklichkeit" (dt. 1976) und "Anleitung zum Unglücklichsein" (1983) erreichte er eine breite Leserschaft. Im Jahr 2007 starb Paul Watzlawick 85-jährig in seiner Wahlheimat Palo Alto.

Die wichtigsten Gedanken

Wirklichkeit erster und zweiter Ordnung

Paul Watzlawick war ein Vertreter des Radikalen Konstruktivismus - er freilich bevorzugte den Begriff der Wirklichkeitsforschung. Um die Frage, was im menschlichen Erkennen und Umgehen mit der Welt überhaupt „wirklich“ im Sinne von „real gegeben“ ist, rankte sich seine Arbeit. Der Radikale Konstruktivismus verneint, dass die menschliche Wahrnehmung der Wirklichkeit eine Abbildung der Realität außerhalb des Menschen sei. Vielmehr erschafft sich nach dieser Theorie jedes Individuum seine eigene Realität vollständig selbst. "Wirklichkeit zweiter Ordnung" nennt Watzlawick diese subjektiven Realitäten. Er unterscheidet sie von dem Bild der Wirklichkeit, auf welches die Naturwissenschaftler sich geeinigt haben: der "Wirklichkeit erster Ordnung".

Der Mann mit dem Hammer

Wenn nun Menschen kommunizieren, so tun sie dies meist auf Basis der Wirklichkeiten zweiter Ordnung. Das bedeutet: Eine neutrale, objektive Kommunikation ist prinzipiell eine Illusion. Wir bringen immer unsere eigenen Vorstellungen, Erfahrungen und Deutungen, bezogen auf das Gegenüber, ins Gespräch mit ein, so dass es in jeder Kommunikation zwei Aspekte gibt: einen Inhalts- und einen Beziehungsaspekt. Und die Beziehung bestimmt den Inhalt. Im Extremfall geht es dann so wie in der berühmten Geschichte von dem Mann und dem Hammer: Ein Mann will sich beim Nachbarn einen Hammer leihen. Zum Nachbarn unterwegs, malt er sich in immer gesteigerten Phantasien aus, wie jener ihm das Gewünschte nicht ausleihen wird. Als der Nachbar ihm schließlich die Tür öffnet, schreit der andere ihn sofort an, er könne seinen blöden Hammer ruhig selbst behalten.

Die Theorie von den zwei Ebenen der Kommunikation hat Friedemann Schulz von Thun? (geb. 1944) erweitert. Zum Sachinhalt und zur Beziehungsaussage kommen bei ihm als Drittes die Selbstoffenbarung des „Senders“, so nennt ihn Schulz von Thun, und als Viertes dessen Appell an den „Empfänger“.

Man kann nicht nicht kommunizieren

Jede Begegnung, auch wenn sie nur eine Sekunde dauert und ohne Worte bleibt, ist bereits Kommunikation und damit die Begegnung zweier Wirklichkeiten zweiter Ordnung. Berühmt geworden ist diese Feststellung Watzlawicks: Man kann nicht nicht kommunizieren. Wenn sich die Kommunikationspartner als gleichrangig erleben, dann läuft ihre Kommunikation symmetrisch ab - also auf Augenhöhe. Sind sie jedoch einander über- und untergeordnet, dann findet eine komplementäre Kommunikation statt, bei der das Verhalten der einen Seite das der anderen ergänzt.

Paradoxe Intervention

Als Psychotherapeut hat Paul Watzlawick die paradoxe Intervention populär gemacht. Sie besteht darin, dem Patienten gerade das zu verordnen, was der als problematisch erlebt - also einem Menschen mit Schlafstörungen, dass er wach bleiben soll. "Lösungen zweiter Ordnung" nennt Watzlawick diese Strategien im Unterschied zu den "Lösungen erster Ordnung", die in der doppelten Bemühung um das Gewünschte bestehen. Lösungen zweiter Ordnung sind offensichtlich auch dazu geeignet, die Kreativität des Therapeuten und Autors zu beflügeln: Die "Anleitung zum Unglücklichsein" ist voll davon.

Übrigens ...

... verleiht die Ärztekammer der Stadt Wien seit 2008 den Paul Watzlawick Ehrenring an Personen, die sich für den Diskurs zwischen den wissenschaftlichen Disziplinen sowie die Humanisierung der Welt einsetzen.

Auszeichnungen (Auswahl)

  • 1990 Goldenes Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Wien
  • 2002 Ehrenpreis der Viktor Frankl-Stiftung der Stadt Wien

Werke (Auswahl)

Wenn du mich wirklich liebtest, würdest du gern Knoblauch essen

Das Buch ist eine Zusammenstellung der besten Gedanken, unterhaltsamsten und wichtigsten Texte von Paul Watzlawick. Man kann es auch als eine Einleitung zu seinem Denken lesen. Deshalb eignet es sich vor allem für Leser, die noch nichts von dem Kommunikationswissenschaftler gelesen haben, aber ihn schon immer kennenlernen wollten. Jeder wird hier Denkanstöße finden und sich selbst auch besser erforschen können. Insofern ist das Buch auch ein Stück Lebenshilfe.

Der Titel des Buches zeigt schon, wie sich der Psychologe dem Glück und der Konstruktion der Wirklichkeit nähert: humorvoll. Und so wundert es nicht, dass sich Paul Watzlawick weder der Liebe noch dem Knoblauch widmet, sondern sich stattdessen den individuellen Realitäten und den Tücken der Kommunikation zuwendet.

Weitere Werke

  • Menschliche Kommunikation – Formen, Störungen, Paradoxien. (Mit Janet H. Beavin/Don D. Jackson). Dt. EA Bern 1969. Huber Verlag, Bern, 12. Aufl. 2011, ISBN:978-3456849706
  • Lösungen – Zur Theorie und Praxis menschlichen Wandels. (Mit John H. Weakland/Richard Fisch). Dt. EA Bern 1974
  • Wie wirklich ist die Wirklichkeit - Wahn, Täuschung, Verstehen. Dt. EA München 1976. Piper Verlag, München, 10. Aufl. 2005, ISBN:978-3492243193
  • Die Möglichkeit des Andersseins – Zur Technik der therapeutischen Kommunikation. Dt. EA Bern 1977. Huber Verlag, Bern, 6. Aufl. 2007, ISBN: 978-3456845104
  • Die erfundene Wirklichkeit – Wie wissen wir, was wir zu wissen glauben? Beiträge zum Konstruktivismus. Herausgegeben und kommentiert von Paul Watzlawick. Dt. EA München 1981, Piper Verlag, München, 5. Aufl. 2006, ISBN: 978-3492247429
  • Anleitung zum Unglücklichsein. Dt. EA München 1983. Piper Verlag, München, 15. Aufl. 2009, ISBN:978-3492249386
  • Vom Schlechten des Guten oder Hekates Lösungen. Dt. EA München 1986. Piper Verlag, München, 7. Aufl. 2005, ISBN: 978-3492243179
  • Münchhausens Zopf oder Psychotherapie und "Wirklichkeit". Dt. EA Bern 1988. Huber Verlag, Bern, 2. Aufl. 2011, ISBN: 978-3456850214
  • Vom Unsinn des Sinns oder vom Sinn des Unsinns. Dt. EA Wien 1992. Piper Verlag, München, 7. Aufl. 2005, ISBN: 978-3492243186

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