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All exclusive

von
Gunnar Homann

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Bei humoristischen? Romanen ist strikt darauf zu achten, dass man den Autor nicht aus dem TV kennt. Kennt man ihn hingegen aus zahlreichen vorzüglichen Beiträgen in der Zeitschrift? Titanic?, ist anderes zu erwarten als ein aufdringliches Pointenfeuerwerk? mit Pappkameradenfiguren, die diesem eigentlich gar nicht standhalten dürften. Humor entfaltet eine viel größere Wirkung, wenn er in der Tiefe wurzelt und den Ernst nicht nur tangiert, aus dem er im besten Fall erwächst.

Gunnar Homann? lässt den hedonistischen, auf den aktuellen Tag ausgelegten Lebensentwurf des (phonetisch? mit ihm verwandten) Helden Viktor Hoffmann auf die Weltanschauung der überambitionierten Casbah Feininger treffen. Viktor ist 20, Experte in der Sinnlosigkeit des beruflichen Schaffens und Trachtens und auf dem Weg von New York nach Kalifornien, um, falls er überhaupt eine Absicht hat, das authentische Amerika abseits des Mainstreams zu entdecken. Sein Vorhaben finanziert er zwischendurch mit Autowaschen oder dem unglaublichen Glück eines kapitalen Haschischfunds.

Casbah, 23, über die Maßen proper und omnikompetent, schreibt ihre Magisterarbeit in Soziologie und möchte mit einem Fragebogen nachweisen, dass es amerikanischen Unterschichtlern an Zukunftsvorstellungen mangle. Viktor hingegen glaubt, dies liege schlicht daran, dass sie keine Zukunft hätten. Doch je weiter beide mit Casbahs Mietwagen nach Westen fahren, umso mehr zeigt sich, dass hinter Casbahs anfangs karikierter Abgebrühtheit, Schlagfertigkeit und Gemütsregung mehr steckt als die soziale Attitüde einer „gutaussehenden Schnepfe“. Gleichzeitig erschöpft sich Viktors auf Einsicht basierende Ehrgeizverweigerung darin, dass gepflegtes Nichtstun nichts ist, was man jemand Ambitioniertem lange entgegensetzen könnte. Besonders dann nicht, wenn man verliebt ist.

Gunnar Homann wählt eine oberflächlich betrachtet sehr simple Sprache, die er aber so souverän setzt, dass ihre feinen, originellen Nuancen eine umso größere Wirkung erzielen. Der vielleicht auch dem Buchmarkt geschuldete Titel „All exclusive“ ist programmatisch für die reduzierte Form dieser nur 140 Seiten.

Man könnte vielleicht kritisieren, dass Viktor einem anfangs deutlich älter vorkommt als zwanzig, aber erstens schützt Jugend vor Klugheit nicht, und zweitens stößt jede Klugheit an ihre Grenzen, wenn sie auf einen Gegenpart mit hinlänglich anderer Lebensperspektive trifft. „All exclusive“ ist ein starkes Romandebut?, ein kunstfertig geschnittenes Roadmovie?, eine hinreißende Liebesgeschichte und eine äußerst pfiffige Auseinandersetzung mit dem Dasein, das qua Existenz nach einem Sinn verlangt, den es eigentlich gar nicht gibt. Der sparsam dosierte Humor verstärkt hier die Handlung. Eine richtige Geschichte eben.

Autor: Michael Höfler

Literaturangaben

  • Gunnar Homann: „All exclusive“. Ein Unterwegsroman. Dumont-Buchverlag, Köln 2011, 140 S., 14,99 €, ISBN 978-3-8321-9586-1


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