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Der Tod ist ein Postmann mit Hut

von
Martin von Arndt

Nach seinem Debüt? „ego shooter“ hat Martin von Arndt? mit „Der Tod ist ein Postmann mit Hut“ ein weiteres Stück großartig verstörender Prosa vorgelegt. Und damit die Wünsche all derer erfüllt, die nach der Lektüre von „ego shooter“ begeistert waren. Isolation, Schmerz, kaputte Liebe und kaputte Familie – das waren die Themen, die von Arndt in „ego shooter“ wunderbar analytisch sezierte.

In der „Der Tod ist ein Postmann mit Hut“ bekommt der in Innsbruck lebende Protagonist Julio C. Rampf anonyme Einschreiben geschickt. Immer am ersten Mittwoch im Monat kommt der Postbote, einen Tirolerhut auf dem Kopf, Rampf bestätigt den Empfang, bietet dem Boten einen Wacholderschnaps an, der anschließend mit einem Gruß an den Hut verschwindet. Der Inhalt der Einschreiben ist immer derselbe: ein unbeschriebener Bogen 80 Gramm schweres, weißes Papier, das in der Mitte gefaltet ist. Rampf, Anfang 40 und studierter Gitarrist, der sich mit der Aufnahme chinesisch - folkloristischer Versionen von Popsongs sein Geld verdient, reagiert zuerst mit Trotz. Er macht eine Liste der Menschen, denen zuzutrauen ist, dass sie ihm, aus welchem Grund auch immer, solche Einschreiben schicken würden. Aber der tyrannische Hausmeister ist verzogen und sein ehemaliger Musikerkollege ist in einer Klinik für Demenzkranke und der Psychiater, der Rampf seine Exfrau Ines ausspannen wollte, kommt auch nicht in Frage. Bei der Gendarmerie nimmt man ihn nicht ernst, empfiehlt ihm aber einen pensionierten Ermittler, der durch Zufall bei Rampf im Haus wohnt. Mit dessen Hilfe analysiert er die Briefe auf Fingerabdrücke, auf geheime Botschaften oder sonstige Hinweise, wird aber nicht fündig.

Wenngleich Rampf dem Absender nicht auf die Spur kommt, so findet er im Ermittler Koloman so etwas wie einen Freund, mit dem er schon bald regelmäßig Zeit verbringt. Die Einschreiben hat er dabei schon fast vergessen. Der kauzig-grantige alte Mann, den alle nur „Grantler“ nennen, gibt ihm schließlich auch einen Hinweis, was die Schreiben auch sein könnten. Aufforderungen, etwas mit seinem Leben anzufangen. Ganz von der Hand zu weisen ist das nicht: Ines hat sich von ihm scheiden lassen, weil er nichts erreichen wollte. Deswegen vermutet Rampf auch immer wieder, dass seine geschiedene Frau die Absenderin ist: Ihm ein leeres Blatt? schickt, mit dem einzigen, metaphorischen Appell: es zu füllen.

„Der Tod ist ein Postmann mit Hut“ ist eine leisere Geschichte als „ego shooter“ es war. Martin von Arndts Sprache ist sanfter, sie wirkt, der österreichischen Idiome und Mundart? wegen, fast ein wenig altmodisch. Das ist aber nichts Schlechtes. Ganz im Gegenteil würde die Geschichte an Verstörung verlieren, wenn sie nicht so still erzählt? wäre. So folgt man dem Protagonisten umso lieber – mit bedächtigen Schritten auf dessen Weg, die Leere zu füllen.

Originalbeitrag unter Die Berliner Literaturkritik

Literaturangaben

  • Arndt, Martin von: Der Tod ist ein Postmann mit Hut, Klöpfer & Meyer Verlag, Tübingen 2009. 206 S., 17,90 €, ISBN: 978-3940086372


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