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Sonnenschein, Hugo

Hugo Sonnenschein (geb. 25. Mai 1889 in Gaya bei Brünn; gest. 20. Juli 1953 in Mirov) war ein deutschsprachiger Schriftsteller aus Mähren.

Leben und Schreiben

Hugo Sonnenschein wurde am 25. Mai 1889 in Gaya - einem kleinen Ort im tschechisch-slowakischen Grenzgebiet - geboren. Sein Vater konnte dem Judenghetto, das in Gaya noch bis zum Ende des 19. Jahrhunderts existierte, entkommen und lebte als Bauer.

Hugo Sonnenschein ging in Brünn zur Schule. Dort machte er sein Abitur. Im Anschluss verließ er sein Elternhaus und siedelte 1907 nach Wien über, wo er ein literaturwissenschaftliches Studium begann. Er gehörte einer sozialdemokratischen Studentenvereinigung an. Außerdem war er Mitglied des Tschechischen Akademischen Vereins, für dessen „Akademischen Almanach“ er 1908 als Redakteur? tätig war.

Bereits 1907 war sein erster Gedichtband „Ad Solem“ erschienen. 1909 folgte der Band „Närrisches Büchel“, das wegen seines gotteslästerlichen Inhalts konfisziert wurde. Beide Bände galten lange Zeit als verschollen. Ebenfalls 1909 veröffentlichte er die Sammlung „Slovakische Lieder“. Eine Fortsetzung erschien 1920 unter dem Titel „Slovakische Heimat“.

Nachdem Hugo Sonnenschein 1911 seinen Militärdienst geleistet hatte, wanderte er als Vagabund durch Europa. Er lebte unter anderem in London, Paris, Berlin und Lemberg. In dieser Zeit erschien der Lyrikband „Geuse Einsam von Unterwegs“ (1912), in dem sich Hugo Sonnenschein zur Kunstfigur Geuse Einsam stilisiert. Das Wort Geuse ist eine Ableitung vom französischen Wort für Landstreicher. Gleichzeitig ist es ein Synonym? für Freiheitskämpfer. 1914 folgte der Gedichtband „Mein Becher wider die Schwere der Welt“.

Den Ersten Weltkrieg erlebte Hugo Sonnenschein an der Balkanfront. Wegen seines pazifistischen Engagements wurde er mehrfach inhaftiert. Sein Lyrikband „Erde auf Erden“ durfte aufgrund eines Zensurverbots? nur in einer Privatauflage? von 100 Exemplaren veröffentlicht werden. Erst 1920 konnte der Band im Wiener Verlag Ed. Strache? erscheinen. Das Buch enthielt eine Porträtzeichnung des Verfassers, die der expressionistische Maler Egon Schiele angefertigt hatte.

Nach dem Ersten Weltkrieg wandte sich Hugo Sonnenschein der Politik zu. In Wien war er an der Gründung der Roten Garde beteiligt, der auch Egon Erwin Kisch angehörte. In Prag gab er zusammen mit dem tschechischen Schriftsteller Stanislav K. Neumann? eine kommunistische Wochenzeitung heraus. Zu Konflikten mit dem Wiener Schriftsteller und Publizisten? Karl Kraus? kam es, als Hugo Sonnenschein zusammen mit Franz Werfel?, Albert Ehrenstein? und Alfred Adler? den Genossenschaftsverlag? gründete. Der Genossenschaftsverlag? gab die legendäre expressionistische Schriftenreihe? „Die Gefährten“? heraus, in der unter anderem Alfred Döblin, Max Brod und Paul Kornfeld? literarische Arbeiten veröffentlichten.

1920 erschien im Verlag Hugo Sonnenscheins Lyrikband „Die Legende vom weltverkommenen Sonka“, der als sein Meisterwerk gilt. Die Gedichte sind stark autobiographisch? gefärbt. Die Identifikation mit der Kunstfigur des weltverkommenen Sonka war so stark, dass Sonnenschein einen Teil seiner literarischen Arbeiten unter diesem Pseudonym veröffentlichte.

Die folgenden Jahre waren von politischen Abenteuern geprägt. 1920 traf er in Moskau mit Lenin und Stalin zusammen, auf der Heimreise wurde er zwei Mal verhaftet und inhaftiert. 1921 gehörte er zu den Mitbegründern der Kommunistischen Partei der Tschechoslowakei. Als er 1927 gegen die Verfolgung von Leo Trotzki protestierte, wurde er aus der Partei ausgeschlossen. Später stand er mit Trotzki, der in Mexiko im Exil lebte und 1940 im Auftrage Stalins ermordet wurde, in regem Briefkontakt.

Der Dichter Hugo Sonnenschein schwieg lange. Erst 1930 erschien sein Gedichtband „Der Bruder Sonka und die allgemeine Sache oder das Wort gegen die Ordnung“. Thomas Mann und Erich Mühsam? schrieben lobende Kritiken. Thomas Mann betonte, dass in Sonnenscheins Gedichten die soziale Anklage auf eine wunderbare Weise mit einer beeindruckenden dichterischen Kraft verbunden sei.

Die austrofaschistische Regierung in Österreich erklärte Hugo Sonnenschein im März 1934 zum „lästigen Ausländer“ und schob ihn in die Tschechoslowakei ab. Dort wurde er 1939 nach dem Einmarsch deutscher Truppen von der Geheimen Staatspolizei verhaftet. 1943 folgte die Deportation in das Vernichtungslager Auschwitz. Nach seiner Befreiung durch die Rote Armee kehrte er nach Prag zurück, wo er 1947 erneut verhaftet wurde. Er wurde zu 20 Jahren Kerker verurteilt. Der Vorwurf lautete, dass er während des Zweiten Weltkrieges mit der Geheimen Staatspolizei kollaboriert habe.

Hugo Sonnenschein, der sich zur Kunstfigur "Sonka" stilisiert hatte, starb am 20. Juli 1953 im Zuchthaus Mirov.

Übrigens ...

Hugo Sonnenschein war zwei Mal verheiratet. Seine erste Frau, die aus Kolin stammende Sängerin und Kunsthandwerkerin Marie Svoboda, hatte er 1912 geheiratet. 1916 ließen sie sich wieder scheiden. Sie überlebte den Zweiten Weltkrieg und war 72 Jahre alt, als sie 1959 starb. Seine zweite Frau Rose wurde zusammen mit ihm nach Auschwitz deportiert. Im Dezember 1943 wurde sie in Auschwitz-Birkenau ermordet und verbrannt.

Werke (Auswahl)

  • Bücher von Hugo Sonnenschein bei Jokers
  • Die Fesseln meiner Brüder. Gesammelte Gedichte. München, Carl Hanser Verlag 1984, ISBN: 978-3446141377
  • Schritte des Todes. Traumgedichte aus Auschwitz. Wien, Monte Verita 1993, ISBN: 978-3900434458
  • Terrhan oder Der Traum von meiner Erde. München, Carl Hanser Verlag 1997, ISBN: 978-3446040120

Hörspiele

Sekundärliteratur

  • Der Aspekt des Politischen in der frühen Lyrik Hugo Sonnenscheins. Frankfurt am Main, Verlag Peter Lang 2002, ISBN: 978-3631385517

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