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Catull

Gaius Valerius Catullus (geb. um 84 v. Chr. in Verona; gest. um 54 v. Chr. in Rom), war ein lateinischer Lyriker. Er gilt als bedeutendster Vertreter der Versdichtung im alten Rom?. Berühmt sind vor allem seine Epigramme?. Catull hat die römische Elegie? begründet.

Leben und Schreiben

Catull wurde vermutlich 84 v. Chr. im norditalienischen Verona geboren. Er stammte aus einer wohlhabenden und einflussreichen Familie. Sueton? (Divus Iulius, 73) erwähnt, dass Catulls Vater den späteren Imperator Caesar? während dessen Zeit als Prokonsul gelegentlich beherbergt hat. Auf der Halbinsel Sirmio (Sirmione) am Südende des Gardasees besaß die Familie ein Landhaus.

Neoteriker

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Als junger Mann wurde Catull zur Ausbildung nach Rom geschickt. Hier begann er zu dichten. Er schloss sich einer Gruppe progressiver Lyriker an: den Neoterikern. Der Begriff geht auf Cicero? zurück, der in einem Brief? (Ad Attikum, 7, 2, 1) beiläufig von den "poetae novi" (griechisch "neoteroi" - "Neulinge") schrieb. Die Neoteriker orientierten sich am hellenistischen? Vorbild und strebten nach dem Ideal des universal gebildeten Autors, des "poeta doctus", den sie in Kallimachos? verkörpert sahen. Nach ihrem Zentrum, der hellenistischen Bibliotheksstadt Alexandria, heißt diese Dichtung die alexandrinische. Cicero lehnte die Neoteriker ab, weshalb er von Catull des öfteren literarisch angegriffen wurde - ebenso waren übrigens Caesar und andere Politiker Zielscheibe von Catulls Ironie?, die jedoch nicht als Ausdruck echten politischen Engagements zu werten ist.

Catull war zwar Republikaner und gehörte damit der Gegenpartei Caesars an, der 45 v. Chr. das Ende der Republik herbeiführen sollte. Insgesamt standen die Neoteriker jedoch, anders als andere Schriftsteller jener Zeit, der Politik kritisch bis desinteressiert gegenüber. In ihren Texten geht es nicht um staatstragende Dinge, sondern um den Schreibenden und seine Gefühle, um Freundschaft, Liebe und Erotik. Das Persönliche und scheinbar Unbedeutende rückt in den Vordergrund. Oft werden unbekanntere Mythen und gelehrte Stoffe verarbeitet.

Die Neoteriker waren sehr formbewusst. Trotz der scheinbar unbedeutenden Themen feilten sie lange an ihren Versen, um den Eindruck vollkommener Spontaneität zu erzeugen. Daher bevorzugten sie kurze Gedichtformen wie Epigramm?, Epyllion? oder Elegie? - Catull gilt als Begründer dieser letzten Form. Mit ihren Gelegenheitsgedichten? und Epigrammen gelang es den Neoterikern, die Lyrik in Rom zu etablieren.

Epikureismus

Catull stand der epikuräischen Philosophie nahe. Epikur (341–270 v. Chr.) lehrte die Glückseligkeit (Eudämonie), die entsteht, wenn man sich beim Streben nach sinnlichem Genuss von der Vernunft leiten lässt und so das richtige Maß findet. Darin sind die Epikuräer zwar den Stoikern nahe, doch sie interessieren sich weniger für die Gesellschaft, mehr für das Private. Lust ist für sie ein Zustand heiterer Gelassenheit (Ataraxie – im Unterschied zur stoischen Apathie), der nicht durch körperlichen Schmerz und seelische Unruhe getrübt ist.

Vermutlich um 57 v. Chr. begleitete Catull einen befreundeten Statthalter in die kleinasiatische Provinz Bithynien. Dabei besuchte er auch das Grab seines Bruders vor Troja, wovon eine Gedichtzeile? erzählt: "frater ave atque vale" ("Bruder, grüße dich und Lebewohl").

Catull ist etwa 30 Jahre alt geworden. Die Historiker streiten sich über Geburts- und Todesdaten. Manche nehmen an, er sei 87 v. Chr. geboren und entsprechend 57. v. Chr. gestorben. Jedoch finden sich in seinem Werk Anspielungen auf Ereignisse nach 57 v. Chr., daher gilt das Todesjahr 54 v. Chr. als wahrscheinlicher.

Die Gedichte

116 Gedichte, so genannte "Carmina" (Singular: "Carmen"), sind von Catull überliefert?. Formal werden die Gedichte in drei Gruppen eingeteilt:

  • Carmina 1-60: kleinere Gedichte (auch Polymetra genannt - d. h. es sind Texte in verschiedenen Versmaßen)
  • Carmina 61-68: größere Gedichte in verschiedenen Versmaßen, meist zu unbekannteren, oft erotischen Themen der Mythologie
  • Carmina 69-116: Epigramme, die als elegische? Distichen? (Zweizeiler) geschrieben sind.

Thematisch lassen sich mehrere Gruppen herauskristallisieren:

Liebesgedichte

Zu diesen gehören die bekannten Liebesgedichte an "Lesbia". Hinter dem Decknamen verbirgt sich vermutlich eine verheiratete Lebedame der römischen Gesellschaft: die zehn Jahre ältere Clodia, die Schwester des Volkstribunen Clodius Pulcher. Aber auch deren Schwester oder eine ganz andere, heute unbekannte Frau könnte gemeint sein.

Catull beschreibt diese Liebe vom höchstem Glück bis zur tiefsten Verzweiflung:

  • Die Eroberung und das ungetrübte Glück: Die Carmina 83 und 92 sind Eroberungsgedichte, die Carmina 5 und 7 Kussgedichte (Basiagedichte)
  • Das Leiden an der Leidenschaft: Carmina 2 und 3 sind Gedichte an den Spatz Lesbias; Carmen 6o enthält die Klage? über Lesbias Hartherzigkeit.
  • Catull reagiert auf die Untreue Lesbias: Carmen 8 erzählt vom ersten Versuch, der Liebe zu entsagen. Carmen 11: Freunde Catulls sollen Lesbia davon berichten. Carmen 76: Catull fleht die Götter an, ihn von seiner Liebesqual zu erlösen. Carmina 72, 75 und 85: Catull spürt, dass sich seine Liebe zu Lesbia in Hassliebe gewandelt hat.
Schmäh- und Spottgedichte

Diese Gedichte sind zumeist gegen Caesar und seine Parteigänger gerichtet. Beispiele sind die Carmina 29, 57, 93, 114 und 115.

Gedichte an Freunde und andere Themen

Hierzu gehört Carmen 1 mit der Widmung an den Historiker Cornelius Nepos, ferner Landschaftsschilderungen (Carmina 31, 44), Freundschaftserlebnisse (Carmina 45, 55 und 73), Totenklagen (Carmina 65 und 101), Hochzeitsgedichte (Carmina 61, 62 und 64) und mehr.

Das Peleus-Epyllion

In Carmen 64 erzählt Catull von der Hochzeit des Peleus und der Thetis - ein Stoff aus der Mythologie. Mit 408 Versen ist es das längste Carmen, ein so genanntes Epyllion (Kleinepos).

Übrigens ...

verulkte Catull einen hohen Militärbeamten und Freund Caesars namens Mamurra als "mentula" ("Penis"). Caesar höchstpersönlich war darüber verärgert, forderte eine Entschuldigung - und lud, auf diese Weise besänftigt, den Dichter zuletzt zum Essen ein. Catull konnte sich seine spöttischen Angriffe aufgrund seiner materiellen Unabhängigkeit offenbar leisten.

Werke (Auswahl)

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